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Tresor für Gold und Silber kaufen: Widerstandsgrade, VdS-Zertifikat und Versicherungssummen verstehen

Ein Tresor ist kein Möbelstück, sondern ein geprüftes Bauteil mit definierter Widerstandszeit. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Blechschrank aus dem Baumarkt und einem Wertschutzschrank, den ein Versicherer akzeptiert. Wer Gold und Silber zu Hause verwahrt, entscheidet mit dem Widerstandsgrad nicht nur über den mechanischen Schutz, sondern auch darüber, bis zu welcher Summe im Schadenfall überhaupt reguliert wird. Dieser Ratgeber ordnet die Normen EN 14450 und EN 1143-1 ein, erklärt VdS- und ECB·S-Zertifikate, nennt die üblichen Versicherungsrichtwerte je Grad und zeigt, worauf es bei Verankerung, Gewicht und Feuerschutz wirklich ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sicherheitsschrank ist nicht gleich Wertschutzschrank: S1 und S2 nach EN 14450 liegen deutlich unterhalb der Widerstandsgrade nach EN 1143-1, die bei Grad N beginnen.
  • Der Widerstandsgrad steuert die Versicherungssumme. Grad I gilt privat üblicherweise bis 65.000 Euro, Grad II bis 100.000 Euro – als unverbindlicher Richtwert.
  • Verankerung ist Pflicht: Wertbehältnisse unter 1.000 Kilogramm müssen im Regelfall fest im Beton verankert sein, sonst entfällt die Einstufung.
  • Feuerschutz ist eine eigene Norm. EN 1047-1 und EN 15659 sagen nichts über den Einbruchschutz aus – und umgekehrt.
  • Vor dem Kauf mit dem Sachversicherer sprechen. Die Tabellen der Hersteller sind Richtwerte, verbindlich ist allein Ihr Vertrag.

Warum der Widerstandsgrad die zentrale Kennzahl beim Tresorkauf ist

Beim Blick in Online-Shops fallen zuerst Wandstärke, Türgewicht und Schlossart auf. Für die Praxis ist jedoch eine andere Angabe entscheidend: der Widerstandsgrad. Er beschreibt, wie lange ein Prüfinstitut braucht, um das Behältnis mit definiertem Werkzeugsatz zu öffnen. Gemessen wird in Widerstandseinheiten, abgekürzt RU (Resistance Units). In diese Kennzahl fließen die benötigte Zeit, die eingesetzten Werkzeuge und deren Gefährlichkeit ein.

Bei den Aufbruchtests kommt zum Einsatz, was auch Täter verwenden würden: Vorschlaghammer, Brechwerkzeuge, Bohrmaschinen, Winkelschleifer und thermische Verfahren wie Schneidbrenner. Über einen Teil der Spezialwerkzeuge schweigen die Institute bewusst, damit sich Prüfszenarien nicht nachbauen lassen. Angegeben werden je Grad zwei Werte, etwa 30/50 RU: Der erste Wert gilt für den Teilzugriff (eine Öffnung, durch die man hineingreifen kann), der zweite für den Vollzugriff, also eine Öffnung, durch die der komplette Inhalt entnommen werden kann.

Für Edelmetallbesitzer ist diese Logik wichtiger, als sie zunächst wirkt. Einbrüche in Privathaushalte dauern selten lange. Jede zusätzliche Minute, die ein Behältnis Widerstand leistet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Täter abbrechen oder nur einen Teil mitnehmen. Ein Tresor ist damit kein absoluter Schutz, sondern ein Zeitpuffer mit Prüfnachweis – und genau diesen Nachweis verlangt der Versicherer.

EN 14450 und EN 1143-1: zwei Normen, zwei Ligen

Die häufigste Verwechslung beim Tresorkauf betrifft die Norm. Beide Normen beschreiben Einbruchschutz, aber auf sehr unterschiedlichem Niveau.

Sicherheitsschränke nach EN 14450 (S1 und S2)

Die EN 14450 regelt die Prüfung von Sicherheitsschränken und kennt nur zwei Stufen. S1 hat typischerweise eine doppelwandige Tür und einen einwandigen Korpus, S2 ist in der Regel komplett doppelwandig. Die Anforderungen liegen unterhalb der EN 1143-1, aber oberhalb der alten VDMA-Klassen A und B. Für Dokumente, Ersatzschlüssel, eine kleine Bargeldreserve oder eine überschaubare Silbermenge kann ein S2-Schrank ein sinnvoller Einstieg sein. Für einen nennenswerten Edelmetallbestand ist er es nicht.

Wertschutzschränke nach EN 1143-1 (Grad N bis X)

Erst die EN 1143-1 definiert echte Wertschutzschränke. Die Grade werden meist in römischen Ziffern angegeben und beginnen bei N (auch als Grad 0 geführt), gefolgt von I, II, III, IV, V und in der Spitze bis X. Für Privathaushalte sind praktisch nur die Grade N bis III relevant. Der Aufbau unterscheidet sich fundamental von einem Blechschrank: mehrwandiger Korpus, Türspezialfüllung, ab Grad III und IV in der Regel durchgehende Spezialbeton- oder Armierungsfüllungen, umlaufender Feuerfalz, geprüftes Schloss nach EN 1300 und ab Grad IV häufig zwei voneinander unabhängige Schlösser.

Ein Zusatz, der bei höheren Graden auftaucht, ist KB für Kernbohrschutz. Diese Ausführungen halten zusätzlich dem Angriff mit Kernbohrgeräten stand und werden vor allem im gewerblichen Umfeld eingesetzt.

Querschnitt einer mehrwandigen Tresortür mit Riegelwerk und Spezialfüllung
Die Qualität eines Wertschutzschranks steckt im Aufbau: mehrwandige Konstruktion, Spezialfüllung und massives Riegelwerk sind von außen kaum zu erkennen.

Versicherungssummen je Widerstandsgrad: die Richtwerte im Überblick

Die folgenden Werte sind branchenübliche Orientierungsgrößen, die auf VdS-Publikationen wie VdS 0961, VdS 2333 und VdS 3134 zurückgehen. Sie sind unverbindlich: Jeder Sachversicherer kann eigene Grenzen festlegen, und die Angaben einzelner Hersteller weichen im unteren Bereich voneinander ab. Verbindlich ist ausschließlich das, was in Ihrem Versicherungsschein und den zugehörigen Bedingungen steht.

Übliche Richtwerte für Versicherungssummen nach Sicherheitsstufe und Widerstandsgrad
Stufe / Grad Norm Widerstandseinheiten privat (Richtwert) gewerblich (Richtwert)
S1 EN 14450 keine RU-Einstufung bis ca. 5.000 € bzw. nach Absprache nach Absprache
S2 EN 14450 keine RU-Einstufung ca. 20.000 bis 30.000 € nach Absprache
Grad N (0) EN 1143-1 30/30 RU ca. 20.000 bis 40.000 € bis ca. 10.000 €
Grad I EN 1143-1 30/50 RU bis ca. 65.000 € bis ca. 20.000 €
Grad II EN 1143-1 50/80 RU bis ca. 100.000 € bis ca. 50.000 €
Grad III EN 1143-1 80/120 RU bis ca. 200.000 € bis ca. 100.000 €
Grad IV EN 1143-1 120/180 RU bis ca. 400.000 € bis ca. 150.000 €
Grad V (auch mit KB) EN 1143-1 rund 170/270 bis 180/270 RU nach Absprache mit dem Versicherer ca. 250.000 bis 375.000 €

Zwei Punkte fallen sofort auf. Erstens: Bei allen bezifferten Graden liegen die privaten Summen über den gewerblichen. Der Grund ist die Risikoeinschätzung – ein Wohnhaus ist nachts meist bewohnt, ein leerstehendes Ladenlokal nicht. Zweitens: Der Sprung von S2 auf Grad I ist wirtschaftlich der interessanteste. Gemessen an der zusätzlich anerkannten Summe fällt der Aufpreis bei vergleichbarer Größe meist moderat aus – konkrete Preise unterscheiden sich allerdings stark nach Hersteller, Maßen und Ausstattung.

Eine weitere Stellschraube ist die Einbruchmeldeanlage. Ist der Wertschutzschrank an eine VdS-geprüfte EMA angeschlossen, verdoppeln viele Versicherer die anerkannte Summe. Wer ohnehin über eine Alarmanlage nachdenkt, sollte diesen Zusammenhang von Anfang an mitkalkulieren, weil Tresore dafür ab Werk vorbereitet sein müssen.

VdS, ECB·S und die Prüfplakette: woran Sie ein echtes Zertifikat erkennen

Formulierungen wie „sicherheitsgeprüft“, „tresorähnlich“ oder „nach EN gefertigt“ sind keine Zertifizierung. Ein zertifizierter Wertschutzschrank trägt eine Prüfplakette, die üblicherweise innen an der Tür oder am Türfalz angebracht ist. Darauf stehen Norm, Grad, Prüfstelle, Hersteller und eine Zertifikatsnummer.

  • VdS Schadenverhütung GmbH: Tochterunternehmen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft mit Sitz in Köln. Die VdS prüft selbst und zertifiziert nach EN 1143-1. VdS-Klasse und Widerstandsgrad werden meist synonym verwendet.
  • ECB·S (European Certification Body GmbH): neutrale, akkreditierte Zertifizierungsstelle, getragen von der ESSA. Die ECB führt keine eigenen Aufbruchtests durch, sondern arbeitet mit anerkannten Prüfpartnern zusammen.
  • VSÖ: der Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs, dessen Zulassungen im deutschsprachigen Raum ebenfalls anerkannt werden.

Praktischer Hinweis für die Kaufentscheidung: Lassen Sie sich das Zertifikat mit Nummer aushändigen und bewahren Sie eine Kopie außerhalb des Tresors auf. Im Schadenfall verlangt der Versicherer den Nachweis der Einstufung – und der Tresor selbst ist dann unter Umständen nicht mehr verfügbar. Zur Dokumentation gehören außerdem Kaufbelege, Fotos und eine Bestandsliste, wie sie im Ratgeber zum Thema Edelmetalle versichern beschrieben ist.

Verankerung und Eigengewicht: der am häufigsten unterschätzte Punkt

Der beste Widerstandsgrad nützt wenig, wenn das Behältnis komplett abtransportiert wird. Im Keller oder in der Garage lässt sich in Ruhe öffnen, was in der Wohnung geschützt wäre. Deshalb gilt in der Branche die Faustregel: Wertbehältnisse unter 1.000 Kilogramm sind fachgerecht zu verankern, üblicherweise im Betonboden oder in einer massiven Wand. Zertifizierte Tresore werden aus diesem Grund mit passendem Verankerungsmaterial und vorbereiteten Bohrungen ausgeliefert.

Wertschutzschrank wird mit Schwerlastankern im Betonboden befestigt
Verankerung im Beton: Erst die feste Verbindung mit dem Gebäude macht aus einem schweren Kasten ein Behältnis, das der Versicherer anerkennt.

Für die Praxis heißt das:

  1. Untergrund prüfen. Estrich, Holzdielen oder Hohlraumböden reichen nicht. Erforderlich ist tragfähiger Beton oder Mauerwerk mit ausreichender Dicke.
  2. Statik beachten. Ein Grad-II-Schrank mit 300 bis 500 Kilogramm ist in Altbauten mit Holzbalkendecke ein echtes Thema. Erdgeschoss oder Keller mit Betondecke sind meist die bessere Wahl.
  3. Transportweg planen. Türbreiten, Treppenhäuser und Aufzüge entscheiden oft mehr über das mögliche Modell als der Preis. Speditionslieferung bis zum Aufstellort und Montage sind Zusatzleistungen, die man vorab klären sollte.
  4. Standort diskret wählen. Ein Tresor im Schlafzimmerschrank ist unauffälliger als einer, der vom Wohnzimmer aus sichtbar ist. Handwerker, Lieferdienste und Besucher sollten ihn nicht beiläufig sehen.
  5. Verankerung dokumentieren. Fotos vom eingebauten Zustand kosten fünf Minuten und helfen bei der Regulierung.

Bei Mietwohnungen kommt ein rechtlicher Aspekt hinzu: Bohrungen im Estrich oder in tragenden Bauteilen sollten mit dem Vermieter abgestimmt werden. Alternativ bieten manche Hersteller Modelle mit höherem Eigengewicht an, bei denen ab einer bestimmten Masse auf die Verankerung verzichtet werden kann – das ist jedoch immer mit dem Versicherer abzuklären.

Feuerschutz: EN 1047-1, EN 15659 und was Edelmetalle wirklich brauchen

Einbruchschutz und Feuerschutz sind getrennte Prüfwelten. Ein Wertschutzschrank nach EN 1143-1 hat nicht automatisch geprüften Feuerschutz, und ein Feuerschutzschrank ist selten einbruchhemmend. Geräte, die beides mitbringen, werden als Duplexschränke bezeichnet.

  • EN 1047-1 beschreibt den hohen Feuerschutz mit Klassen wie S 60 P und S 120 P (60 bzw. 120 Minuten für Papier) sowie S 60 DIS und S 120 DIS für Datenträger. Zur Prüfung gehört auch ein Sturztest.
  • EN 15659 regelt den leichten Feuerschutz, gekennzeichnet als LFS 30 P oder LFS 60 P.
  • Der Braunschweig-Test der Materialprüfanstalt für das Bauwesen an der TU Braunschweig ist ein etabliertes Verfahren: Der Tresor wird im Brandofen auf rund 1.090 Grad Celsius erhitzt, anschließend aus 9,15 Metern Höhe auf ein Kiesbett gestürzt und danach erneut für 30 Minuten auf etwa 840 Grad befeuert. Der Sturz simuliert den Einsturz eines brennenden Gebäudes.

Für Metall selbst ist Feuer weniger kritisch, als viele annehmen: Gold schmilzt bei rund 1.064 Grad Celsius, Silber bei etwa 962 Grad. Ein Wohnungsbrand erreicht solche Temperaturen selten flächendeckend, und geschmolzenes Metall ist nicht wertlos, sondern nur nicht mehr als Prägung handelbar. Kritisch sind dagegen alle Papierwerte im selben Behältnis: Kaufbelege, Zertifikate, Echtheitsblister, Sammlerdokumentation und Notfallunterlagen. Wer Dokumente und Metall gemeinsam lagert, sollte Feuerschutz deshalb ernst nehmen. Ebenso relevant sind Löschwasser und Brandrauch – beide beschädigen Papier zuverlässiger als Hitze.

Praxistipp: Trennen Sie die Ebenen. Anlagemetall in den Wertschutzschrank, wichtige Dokumente zusätzlich digitalisiert an einem zweiten Ort. Damit hängt die gesamte Nachweiskette nicht an einem einzigen Behältnis.

Was in den Tresor gehört – und was besser aufgeteilt wird

Ein Wertschutzschrank ist ein Baustein, keine Gesamtlösung. Wer den kompletten Bestand an einem Ort konzentriert, schafft einen einzigen Angriffspunkt. Sinnvoll ist eine bewusste Aufteilung nach Zweck.

In den Tresor gehört

  • Der handlungsfähige Kernbestand, auf den Sie kurzfristig zugreifen wollen – typischerweise gängige Anlagemünzen und kleine Barren.
  • Stückelung statt Klumpen: mehrere kleinere Einheiten sind flexibler als eine einzelne große Position.
  • Sammlerstücke in Münzkapseln, die vor Kratzern und Handschweiß schützen.
  • Eine knappe, aktuelle Bestandsliste – ergänzend, nicht ersetzend zur Kopie außerhalb.

Besser ausgelagert

  • Der langfristige Hauptbestand, wenn er die versicherbare Summe des Tresors übersteigt. Hier sind Bankschließfach oder Zollfreilager die naheliegenden Alternativen, wie der Vergleich der drei Lagerorte für Edelmetalle zeigt.
  • Originalbelege und Zertifikate in Kopie an einem zweiten Ort.
  • Zugangsdaten, Notfallkontakte und die Information, wo sich was befindet – für Angehörige nachvollziehbar hinterlegt.
Münzkapseln, Baumwollhandschuhe und eine handschriftliche Bestandsliste auf dunkler Schieferplatte
Ordnung im Tresor: Kapseln, Handschuhe und eine gepflegte Bestandsliste erleichtern später den Nachweis gegenüber Versicherung und Erben.

Für kleine Teilmengen, die außerhalb des Tresors bleiben, sind unauffällige Behältnisse eine pragmatische Ergänzung. Ein Dosensafe im Vorratsschrank ersetzt keinen Wertschutzschrank und keine Versicherung, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem kurzen Einbruch nicht alles an einer Stelle liegt. Wer regelmäßig mit Münzen hantiert, sollte zusätzlich Baumwollhandschuhe verwenden, um Fingerabdrücke und Korrosionsspuren zu vermeiden.

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Kaufcheckliste: in sieben Schritten zum passenden Wertschutzschrank

  1. Wert ermitteln. Bestand zu aktuellen Kursen bewerten, geplante Zukäufe der nächsten Jahre einrechnen. Wer knapp kalkuliert, kauft zweimal.
  2. Versicherer fragen. Vor dem Kauf klären, welcher Grad für welche Summe anerkannt wird und ob eine EMA vorgesehen ist.
  3. Grad festlegen. Für Beträge bis rund 65.000 Euro führt der Weg in der Praxis zu Grad I, darüber zu Grad II oder III.
  4. Feuerschutz entscheiden. Lagern Dokumente mit im Schrank? Dann Duplexausführung prüfen.
  5. Schloss wählen. Mechanisches Zahlenschloss ist wartungsarm und stromunabhängig, Elektronikschlösser sind schneller. Beides muss nach EN 1300 geprüft sein.
  6. Innenmaß prüfen. Edelmetall braucht wenig Volumen, aber viel Tragfähigkeit. Achten Sie auf die zulässige Fachbodenlast – 100 Unzen Silber wiegen über drei Kilogramm, ein Monsterbox-Bestand schnell ein Vielfaches.
  7. Lieferung und Montage klären. Transportweg, Verankerung und Entsorgung der Verpackung vorab vereinbaren.

Wichtig: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt weder eine Versicherungsberatung noch eine verbindliche Auskunft Ihres Sachversicherers. Prüfen Sie die konkreten Bedingungen Ihres Vertrags, bevor Sie sich für einen Widerstandsgrad entscheiden.

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Häufige Fragen zu Widerstandsgrad, VdS und Versicherungssumme

Welcher Widerstandsgrad reicht für Gold und Silber zu Hause?

Das hängt allein vom Wert des Bestands ab. Für Beträge bis etwa 20.000 Euro kann ein S2-Schrank nach EN 14450 genügen, sofern der Versicherer ihn anerkennt. Ab dieser Größenordnung führt der Weg zu einem Wertschutzschrank nach EN 1143-1: Grad N für kleinere Bestände, Grad I bis rund 65.000 Euro, Grad II bis etwa 100.000 Euro. Entscheidend ist die schriftliche Bestätigung Ihres Versicherers, nicht die Herstellertabelle.

Was bedeutet die Angabe 30/50 RU?

RU steht für Resistance Units, also Widerstandseinheiten. Der erste Wert beschreibt den Teilzugriff, bei dem eine Öffnung geschaffen wird, durch die man hineingreifen kann. Der zweite Wert gilt für den Vollzugriff, bei dem der gesamte Inhalt entnommen werden könnte. In die Einheiten fließen Zeitaufwand und die Gefährlichkeit der eingesetzten Werkzeuge ein. 30/50 RU entspricht dem Widerstandsgrad I nach EN 1143-1.

Ist ein VdS-Zertifikat Pflicht?

Gesetzlich vorgeschrieben ist es für Privathaushalte nicht. Praktisch ist es jedoch die gängigste Grundlage, auf die sich deutsche Sachversicherer beziehen. Anerkannt werden neben VdS-Zertifikaten üblicherweise auch ECB·S-Zertifikate und Zulassungen des österreichischen VSÖ. Ohne eine solche Prüfplakette bleibt die Einstufung Verhandlungssache mit dem Versicherer.

Erhöht eine Alarmanlage die Versicherungssumme?

In vielen Verträgen ja. Ist der Wertschutzschrank an eine VdS-geprüfte Einbruchmeldeanlage angeschlossen, verdoppeln zahlreiche Versicherer die anerkannte Summe. Voraussetzung ist, dass der Tresor die entsprechende Vorbereitung ab Werk besitzt und die Anlage fachgerecht installiert und aufgeschaltet wurde. Klären Sie das vor dem Kauf, weil sich Modelle nachträglich nur begrenzt umrüsten lassen.

Muss ein Tresor immer verankert werden?

Als Faustregel gilt: Wertbehältnisse unter 1.000 Kilogramm müssen fachgerecht im Betonboden oder in einer massiven Wand verankert sein, damit die Einstufung Bestand hat. Zertifizierte Modelle werden deshalb mit passendem Verankerungsmaterial geliefert. Bei sehr schweren Schränken kann der Versicherer auf die Verankerung verzichten – das ist aber immer im Einzelfall zu bestätigen.

Schützt ein Feuerschutzschrank auch vor Einbruch?

Nein. Feuerschutz nach EN 1047-1 oder EN 15659 und Einbruchschutz nach EN 1143-1 sind unterschiedliche Prüfverfahren mit unterschiedlichen Anforderungen. Ein reiner Dokumentenschrank kann hitzebeständig und trotzdem schnell aufzubrechen sein. Wer beides braucht, benötigt einen Duplexschrank mit zwei ausgewiesenen Klassifizierungen.

Was passiert, wenn der Tresorinhalt die Versicherungssumme übersteigt?

Dann besteht Unterversicherung für den übersteigenden Teil. Im Schadenfall wird nur bis zur vereinbarten Grenze reguliert, der Rest bleibt Ihr Verlust. Wer den Bestand kontinuierlich aufbaut, sollte die Summe regelmäßig überprüfen – gerade weil steigende Metallkurse den Wert eines unveränderten Bestands stillschweigend über die Grenze heben können. Alternativ lässt sich ein Teil an einem externen Lagerort verwahren.

Wo sollte der Tresor in der Wohnung stehen?

Bevorzugt in einem Raum mit tragfähigem Betonboden, gut verankert und nicht von außen einsehbar. Ungünstig sind Keller und Garage, wenn Täter dort ungestört arbeiten können, sowie Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit, weil Silber unter feuchten Bedingungen schneller anläuft. Ein diskreter Standort in den Wohnräumen ist in der Regel die bessere Wahl als ein leicht erreichbarer Nebenraum.

Fazit: erst die Summe, dann der Grad

Die Reihenfolge beim Tresorkauf ist umgekehrt zu dem, was viele tun. Nicht das Modell steht am Anfang, sondern der Wert, der geschützt werden soll, und die Frage, welche Summe der eigene Versicherer bei welchem Widerstandsgrad anerkennt. Aus dieser Antwort ergeben sich Grad, Gewicht, Standort und Budget fast automatisch. Ein zertifizierter Wertschutzschrank nach EN 1143-1 mit fachgerechter Verankerung ist für die meisten privaten Bestände die tragfähige Lösung – ergänzt um eine saubere Dokumentation und die Bereitschaft, nicht alles an einem einzigen Ort zu bündeln.

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