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Goldnachfrage 2026: Schmuck bricht ein, Barren und Münzen boomen

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Der Goldmarkt hat 2026 seinen Charakter verändert. Nicht die Menge des nachgefragten Metalls ist das Auffällige, sondern die Verschiebung dessen, wer kauft und warum: Im ersten Quartal 2026 kletterte die Nachfrage nach Barren und Münzen laut World Gold Council um 42 Prozent auf 474 Tonnen, während die Schmucknachfrage mengenmäßig um 23 Prozent auf 300 Tonnen einbrach. Erstmals seit Jahren übersteigt das Investmentsegment die klassische Konsumnachfrage deutlich. Der Quartalsbericht zum zweiten Quartal, der Ende Juli erscheint, trifft nun auf ein völlig anderes Preisumfeld – und genau das macht ihn zur wichtigsten Datenlieferung des Jahres.

Gestapelte Goldbarren und geprägte Anlagemünzen im Licht, dahinter eine unscharfe, dunkle Schmuckvitrine
Physisches Anlagegold rückt in den Vordergrund, Goldschmuck verliert als Wertspeicher an Bedeutung.

Die Quartalsbilanz: Rekordwert bei kaum wachsender Menge

Die Kopfzahl des Berichts wirkt unspektakulär: Die gesamte Goldnachfrage inklusive des außerbörslichen OTC-Handels lag im ersten Quartal 2026 bei 1.231 Tonnen und damit nur zwei Prozent über dem Vorjahresquartal. Der Wert dieser Nachfrage sprang jedoch um 74 Prozent auf einen Rekord von 193 Milliarden US-Dollar. Diese Schere zwischen Menge und Wert ist die eigentliche Geschichte des Jahres: Es wird kaum mehr Gold gekauft, aber jedes Gramm kostet deutlich mehr.

Der durchschnittliche Quartalspreis erreichte mit 4.873 US-Dollar je Feinunze (LBMA-Nachmittagsfixing) einen neuen Höchststand. Im Januar markierte Gold ein Allzeithoch von 5.405 US-Dollar, bevor eine deutliche Korrektur folgte. Über das gesamte Quartal blieb ein Preisplus von rund sechs Prozent.

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Die Segmente im Überblick

Goldnachfrage nach Segmenten, erstes Quartal 2026 (Quelle: World Gold Council / Metals Focus)
SegmentMenge Q1 2026Veränderung zum Vorjahr
Barren und Münzen474 Tonnen+42 Prozent
Schmuck300 Tonnen−23 Prozent (Wert: +31 Prozent)
Zentralbanken (netto)244 Tonnen+3 Prozent
Gold-ETFs+62 TonnenVorjahr: +230 Tonnen
Technologie82 Tonnen+1 Prozent (Treiber: KI-Infrastruktur)
Gesamt (inkl. OTC)1.231 Tonnen+2 Prozent

Bemerkenswert ist das Verhältnis der beiden großen Endverbrauchersegmente. Über Jahrzehnte war Schmuck der mengenmäßig dominierende Abnehmer von Gold, oft mit einem Mehrfachen der Barren- und Münzennachfrage. Im ersten Quartal 2026 lag das Investmentsegment mit 474 Tonnen um mehr als die Hälfte über der Schmuckverarbeitung. Das ist keine Momentaufnahme eines einzelnen Marktes, sondern ein Muster, das sich über alle Kernregionen zieht.

Warum der hohe Preis Schmuck zerstört und Barren beflügelt

Auf den ersten Blick erscheint der Befund widersprüchlich: Derselbe Preis, der Käufer aus dem Schmuckgeschäft treibt, zieht sie in Barren und Münzen hinein. Der Mechanismus dahinter ist jedoch schlüssig, wenn man die beiden Kaufmotive trennt.

  • Schmuck ist eine Konsumausgabe mit Budgetgrenze. Wer für eine Kette 1.000 Euro einplant, bekommt bei steigendem Goldpreis einfach weniger Gramm oder greift zu niedrigeren Karat-Legierungen. Die verarbeitete Menge sinkt, obwohl die Kauflust bleibt – deshalb fiel das Volumen um 23 Prozent, während die Ausgaben um 31 Prozent stiegen.
  • Barren und Münzen sind eine Vermögensentscheidung mit Preisdynamik als Auslöser. Hier wirkt der steigende Kurs nicht als Bremse, sondern als Aufmerksamkeitssignal. Käufer investieren einen Betrag, nicht eine Gewichtsmenge.
  • Zwischen beiden Segmenten findet Substitution statt. In Märkten, in denen Schmuck traditionell auch als Wertspeicher diente, wandert Kaufkraft direkt in Anlageprodukte mit geringerem Aufschlag.

Besonders klar zeigt sich das in China. Dort brach die Schmucknachfrage um 32 Prozent ein, während die Barren- und Münzennachfrage um 67 Prozent auf einen Quartalsrekord von 207 Tonnen stieg – der alte Rekord lag bei 155 Tonnen aus dem zweiten Quartal 2013. Der World Gold Council beschreibt dieses Muster als Nachfrage-Substitution: Ein Teil der Kaufkraft, die früher in Schmuck floss, wandert direkt in Anlageprodukte mit geringerer Handelsspanne.

In Indien verlief die Entwicklung ähnlich, wenn auch weniger drastisch: Die Schmuckmengen sanken um 19 Prozent, die Ausgaben legten um 47 Prozent zu, und die Barren- und Münzennachfrage sprang um 34 Prozent auf 62 Tonnen – das stärkste erste Quartal seit 2013. Damit erreichte das Investmentsegment fast das Niveau des Schmuckabsatzes, was in einem Markt, in dem Schmuck üblicherweise ein Vielfaches der Barrennachfrage ausmacht, eine strukturelle Verschiebung bedeutet. Hinzu kamen Rekordzuflüsse von 20 Tonnen in indische Gold-ETFs. Insgesamt stieg die indische Goldnachfrage um zehn Prozent auf 151 Tonnen, der Wert erreichte mit rund 25 Milliarden US-Dollar einen Rekord. Wer die indischen Besonderheiten – Importzölle, Hochzeitssaison, Rupienkurs – im Detail nachlesen möchte, findet sie in unserer Analyse zur indischen Goldnachfrage 2026.

Asien führt, der Westen bleibt gespalten

Die regionale Aufschlüsselung zeigt ein klares Gefälle. Den Ausschlag gaben asiatische Anleger, doch auch außerhalb Asiens war die Nachfrage nach physischem Metall keineswegs schwach – sie fiel nur uneinheitlicher aus:

  1. China: Quartalsrekord bei Barren und Münzen mit 207 Tonnen, plus 67 Prozent.
  2. Indien: 62 Tonnen bei Barren und Münzen, plus 34 Prozent und stärkstes erstes Quartal seit 2013.
  3. Südkorea und Japan: ebenfalls steigende Käufe von Barren und Anlagemünzen.
  4. USA: Zuwächse bei Barren und Münzen in Menge und Wert, getragen von kleineren Formaten – zugleich aber Abflüsse aus ETFs und ein Rekordtief beim Schmuckvolumen.
  5. Türkei: Wertrekord von rund vier Milliarden US-Dollar bei gleichzeitig zunehmenden Gewinnmitnahmen.

Für deutsche Anleger ist vor allem die Spaltung innerhalb der westlichen Märkte aufschlussreich. Während physisches Metall gefragt blieb, zogen Anleger im März spürbar Geld aus US-Fonds ab – genug, um die Zuflüsse aus Januar und Februar wieder aufzuzehren. Physisches Metall und Wertpapierlösungen bewegten sich also in unterschiedliche Richtungen. Der World Gold Council führt das unter anderem auf real weiterhin hohe Zinsen zurück, die in westlichen Märkten als Gegenwind wirken: Wer die Opportunitätskosten eines zinslosen Vermögenswerts rechnet, entscheidet bei identischem Goldpreis anders als ein Käufer, dem es um Absicherung geht.

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Die Inflationsrate lag zuletzt laut Statistischem Bundesamt bei 8.7%

Das zweite Quartal: gleiche Struktur, anderes Preisumfeld

Wer die Q2-Zahlen liest, muss den Preiskontext mitdenken, denn er hat sich fundamental gedreht. Ende Januar hatte Gold seinen Rekord mehr als ein Dutzend Mal übertroffen und beim LBMA-Nachmittagsfixing 5.405 US-Dollar erreicht, im Handelsverlauf zeitweise sogar über 5.500 US-Dollar. Im zweiten Quartal fiel der Preis dann um rund 16 Prozent und rutschte im Juni auf ein Tief von 4.002 US-Dollar – das schwächste zweite Quartal seit 13 Jahren. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von etwa sieben Prozent zu Buche. Auslöser waren Dollarschwankungen, veränderte Zinserwartungen samt der Aussicht auf weitere Straffungen, geopolitische Entwicklungen rund um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die Auflösung spekulativer Positionen.

Für die Nachfragedaten ergeben sich daraus zwei gegenläufige Effekte, auf die es beim Bericht zu achten lohnt:

  • Schmuck könnte sich stabilisieren, weil niedrigere Preise die Mengen mechanisch entlasten – die Erholung setzt allerdings verzögert ein, da Hersteller vorsichtig disponieren.
  • Barren und Münzen dürften zweigeteilt ausfallen: Preisrückgänge locken antizyklische Käufer, gleichzeitig steigen die Rückverkäufe von Anlegern, die Gewinne aus dem Januar-Hoch sichern. Der Nettowert kann deshalb schwächer aussehen, als es die Bruttoumsätze im Handel vermuten lassen.
  • ETF-Ströme bleiben der volatilste Posten: Schon im ersten Quartal reichten die Abflüsse aus US-Fonds im März aus, um die Zuflüsse aus Januar und Februar vollständig aufzuzehren. Aus solchen Monatsmustern lässt sich kein Trend ablesen, sondern vor allem Nervosität.

Der World Gold Council selbst hat seine Erwartung an die Schmuckverarbeitung für das Gesamtjahr bereits nach dem ersten Quartal gesenkt und die Barren- und Münzennachfrage als das Segment beschrieben, das 2026 stärker ins Gewicht fällt – begründet mit hohen Preisen, fehlenden Anlagealternativen in einigen Märkten, Inflationssorgen und erhöhter Unsicherheit.

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Aufgelder und Lieferfähigkeit: die praktische Seite der Statistik

Kleine Goldbarren in Gramm-Formaten neben größeren Barren auf dunkler Fläche
Kleinformate sind gefragt – kosten prozentual aber deutlich mehr Aufgeld als Standardgrößen.

Nachfragestatistiken bleiben abstrakt, bis sie im Handel ankommen. Genau dort zeigen sich die Folgen der Verschiebung am deutlichsten. Für den US-Markt beschreibt der World Gold Council das erste Quartal als ausgesprochen lebhaft, mit Zuwächsen bei Barren und Münzen sowohl in der Menge als auch im Wert. Auffällig ist dabei eine Verschiebung der Vorlieben hin zu kleineren Barrenformaten – bei regem Zwei-Wege-Handel, also spürbaren Rückverkäufen parallel zu den Käufen.

Wie stark Nachfragespitzen auf Aufgelder durchschlagen, zeigte die Türkei: Dort schoben starke Kaufimpulse die lokalen Prämien auf Anlageprodukte zeitweise auf 300 bis 400 US-Dollar je Unze. Das ist ein Extremfall in einem Markt mit Währungsproblemen, aber die Mechanik gilt überall.

Was Aufgelder in der Praxis bestimmen

  • Stückgröße: Je kleiner die Einheit, desto höher der prozentuale Aufschlag, weil Prägung, Verpackung und Handling pro Gramm mehr kosten.
  • Prägeanstalt und Verfügbarkeit: Ausverkaufte Jahrgänge verteuern sich gegenüber laufender Produktion.
  • Nachfragespitzen: Sprunghafte Retail-Nachfrage trifft auf begrenzte Prägekapazität – Prämien steigen zuerst, bevor die Produktion nachzieht.
  • Rückverkaufsvolumen: Ein hoher Zwei-Wege-Fluss im Markt kann Prämien wieder dämpfen, weil Ware aus Bestandsverkäufen zurückkommt.

Für Anleger folgt daraus eine nüchterne Konsequenz: Der Metallpreis ist nur ein Teil der Kalkulation. Wer regelmäßig kleine Einheiten kauft, zahlt über die Jahre spürbar mehr Aufgeld als jemand, der in Standardformaten wie Goldbarren mit 100 Gramm oder einer Unze arbeitet. Umgekehrt sind Ein-Gramm-Barren beim späteren Teilverkauf flexibler. Beides hat seinen Preis, und die Quartalsdaten belegen, dass ein wachsender Teil der Käufer sich bewusst für die teurere, aber teilbarere Variante entscheidet.

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Zentralbanken: das Fundament unter der Retail-Welle

Dunkle Handelstheke für Edelmetalle mit Waage und Anlagemünzen auf einem Tablett
Lieferzeiten und Aufgelder sind die praktische Rückseite der Nachfragestatistik.

Ohne den öffentlichen Sektor wäre die Nachfragebilanz eine andere. Die Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen, drei Prozent mehr als im Vorjahresquartal – und das, obwohl gleichzeitig deutlich mehr Verkaufsaktivität sichtbar war als in den Quartalen zuvor. Die Nettokäufe lagen sowohl über dem Vorquartal als auch über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Zwei Punkte sind dabei relevant. Erstens kaufen Zentralbanken nach mehrjährigen Reserve-Mandaten und nicht nach Tageskursen: Die chinesische Notenbank erwarb im Juni 2026 rund 14,9 Tonnen – ihr größter Monatszukauf seit 2023 und der zwanzigste Kaufmonat in Folge. Das geschah mitten im schwächsten Goldquartal seit 13 Jahren. Zweitens erwartet der World Gold Council für 2026 eine offizielle Nachfrage oberhalb des langjährigen Mittels von rund 600 Tonnen; seit 2022 lag der Jahresdurchschnitt der Notenbankkäufe bei etwa 1.000 Tonnen und damit doppelt so hoch wie im Jahrzehnt davor. In der Zentralbank-Umfrage vom 16. Juni 2026, für die 76 Reservemanager befragt wurden, gaben 89 Prozent an, mit steigenden globalen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten zu rechnen. Ein Rekordwert von 45 Prozent erwartet einen Zuwachs der eigenen Bestände.

Dass private Käufer und Notenbanken gleichzeitig physisches Metall aufnehmen, während Schmuckverarbeitung und ETF-Ströme schwanken, ist das eigentliche Kennzeichen dieses Marktzyklus.

Angebot: mehr Minengold, aber begrenztes Recycling

Auf der Angebotsseite blieb das Bild solide. Das gesamte Goldangebot stieg im ersten Quartal um zwei Prozent auf 1.231 Tonnen. Getragen wurde das von einer um zwei Prozent höheren Minenproduktion von 885 Tonnen – dem höchsten Wert für ein erstes Quartal seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2000 – sowie von einem Anstieg des Recyclings um fünf Prozent auf 366 Tonnen.

Interessanter als die Zahlen selbst ist ihre Deutung. Beim Recycling schlagen die Rekordpreise nach Einschätzung des World Gold Council erst jetzt spürbar auf die Mengen durch, und der Verband hält eine weitere Beschleunigung in den kommenden Quartalen für möglich. Engpässe bei Recycling- und Raffineriekapazitäten bremsen das Tempo derzeit noch. Zugleich gilt: Stabilisiert sich der Preis, könnte der Zuwachs des ersten Quartals eine einmalige Erscheinung bleiben. Zusätzliche Rückgaben erwartet der Verband dort, wo schwächere Landeswährungen und hohe Energiepreise Haushalte zu Notverkäufen zwingen.

Auf der Förderseite wiederum verweist der World Gold Council auf mögliche Produktionsstörungen durch Dieselknappheit in Bergwerken in Ozeanien und Asien, die das moderate Wachstum dämpfen könnten.

  • Minenproduktion: 885 Tonnen im ersten Quartal, plus zwei Prozent und Rekord für ein Auftaktquartal.
  • Recycling: 366 Tonnen, plus fünf Prozent – gebremst durch Kapazitätsengpässe in Recycling und Raffination.
  • Gesamtangebot: plus zwei Prozent auf 1.231 Tonnen.

Einordnung: Was die Verschiebung für Anleger bedeutet

Aus den Daten lässt sich keine Kursprognose ableiten, wohl aber eine strukturelle Beobachtung. Die Zusammensetzung der Goldnachfrage verschiebt sich von preissensibler Konsumverarbeitung zu Käufern, deren Motiv Absicherung und Vermögensstruktur ist. Diese Gruppe reagiert anders auf Rücksetzer – sie sieht in fallenden Preisen tendenziell eine Kaufgelegenheit, nicht ein Ausstiegssignal. Der World Gold Council verweist darauf, dass Kursrückgänge von mehr als zehn Prozent historisch antizyklische Käufer angezogen haben, und beziffert das Abwärtsrisiko in seinem Bewertungsmodell entsprechend auf rund 15 Prozent. Bemerkenswert ist zudem, wie stark sich das Gewicht im Preisfindungsprozess verschoben hat: Auf die asiatischen Handelszeiten entfielen im ersten Halbjahr etwa 40 Prozent der Schwankungen des Goldpreises.

Gleichzeitig ist Vorsicht angebracht, wo Erwartungen zu stark extrapoliert werden. Die Prognoselandschaft hat sich 2026 sichtbar gedreht: Im Halbjahresausblick „Point Break“ vom 1. Juli verortete der World Gold Council den fairen Wert im Basisszenario bei rund 4.100 US-Dollar je Unze, mit einer Toleranzspanne von etwa fünf Prozent nach oben und unten – das ergibt einen Korridor von grob 3.895 bis 4.305 US-Dollar für das zweite Halbjahr. Dieses Szenario unterstellt mindestens eine Zinsanhebung der Fed im Jahr 2026 sowie eine US-Inflation, die im zweiten Quartal bei knapp vier Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Erst wenn sich die geopolitische oder konjunkturelle Lage verschlechtert oder die Zinserwartungen kippen, sieht der Verband Raum in Richtung 4.500 US-Dollar. Wer Edelmetalle als Baustein einer Vermögensstruktur betrachtet, sollte solche Zielmarken als Szenarien lesen, nicht als Zusagen.

Drei nüchterne Schlussfolgerungen aus dem Quartalsbericht

  1. Die physische Anlagenachfrage ist der Wachstumsblock des Marktes, Schmuck verliert seine Rolle als indirekter Wertspeicher.
  2. Aufgelder und Lieferzeiten sind bei hoher Retail-Nachfrage ein realer Kostenfaktor – Formatwahl entscheidet mit.
  3. Zentralbanken stabilisieren die Nachfragebasis, aber ihr Volumen liegt unter den Spitzenjahren. Ein Selbstläufer ist das nicht.

Für die Praxis heißt das vor allem: Wer den Markt beobachtet, sollte den Quartalsbericht nicht als Signal, sondern als Strukturkarte lesen. Er zeigt, welche Käufergruppen das Metall halten – und Bestände, die aus Absicherungsmotiven in privaten Depots und Notenbankreserven liegen, kommen deutlich langsamer zurück in den Markt als Schmuckware oder ETF-Anteile. Wer sich zunächst mit den Grundlagen befassen möchte, findet einen Überblick in den Sortimenten für Goldmünzen und Gold allgemein; klassische Anlagemünzen wie der American Eagle oder Barren etablierter Scheideanstalten wie Heraeus gehören zu den Formaten, die in den Statistiken den Ausschlag geben.

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Häufige Fragen zur Goldnachfrage 2026

Wie stark ist die Barren- und Münzennachfrage 2026 gestiegen?

Im ersten Quartal 2026 lag die weltweite Nachfrage nach Barren und Anlagemünzen bei 474 Tonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das war laut World Gold Council das zweitstärkste Quartal, das je erfasst wurde. Getragen wurde der Zuwachs vor allem von asiatischen Anlegern: China erreichte mit 207 Tonnen einen Quartalsrekord, Indien mit 62 Tonnen das stärkste erste Quartal seit 2013. Auch Südkorea, Japan und die USA verzeichneten Zuwächse.

Warum bricht die Schmucknachfrage ein, obwohl mehr Geld für Schmuck ausgegeben wird?

Schmuckkäufe folgen in der Regel einem festen Budget. Steigt der Goldpreis, sinkt die Menge, die für dieselbe Summe verarbeitet wird. Im ersten Quartal 2026 fiel das Volumen deshalb um 23 Prozent auf 300 Tonnen, während die Ausgaben um 31 Prozent stiegen. Die Kauflust bleibt also bestehen – sie schlägt sich nur in weniger Gramm nieder.

Wann veröffentlicht der World Gold Council die Zahlen zum zweiten Quartal 2026?

Der Bericht Gold Demand Trends erscheint quartalsweise, jeweils gegen Ende des Folgemonats. Die Zahlen zum ersten Quartal 2026 wurden am 29. April veröffentlicht, die Q2-Daten folgen entsprechend Ende Juli. Datenbasis ist die Erhebung des Londoner Researchhauses Metals Focus.

Was bedeutet die gestiegene Nachfrage für Aufgelder und Lieferzeiten?

Sprunghafte Retail-Nachfrage trifft auf begrenzte Prägekapazität. Das erhöht zunächst die Aufgelder, besonders bei kleinen Stückgrößen, und verlängert die Lieferzeiten. In der Türkei stiegen lokale Prämien auf Anlageprodukte im ersten Quartal zeitweise auf 300 bis 400 US-Dollar je Unze. Im US-Markt beobachtete der World Gold Council eine deutliche Verschiebung der Nachfrage hin zu kleineren Barrenformaten bei gleichzeitig regem Zwei-Wege-Handel.

Kaufen Zentralbanken 2026 weiterhin Gold?

Ja. Im ersten Quartal 2026 erwarben Zentralbanken netto 244 Tonnen, drei Prozent mehr als im Vorjahresquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt. In der Zentralbank-Umfrage vom 16. Juni 2026, an der sich 76 Reservemanager beteiligten, erwarteten 89 Prozent steigende globale Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten; ein Rekordwert von 45 Prozent rechnete mit einem Aufbau der eigenen Bestände. Für 2026 erwartet der World Gold Council eine offizielle Nachfrage über dem langjährigen Mittel von rund 600 Tonnen.

Widerspricht der Preisrückgang im zweiten Quartal der starken Nachfrage?

Nicht zwangsläufig. Der Goldpreis fiel im zweiten Quartal 2026 um rund 16 Prozent – das schwächste zweite Quartal seit 13 Jahren – getrieben von Dollarbewegungen, veränderten Zinserwartungen, geopolitischen Entwicklungen und der Positionierung der Anleger. Physische Nachfrage und kurzfristige Kursbewegung laufen häufig auseinander, weil Terminmarkt und Positionierung den Preis kurzfristig stärker beeinflussen als die Verarbeitung von Metall. Ein Beleg dafür: Die chinesische Notenbank kaufte ausgerechnet im Juni 2026 so viel Gold wie seit 2023 nicht mehr.

Sind die Nachfragedaten eine Kaufempfehlung?

Nein. Die Quartalsdaten des World Gold Council beschreiben, welche Käufergruppen wie viel Gold aufgenommen haben. Sie sind eine Marktbeobachtung und keine Aussage über künftige Preise. Historische Nachfrage- oder Preisverläufe lassen keine Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung zu.

Datengrundlage: World Gold Council, Gold Demand Trends Q1 2026 (Research: Metals Focus), Pressemitteilung vom 29. April 2026, Gold Mid-Year Outlook 2026 vom 1. Juli 2026 sowie Preisdaten der ICE Benchmark Administration (LBMA Gold Price). Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

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