Silberpreis explodiert: Physisches Metall 40% teurer als COMEX
Die Welt des Silbers steht Kopf. Während die COMEX – jene Börse, die seit Jahrzehnten als maßgebliche Instanz für die globale Silberpreisfindung gilt – einen Preis von rund 90 US-Dollar pro Unze ausweist, zahlen Käufer in Asien und dem Nahen Osten bereits dreistellige Beträge für physisches Silber. In Shanghai sind es 105 Dollar, in Tokio und Dubai wurden zeitweise 130 Dollar pro Unze aufgerufen. Die Differenz zwischen dem Papierpreis und dem, was Menschen tatsächlich für echtes Metall bezahlen, hat historische Ausmaße erreicht. Was bedeutet das für Anleger in Deutschland – und wie lange kann diese Kluft noch bestehen?
Zwei Preise, eine Wahrheit: Die große Entkoppelung
Was sich derzeit am globalen Silbermarkt abspielt, ist beispiellos. Es existieren faktisch zwei parallele Preissysteme: Der COMEX-Preis, der auf Papierkontrakte und Futures basiert, und der physische Preis, den reale Käufer in realen Märkten bezahlen. Diese beiden Welten driften immer weiter auseinander.
Am 14. Januar 2026 notierte die Shanghai Gold Exchange Silber bei 105 US-Dollar pro Unze – ein Aufschlag von satten 14 Prozent gegenüber dem zeitgleichen COMEX-Preis von 92 Dollar. Doch Shanghai ist nur die Spitze des Eisbergs.
Der COMEX-Preis ist eine Illusion – ein Kartenhaus, das in sich zusammenfällt. Während die Papiermärkte einen Preis von 90 Dollar ausweisen, zahlen Menschen weltweit fast das Doppelte, nur um echtes Silber in die Hand zu bekommen.
Die Aufschläge variieren je nach Region, aber das Muster ist überall dasselbe: Physisches Silber ist dramatisch teurer als der offizielle Börsenpreis. Und das hat handfeste Gründe.
China dreht den Silberhahn zu
Der wohl wichtigste Katalysator für die aktuelle Preisexplosion kommt aus Peking. Seit dem 1. Januar 2026 hat China seine Silberexporte massiv eingeschränkt. Nur noch 44 Unternehmen dürfen unter strenger staatlicher Aufsicht überhaupt Silber exportieren. Das Ergebnis: Das Metall bleibt im Land, wird gehortet – und der Westen geht leer aus.
Diese Entscheidung hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die den gesamten globalen Silbermarkt erschüttert. Denn China war bisher ein zentraler Knotenpunkt in der internationalen Silber-Lieferkette. Wie bereits in unserem Bericht über den Umbruch im Silbermarkt analysiert, zwingt die physische Nachfrage selbst Großbanken in die Knie.
Die Dominoeffekte der chinesischen Exportbeschränkungen
- Japan: Als bisheriger Hauptabnehmer chinesischen Silbers ist der Markt praktisch ausgetrocknet. Händler sind ausverkauft, Importeure bekommen kein Material mehr. Auf dem Sekundärmarkt (Plattformen wie Mercurari, dem japanischen eBay) werden Aufschläge von 50 bis 60 Prozent über COMEX gezahlt.
- Indien: Traditionell einer der größten Silbermärkte der Welt. Indische Käufer zahlten am 7. Januar 2026 rund 54 Prozent über dem COMEX-Preis – bei kleineren Barren sogar 70 bis 100 Prozent mehr.
- Dubai: Das Edelmetall-Drehkreuz des Nahen Ostens verzeichnet Aufschläge von 40 Prozent. Normalerweise ein hochliquider Markt, ist auch Dubai mittlerweile leer.
- Iran und Venezuela: Durch Sanktionen, Hyperinflation und Kapitalkontrollen sind Aufgelder von bis zu 60 Prozent über COMEX realistisch.
80 Prozent Aufschlag in Tokio – die Zahlen im Detail
Besonders drastisch zeigt sich die Situation in Japan. Bereits am 31. Dezember 2025 – also noch vor dem Jahreswechsel – wurden dort physische Silberpreise von bis zu 130 US-Dollar pro Unze registriert. Der COMEX-Preis lag zur gleichen Zeit bei lediglich 72 Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von 80 Prozent.
Achtzig Prozent. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Wer in Tokio eine Unze physisches Silber kaufen wollte, zahlte fast das Doppelte des offiziellen Weltmarktpreises. Und die Käufer taten es trotzdem – weil sie offenbar davon ausgehen, dass der wahre Wert des Silbers noch deutlich höher liegt.
Die asiatischen Börsen scheinen uns einige Tage voraus zu sein. Was wir dort an Preisen sehen, wird früher oder später auch in Europa ankommen.
Mittlerweile hat sich der Aufschlag in Japan auf etwa 50 bis 60 Prozent „normalisiert" – wenn man bei solchen Zahlen überhaupt von Normalität sprechen kann. Die Tendenz bleibt klar: Der physische Markt preist etwas ein, das die Papiermärkte noch nicht widerspiegeln.
Warum der COMEX-Preis eine Fiktion ist
Um zu verstehen, warum diese Kluft existiert, muss man das System der COMEX verstehen. An dieser Börse werden Futures-Kontrakte gehandelt – also Versprechen auf zukünftige Lieferung von Silber. Das Problem: Für jeden physisch vorhandenen Silberbarren existieren Dutzende, manchmal Hunderte von Papierkontrakten.
Dieses System funktioniert, solange niemand auf tatsächlicher Lieferung besteht. Doch genau das passiert jetzt zunehmend. Die COMEX-Lager schrumpfen, während die Nachfrage nach physischem Metall explodiert. Durch sogenannte Margin-Erhöhungen – also höhere Sicherheitsleistungen für Futures-Kontrakte – versucht die Börse, den Preis künstlich niedrig zu halten und spekulative Käufer abzuschrecken.
Die Mechanismen der Preisdrückung
- Margin-Erhöhungen: Durch höhere Sicherheitsleistungen werden kleinere Spekulanten aus dem Markt gedrängt, was den Preis kurzfristig drückt.
- Naked Short Selling: Große Banken verkaufen Silber-Futures, ohne das physische Metall zu besitzen – ein Vorgang, der in anderen Märkten als hochproblematisch gilt.
- Papier-Settlement: Statt physischer Lieferung werden Kontrakte in bar abgerechnet, was die tatsächliche Knappheit verschleiert.
- Konzentration der Short-Positionen: Wenige große Akteure halten überproportional viele Short-Positionen und können so den Preis beeinflussen.
Doch diese Mechanismen stoßen an ihre Grenzen. Wenn der physische Markt einen völlig anderen Preis diktiert als der Papiermarkt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Kartenhaus zusammenbricht. Die Silberpreis-Explosion zwingt bereits die Solarindustrie zum radikalen Umdenken – ein weiterer Indikator dafür, dass die Realität den Papierpreis längst überholt hat.
Wann erreicht die Preiswelle Deutschland?
Das ist die Frage, die jeden Anleger im deutschsprachigen Raum umtreibt. Deutschland kauft traditionell zu COMEX- und LBMA-Preisen, zuzüglich Händleraufschlägen und der 19-prozentigen Mehrwertsteuer auf Silberbarren. Doch wenn die Einkaufspreise der Händler steigen – und genau das geschieht gerade –, dann steigen zwangsläufig auch die Endkundenpreise.
Die Signale sind bereits deutlich spürbar. Aus dem Handel kommen alarmierende Meldungen:
- Beliebte Münzen wie der Wiener Philharmoniker sind beim Hersteller, der Münze Österreich, nur noch sehr eingeschränkt verfügbar.
- Der südafrikanische Silber-Krügerrand ist auf dem Sekundärmarkt kaum noch zu bekommen.
- Lieferungen aus Kanada – Heimat des legendären Maple Leaf – werden immer schleppender.
- Händler legen bereits Ware beiseite, um überhaupt in der Zukunft noch lieferfähig zu sein.
Wir spüren, dass wir Ware beiseite legen müssen, um überhaupt in der Zukunft noch lieferbar zu sein. Die Lieferketten brechen reihenweise ein – das ist keine Theorie, das ist die tägliche Realität im Edelmetallhandel.
Die Preisangleichung an asiatische Verhältnisse dürfte schrittweise erfolgen. Zunächst steigen die Aufgelder der Händler, dann werden bestimmte Produkte schlicht nicht mehr verfügbar sein, und schließlich wird auch der offizielle Spotpreis nachziehen müssen – weil die Realität sich nicht dauerhaft unterdrücken lässt.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Die aktuelle Situation am Silbermarkt ist historisch einmalig. Noch nie in der Geschichte des modernen Edelmetallhandels war die Diskrepanz zwischen Papierpreis und physischem Preis so groß. Das schafft sowohl Risiken als auch Chancen.
Die Chancen für physische Silberbesitzer
Wer bereits physisches Silber besitzt, hält einen Vermögenswert, dessen realer Marktwert deutlich über dem offiziellen Börsenpreis liegt. Die globale Nachfrage nach dem weißen Edelmetall ist ungebrochen – getrieben nicht nur von Investoren, sondern auch von der Industrie. Silber ist unverzichtbar für Solarpanels, Elektronik, medizinische Geräte und unzählige weitere Anwendungen.
Wer noch nicht investiert ist, steht vor einer schwierigen, aber möglicherweise einmaligen Entscheidung. Die COMEX-basierten Preise in Deutschland sind – verglichen mit den physischen Preisen in Asien – noch vergleichsweise moderat. Produkte wie das Silber Starter-Set oder das Silber Starterpaket S bieten Einsteigern die Möglichkeit, sich breit aufzustellen.
Welche Silberprodukte sind jetzt sinnvoll?
In Zeiten knapper Verfügbarkeit gilt: Diversifikation ist Trumpf. Wer sich nicht auf eine einzige Münzserie verlässt, sondern breit streut, minimiert das Risiko, bei Lieferengpässen leer auszugehen.
- Britannia Silbermünzen – aus der Royal Mint, mit hervorragender Verfügbarkeit
- Känguru Silbermünzen – aus der Perth Mint in Australien
- American Eagle Silbermünzen – der Klassiker aus den USA
- Maple Leaf Silbermünzen – sofern noch verfügbar, eine der reinsten Silbermünzen der Welt
- Silber-Tauschmittelpakete – für den Krisenfall in kleinen, handelbaren Stückelungen
Auch als Geschenkidee eignet sich Silber hervorragend: Ein 50g Silberherz oder ein 100g Silberherz verbindet emotionalen Wert mit realem Sachwert – eine Kombination, die in Zeiten der Geldentwertung besonders wertvoll ist.
Das große Bild: Warum Silber das unterschätzteste Edelmetall ist
Silber steht seit jeher im Schatten seines großen Bruders Gold. Doch die fundamentalen Daten sprechen eine eindeutige Sprache. Die industrielle Nachfrage nach Silber steigt unaufhörlich – angetrieben durch die Energiewende, die Elektrifizierung des Verkehrs und die Digitalisierung. Gleichzeitig sinkt die Minenproduktion, und die oberirdischen Lagerbestände schrumpfen.
Das Verhältnis von Gold zu Silber – die sogenannte Gold-Silber-Ratio – liegt historisch betrachtet bei etwa 15:1 bis 20:1. Aktuell bewegt sie sich trotz der Silber-Rally noch bei deutlich höheren Werten, was darauf hindeutet, dass Silber im Vergleich zu Gold noch erhebliches Aufholpotenzial besitzt.
Hinzu kommt ein Aspekt, der oft übersehen wird: Während Zentralbanken weltweit Gold horten – wie das Beispiel Libanon zeigt, wo Politiker bereits den Goldschatz des Landes ins Visier nehmen –, gibt es keine vergleichbaren staatlichen Silberreserven mehr. Die strategischen Silberbestände der USA wurden in den 1990er Jahren vollständig aufgelöst. Das bedeutet: Es gibt keinen staatlichen Puffer, der im Falle einer Versorgungskrise aktiviert werden könnte.
Die Mehrwertsteuer-Frage: Ein deutsches Sonderproblem
In Deutschland unterliegen Silberbarren der vollen Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Bei Silbermünzen greift die sogenannte Differenzbesteuerung, die den Steuernachteil deutlich reduziert. Wichtig zu wissen: Beim Wiederverkauf an einen Händler verliert der Endkunde die Mehrwertsteuer nicht – sie ist im Ankaufspreis eingepreist.
Dennoch macht die Mehrwertsteuer den Einstieg in Silber teurer als in Gold, das in Deutschland steuerfrei gehandelt wird. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Nachfrage nach physischem Silber trotz dieser steuerlichen Hürde ungebrochen hoch ist. Die Anleger scheinen zu verstehen, dass die fundamentale Unterbewertung des Silbers diese Kosten mehr als kompensieren dürfte.
Kursziel 181 Dollar – Fantasie oder Realität?
Ein Kursziel von 181 US-Dollar pro Unze mag auf den ersten Blick ambitioniert klingen. Doch wenn man bedenkt, dass in Tokio bereits 130 Dollar gezahlt werden und die Nachfrage weiter steigt, während das Angebot schrumpft, erscheint diese Marke plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt.
Entscheidend wird sein, wann – nicht ob – sich der COMEX-Preis an die physische Realität anpasst. Die Geschichte zeigt: Papiermärkte können die Realität eine Zeit lang verzerren, aber niemals dauerhaft. Irgendwann fordert der physische Markt sein Recht ein. Und die Zeichen stehen auf Sturm.
- Die COMEX-Lager leeren sich – die physische Deckung der Papierkontrakte wird immer dünner.
- China hält sein Silber zurück – der größte Produzent und Verarbeiter exportiert kaum noch.
- Die industrielle Nachfrage steigt – Solarindustrie, Elektronik und Medizintechnik brauchen immer mehr Silber.
- Die Minenproduktion stagniert – neue Minen brauchen Jahre bis zur Produktion.
- Die Investorennachfrage explodiert – weltweit erkennen Anleger die Unterbewertung.
Handeln, solange es noch möglich ist
Die aktuelle Situation erinnert an die Wochen vor großen Preissprüngen in der Vergangenheit. Wenn Händler weltweit ausverkauft sind, wenn Lieferketten zusammenbrechen und wenn der physische Preis den Papierpreis um 40 bis 80 Prozent übersteigt, dann ist das kein normaler Marktzustand. Es ist ein Warnsignal.
Wer auf den perfekten Einstiegszeitpunkt wartet, wartet möglicherweise zu lange. Denn wenn die Preisangleichung kommt – und sie wird kommen –, dann wird sie schnell und heftig sein. Die Geschichte des Edelmetallmarktes lehrt uns: Große Preisbewegungen kommen nicht langsam und vorhersehbar. Sie kommen über Nacht.
Physisches Silber ist keine Spekulation. Es ist ein Sachwert, der seit Jahrtausenden als Geld, als Wertaufbewahrungsmittel und als Industriemetall dient. In einer Welt, in der Papierwährungen durch Zentralbanken entwertet werden, in der Staatsschulden ins Unermessliche wachsen und in der geopolitische Spannungen die Lieferketten bedrohen, ist physisches Silber mehr als nur eine Anlage. Es ist eine Versicherung – gegen genau die Risiken, die wir gerade in Echtzeit beobachten können.
Die Frage ist nicht mehr, ob der Silberpreis in Deutschland die asiatischen Niveaus erreichen wird. Die Frage ist nur noch: Wann.




