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Ist Gold zu teuer? Wie sich ein fairer Goldpreis überhaupt berechnen lässt

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Am 29. Januar 2026 kostete eine Feinunze Gold in der Spitze knapp 5.600 US-Dollar. Anfang August notierte dasselbe Metall bei rund 4.030 Dollar, inzwischen hat es sich wieder in die Region um 4.400 Dollar vorgearbeitet. Wer in dieser Spanne kaufen will, steht vor einer unangenehm einfachen Frage. War 5.600 zu teuer, ist 4.400 billig, oder weiß das schlicht niemand? Dieser Beitrag stellt die Modelle nebeneinander, mit denen Analysten einen fairen Goldpreis herzuleiten versuchen, und zeigt, wo jedes einzelne an seine Grenze stößt.

Warum die Frage nach dem fairen Wert gerade jetzt gestellt wird

Solange ein Markt steigt, fragt kaum jemand nach Bewertung. Erst der Rücksetzer erzwingt die Diskussion. Genau das ist 2026 passiert. Nach dem Rekord im Januar verlor Gold zeitweise fast 30 Prozent, ehe es sich in den vergangenen Wochen wieder erholte. Die Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch und Thu Lan Nguyen haben ihre Prognose für das Jahresende 2026 in diesem Umfeld reduziert, zuletzt von 4.800 auf 4.500 US-Dollar je Feinunze. Das Ziel für Ende 2027 liegt nun bei 5.000 Dollar, zuvor waren es 5.200. Bemerkenswert ist die Begründung, denn nicht die langfristigen Treiber hätten sich geändert, sondern das Zinsumfeld. Gestiegene Realzinsen und eine restriktivere US-Notenbank, restriktiver als der Markt erwartet hatte, hätten den Preis belastet.

Parallel dazu taucht in Marktkommentaren eine Formulierung auf, die es in sich hat. Gold notiere mittlerweile wieder in der Nähe seines fairen Werts, heißt es dort. Das klingt nach einer messbaren Größe. Tatsächlich verbirgt sich dahinter ein Modell, und jedes Modell hat Annahmen, die man kennen sollte, bevor man eine Kaufentscheidung darauf stützt.

Bei einer Aktie ist die Sache methodisch klar. Ein Unternehmen erwirtschaftet Zahlungsströme, man diskontiert sie ab und erhält einen Barwert. Bei einer Anleihe ist es noch simpler, dort genügen Kupon, Laufzeit und Ausfallrisiko. Gold dagegen zahlt nichts. Kein Kupon, keine Dividende, keine Miete. Der klassische Werkzeugkasten der Fundamentalanalyse läuft hier ins Leere. Deshalb arbeiten alle Bewertungsansätze für Gold mit einem Umweg. Sie setzen den Goldpreis ins Verhältnis zu etwas anderem, zu Realzinsen, zur Geldmenge, zu Öl, zu Aktien, zu den Produktionskosten. Ein fairer Preis ist in diesem Sinne nie ein absoluter Wert, sondern immer eine Aussage über eine historische Beziehung. Gemessen an einer Bezugsgröße liegt Gold über oder unter dem, was in der Vergangenheit üblich war. Wer das verstanden hat, liest Bankprognosen anders.

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Ausgedruckter Kursverlauf mit steilem Anstieg und anschließender Korrektur, beschwert von Goldmünzen
Nach dem Rekord kam die Korrektur, und mit ihr die Frage, welcher Preis für Gold eigentlich angemessen ist.

Realzinsen und die Kosten des Wartens

Der mit Abstand verbreitetste Ansatz stellt Gold gegen den Realzins, also gegen die Nominalverzinsung sicherer Staatsanleihen abzüglich der erwarteten Inflation. Die Logik ist schlicht. Gold wirft keinen laufenden Ertrag ab. Wer es hält, verzichtet auf Zinsen. Dieser Verzicht ist der Preis der Krisenversicherung, in der Fachsprache die Opportunitätskosten.

Fallen die Realzinsen oder rutschen sie ins Negative, kostet der Verzicht wenig bis nichts. Gold wird relativ attraktiver, und die Nachfrage über Fonds und börsengehandelte Produkte steigt tendenziell. Steigen die Realzinsen, liefern sichere Anleihen wieder echte Verzinsung nach Inflation, und Gold konkurriert mit einem Ertrag, den es nicht bieten kann. Entscheidend ist dabei meist nicht das absolute Niveau, sondern die Richtungsänderung der Zinserwartung. Der Markt handelt die Erwartung, nicht den Ist-Zustand.

Genau dieser Mechanismus erklärt die Korrektur von 2026. Als die Fed restriktiver kommunizierte als erwartet, stiegen die realen Anleiherenditen, und mit ihnen die Opportunitätskosten für Gold und Silber. Die Commerzbank hält die Markterwartung weiterer Zinserhöhungen allerdings für überzogen und rechnet damit, dass die Leitzinsen bis Jahresende unverändert bleiben. Ohne eine Kehrtwende bei den Zinserwartungen, so die Analysten, sei weder mit einer nachhaltigen Rückkehr der Fondsinvestoren noch mit einer dauerhaften Erholung des Goldpreises zu rechnen.

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So plausibel die Rechnung klingt, sie hat in den vergangenen Jahren mehrfach versagt. Von 2022 bis 2024 stiegen die Realzinsen deutlich, und Gold stieg mit. Der Grund liegt in der Zusammensetzung der Nachfrage, denn ein wachsender Teil kommt von Käufern, die überhaupt nicht renditegetrieben handeln. Zentralbanken, die ihre Reserven diversifizieren, fragen nicht nach Opportunitätskosten. Das Modell erklärt gut, was Finanzinvestoren tun, und schlecht, was strategische Käufer tun. Wer allein auf den Realzins schaute, hat die Rally der letzten Jahre systematisch zu früh für beendet erklärt.

Geldmenge, Notenbankbilanzen und Staatsschulden

Der zweite große Ansatz nimmt Gold als das, wofür es historisch stand, nämlich als Geld, dessen Menge sich nicht per Beschluss vermehren lässt. Die Rechnung ist im Kern eine Division, nämlich Geldmenge geteilt durch die Menge des über Jahrhunderte geförderten Goldes. Wächst die eine Größe schneller als die andere, ergibt sich rechnerisch ein höherer fairer Goldpreis. In der Praxis werden dafür verschiedene Bezugsgrößen genutzt, etwa die Geldmengenaggregate M1 und M3, die Bilanzsummen von Fed und EZB oder die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Auch die Commerzbank verweist auf diese strukturelle Ebene. Genannt werden das bereits hohe und weiter rasch steigende Niveau der Staatsverschuldung, das zu einer gemessen an der Inflation zu lockeren Geldpolitik führe, anhaltende Zentralbankkäufe und ein erodierendes Vertrauen in den US-Dollar als Reservewährung. Diese Argumente sind langfristiger Natur, sie taugen nicht als Begründung für einen Kurs am nächsten Quartalsende.

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Geldmengenmodelle liefern die spektakulärsten Zahlen und sind zugleich am anfälligsten für Beliebigkeit. Entscheidend ist die Annahme, zu welchem Anteil die umlaufende Geldmenge überhaupt gedeckt sein soll. Bei hundert Prozent Deckung ergeben sich fünfstellige Preise je Unze, bei zwanzig Prozent ein Bruchteil davon. Für diesen Deckungsgrad gibt es keine ökonomisch zwingende Herleitung, er ist eine Setzung des Modellbauers. Hinzu kommt ein zweiter Einwand, denn es existiert kein Mechanismus, der den Markt zwingt, den rechnerischen Wert jemals anzusteuern. Für die langfristige Einordnung des Kaufkraftverlusts sind diese Modelle nützlich, als Timing-Instrument sind sie unbrauchbar.

Berechnen Sie Ihren Kaufkraftverlust durch die Inflation

Die Inflationsrate lag zuletzt laut Statistischem Bundesamt bei 8.7%

Kaufkraftvergleiche statt Währungspreise

Der dritte Ansatz umgeht das Währungsproblem vollständig. Er misst Gold nicht in Dollar oder Euro, sondern in realen Gütern und Vermögenswerten. Der Reiz dieser Methode liegt in ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Währungseffekten, denn ein Rekordpreis in einer schwachen Währung ist kein Rekord an Kaufkraft. Die Verhältniszahlen zeigen, ob Gold gegenüber realen Werten tatsächlich teurer geworden ist oder ob vor allem das Geld an Wert verloren hat.

Gängige Bewertungs-Ratios für Gold und ihre Aussage
KennzahlRechnungWas sie zeigt
Gold-Öl-Ratio Goldpreis je Unze geteilt durch Ölpreis je Fass Wie viele Fass Rohöl eine Unze kauft. Sehr hohe Werte gelten als Zeichen für relativ teures Gold, sehr niedrige für relativ günstiges.
Dow-Gold-Ratio Dow-Jones-Stand geteilt durch Goldpreis je Unze Wie viele Unzen der US-Aktienindex kostet. Historisch schwankte die Kennzahl zwischen einstelligen Werten in Krisenphasen und Extremwerten am Ende von Aktienhaussen.
Gold-Silber-Ratio Goldpreis geteilt durch Silberpreis Relative Bewertung der beiden Edelmetalle zueinander, wird häufig für Umschichtungen genutzt.
Inflationsbereinigter Goldpreis Nominalpreis abzüglich der aufgelaufenen Geldentwertung Ordnet aktuelle Rekorde gegenüber historischen Hochs wie 1980 realistisch ein.

Der Haken liegt im Nenner. Die Gold-Öl-Ratio unterstellt, dass der Ölpreis selbst fair ist. Im Sommer 2026, mit der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus und entsprechend nervösen Energiemärkten, ist diese Annahme heroisch. Die LBBW hat die Wirkungskette für 2026 sauber beschrieben. Der Krieg im Nahen Osten trieb die Energiepreise, das hob die Inflationserwartungen, machte US-Zinssenkungen unwahrscheinlicher und bremste damit ausgerechnet Gold. Hinzu kamen eine höhere Liquiditätsvorliebe der Marktteilnehmer und ein festerer Dollar. Eine Kennzahl, deren beide Bestandteile gleichzeitig von derselben Krise verzerrt werden, misst wenig.

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Förderkosten als Untergrenze

Wer eine Untergrenze statt eines Zielpreises sucht, landet bei den Produktionskosten. Die Branchenkennzahl dafür sind die All-in Sustaining Costs, kurz AISC, 2013 vom World Gold Council eingeführt. Sie umfassen nicht nur die direkten Kosten der Förderung, sondern auch Verwaltung, Explorationsaufwand und die Investitionen, die nötig sind, um die Produktion auf dem bestehenden Niveau zu halten.

Rohes goldhaltiges Quarzgestein neben einem polierten Goldbarren unter warmem Spotlight
Vom Erz zum Barren, und dazwischen liegen die Förderkosten. Sie markieren eine Untergrenze, aber keine, die kurzfristig hält.

Die Bandbreite ist erheblich. Für 2026 wird der globale Median in Branchenanalysen bei etwa 1.500 bis 1.650 US-Dollar je Unze verortet, rund 50 Prozent über dem Niveau von vor sechs Jahren. Rechnet man produktionsgewichtet, liegen die Werte höher. Zum Jahresende 2025 wurde der gewichtete Median bei etwa 1.700 Dollar ausgewiesen. Effiziente Produzenten im ersten Kostenquartil kommen unter 1.400 Dollar aus, Betriebe im vierten Quartil brauchen fast 2.000 Dollar, nur um die Förderung aufrechtzuerhalten. Schon diese Streuung, und die Tatsache, dass die Zahl je nach Berechnungsmethode um mehrere Hundert Dollar schwankt, zeigt, warum die Kennzahl bei der Bewertung des Metallpreises nur begrenzt hilft.

Dazu kommen vier Einwände, die sich in der Praxis regelmäßig bestätigen. Erstens ist die Untergrenze weich. Fällt der Preis unter die Kosten der teuersten Minen, wird dort die Produktion gedrosselt, aber nicht sofort, sondern mit einer Verzögerung von Quartalen bis Jahren. Zweitens puffert das Recycling, denn ein erheblicher Teil des jährlichen Angebots stammt aus Altgold, dessen Förderkosten bei nahezu null liegen. Drittens dominiert der Bestand. Alles jemals geförderte Gold existiert praktisch noch, die Jahresproduktion ist gegenüber diesem Bestand klein, und der Preis wird deshalb vom Bestandsmarkt gemacht, nicht vom Minenangebot. Und viertens sagt der Abstand zur Kostenlinie nichts über die Richtung, denn ein Preis weit oberhalb der AISC bedeutet hohe Margen für Minen, aber keine automatische Überbewertung des Metalls.

Praktisch nutzbar ist die Kennzahl vor allem als Plausibilitätsanker. Ein dauerhaft unter den globalen Produktionskosten liegender Goldpreis ist ökonomisch schwer vorstellbar, weil er das künftige Angebot zerstören würde. Als Kaufsignal in Größenordnungen von 1.600 Dollar taugt sie im aktuellen Marktumfeld dagegen nicht.

Angebot, Nachfrage und der Faktor Zentralbanken

Der nüchternste Ansatz betrachtet schlicht die physischen Ströme. Auf der Angebotsseite stehen Minenproduktion und Recycling, auf der Nachfrageseite Schmuck, Industrie, Barren und Münzen, Fonds sowie Zentralbanken. Der auffälligste Posten der vergangenen Jahre ist der letzte. Die Notenbanken kauften 2025 insgesamt 863,3 Tonnen Gold und stellten damit rund 17,3 Prozent der weltweiten Nachfrage. Das waren zwar deutlich weniger als in den drei Rekordjahren zuvor, die jeweils über 1.000 Tonnen lagen, gegenüber dem Durchschnitt von etwa 473 Tonnen pro Jahr zwischen 2010 und 2021 bleibt das Niveau aber außergewöhnlich hoch. Von den vier Hauptsektoren war die Industrie mit 322,8 Tonnen der kleinste, und erstmals übertraf die Investmentnachfrage 2025 den Schmucksektor.

Zum Größenvergleich lohnt der Blick auf die Bestände. Die Zentralbanken der Welt halten zusammen rund 36.500 Tonnen Gold, nach Angaben des World Gold Council von März 2026 etwa 16,6 Prozent des jemals geförderten Goldes. Allein die USA weisen rund 8.133 Tonnen aus, die Bundesbank etwa 3.350 Tonnen. Diese Käufer handeln nicht nach Bewertungsmodellen, sondern nach währungspolitischer Strategie. Sie kaufen auch in steigende Preise hinein und verkaufen nicht, weil ein Modell eine Überbewertung anzeigt. Ganz preisblind sind sie freilich nicht, denn der World Gold Council weist darauf hin, dass Notenbanken ihre Käufe bei sehr hohen Preisen zeitweise zurückfahren.

Gestapelte Goldbarren auf Stahlregalen in einem Hochsicherheitstresor
Rund 36.500 Tonnen Gold liegen in den Tresoren der Notenbanken. Diese Käufer richten sich nicht nach Bewertungsmodellen.
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Die Schwäche des Ansatzes für die Preisprognose liegt in derselben Größenordnung, die ihn interessant macht. Angebots- und Nachfragedaten erklären die Vergangenheit sauber, doch der Bestandsmarkt ist um ein Vielfaches größer als die jährlichen Ströme. Eine Stimmungsänderung bei bestehenden Beständen bewegt den Preis stärker als jede Verschiebung in der Jahresproduktion.

Was die Modelle zusammen ergeben

Nebeneinandergelegt zeigen die Ansätze ein charakteristisches Muster. Sie widersprechen sich selten grundsätzlich, aber sie antworten auf unterschiedliche Fragen und auf unterschiedlichen Zeitachsen. Wer sie durcheinanderwirft, erhält scheinbare Widersprüche, die in Wahrheit nur unterschiedliche Horizonte sind.

Bewertungsmodelle für Gold im Vergleich
ModellZeithorizontStärkeBlinder Fleck
Realzins und OpportunitätskostenMonate bis 2 JahreErklärt kurzfristige Bewegungen und Fondsströme gutIgnoriert Zentralbank- und Krisennachfrage
Geldmenge und StaatsschuldenJahrzehnteFasst den strukturellen KaufkraftverlustDeckungsgrad frei wählbar, kein Timing
Kaufkraft-RatiosJahre bis JahrzehnteWährungsunabhängig, gut für ExtremzonenDer Nenner kann selbst verzerrt sein
Förderkosten (AISC)Mehrere JahrePlausible Untergrenze für das AngebotGroße Streuung, Bestandsmarkt dominiert
Angebot und NachfrageQuartale bis JahreHarte physische DatenErklärt rückblickend, prognostiziert schwach

Kernpunkt

Kein Modell liefert einen Preis, den der Markt ansteuern muss. Alle liefern Bandbreiten. Die seriöse Verwendung besteht darin, extreme Abweichungen zu erkennen, nicht darin, aus einer Formel einen Einstiegskurs abzuleiten.

Die Frage, ob Gold nun überbewertet ist, lässt sich vor diesem Hintergrund nur mit einer Rückfrage beantworten: Gemessen woran? Gemessen an den Realzinsen war Gold auf dem Januar-Hoch nach Einschätzung mehrerer Häuser deutlich vorausgelaufen. Die Korrektur hat diese Lücke geschlossen, weshalb Analysten den Preis nun wieder in der Nähe des fairen Werts verorten. Gemessen an Geldmenge und Staatsverschuldung sieht es anders aus, denn diese Größen sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen und mit ihnen die Modellwerte. Und gemessen an den Produktionskosten liegt der Preis weit oben, was hohe Minenmargen bedeutet, über die Angemessenheit des Metallpreises aber wenig aussagt.

Auffällig ist die Konvergenz der Prognosen. Die großen Häuser haben ihre Kursziele im Verlauf des Jahres gesenkt und liegen für das Jahresende inzwischen in einem Korridor, der grob zwischen 4.500 und 4.900 Dollar verläuft. Die Commerzbank nennt 4.500 Dollar für Ende 2026 und 5.000 Dollar für Ende 2027, die Deutsche Bank hält an 4.600 Dollar für das vierte Quartal fest, Goldman Sachs senkte sein Jahresendziel um 500 auf 4.900 Dollar. Solche Ziele sind keine Rechenergebnisse, sondern Modellannahmen über Zinspfade. Ändert sich der Zinspfad, ändert sich das Ziel, und genau das war 2026 mehrfach innerhalb weniger Monate zu beobachten.

Wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen können, zeigt eine Analyse der Deutschen Bank vom August 2026. Stratege Michael Hsueh prüfte den Goldpreis mit drei Verfahren und kam zu drei völlig unterschiedlichen Werten.

  • Vergleich mit anderen Rohstoffen. Überträgt man die langfristigen, inflationsbereinigten Wachstumsraten von Gütern wie Kupfer, Öl und Brot (zwischen 0,26 und 3,44 Prozent pro Jahr) auf Gold, ergibt sich rechnerisch ein Preis von lediglich rund 2.600 Dollar.
  • Statistischer Blasentest. Ein ökonometrisches Verfahren zur zeitlichen Einordnung spekulativer Übertreibungen verortete den möglichen Hochpunkt bei etwa 6.400 Dollar und den Boden bei rund 3.700 Dollar.
  • Hauseigenes Fair-Value-Modell. Dasselbe Haus sieht den fairen Wert zum Jahresende bei etwa 4.700 Dollar und hält fest, Gold habe die Lücke zum fairen Wert inzwischen geschlossen.

2.600, 3.700 bis 6.400, 4.700 – alle drei Zahlen stammen aus demselben Haus, aus derselben Studie, vom selben Analysten. Deutlicher lässt sich kaum belegen, dass der faire Wert von Gold keine Messgröße ist, sondern das Ergebnis einer Methodenwahl. Wer eine Bankprognose liest, sollte deshalb immer zuerst fragen, welches Modell dahintersteht.

Was das für Käufer praktisch bedeutet

Aus der Bewertungsdiskussion lässt sich kein Einstiegssignal ableiten, wohl aber eine Haltung im Umgang mit der Unsicherheit. Vier Punkte werden in Konsolidierungsphasen regelmäßig relevant.

  1. Funktion vor Preis klären. Physisches Edelmetall wird üblicherweise als Vermögensbaustein außerhalb des Bankensystems gehalten, nicht als Renditeposition. Wer diese Funktion für sich definiert hat, muss den Einstiegskurs nicht optimieren.
  2. Zeitliche Streuung schlägt Punktgenauigkeit. Regelmäßige Käufe in festen Intervallen glätten den Durchschnittspreis. Dafür eignen sich kleine Einheiten wie ein Mehrfachbarren mit 1-Gramm-Einheiten oder Sparplan-Produkte wie der 1/200-Unzen-Barren.
  3. Aufgeld beachten. Bei kleinen Stückelungen macht der Herstellungs- und Handelsaufschlag prozentual mehr aus als bei größeren Einheiten. Ein Vergleich zwischen Goldbarren und gängigen Anlagemünzen wie dem Krügerrand lohnt sich, bevor die Modellfrage überhaupt relevant wird.
  4. Handelbarkeit sicherstellen. Standardprodukte etablierter Prägeanstalten und Scheideanstalten, etwa von Rand Refinery, lassen sich weltweit unkompliziert wieder veräußern. Exotische Stücke nicht immer.
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Kettner Edelmetalle veröffentlicht die aktuellen Kurse für alle Gold-Produkte tagesaktuell; die Preisbildung folgt dem Spotpreis zuzüglich des jeweiligen Aufgelds. Wer die Bewertungsdebatte praktisch nachvollziehen will, findet in den Tafelbarren und den 1-Gramm-Barren zwei Formate, die sich in Aufgeld und Teilbarkeit deutlich unterscheiden.

Häufige Fragen zum fairen Goldpreis

Gibt es einen objektiv berechenbaren fairen Goldpreis?

Nein. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, lässt sich kein Barwert im Sinne der klassischen Fundamentalanalyse berechnen. Alle gängigen Modelle setzen den Goldpreis stattdessen ins Verhältnis zu anderen Größen wie Realzinsen, Geldmenge, Öl, Aktienindizes oder Produktionskosten. Sie liefern Bandbreiten und Einordnungen, keine verbindlichen Zielwerte.

Was meinen Analysten, wenn sie sagen, Gold notiere nahe seinem fairen Wert?

In der Regel beziehen sie sich auf ein Modell, das den Goldpreis über Realzinsen und Zinserwartungen herleitet. Nahe dem fairen Wert heißt dann nichts anderes, als dass der aktuelle Preis ungefähr dem entspricht, was das jeweilige Zinsszenario rechtfertigt. Ändert sich die Erwartung an die Notenbankpolitik, verschiebt sich auch dieser Wert. 2026 geschah das mehrfach innerhalb weniger Monate.

Sind die Förderkosten eine verlässliche Preisuntergrenze?

Nur bedingt. Die All-in Sustaining Costs liegen 2026 im globalen Median bei etwa 1.500 bis 1.650 US-Dollar je Unze, mit erheblicher Streuung zwischen einzelnen Produzenten. Kurzfristig kann der Marktpreis darunter fallen, weil Minen ihre Produktion nicht sofort stilllegen und Recyclinggold weiter ins Angebot fließt. Langfristig wirkt die Kostenschwelle jedoch stabilisierend, weil dauerhaft unrentable Förderung eingestellt wird.

Warum steigt Gold manchmal trotz steigender Realzinsen?

Weil ein wachsender Teil der Nachfrage nicht renditegetrieben ist. Zentralbanken kauften 2025 rund 863 Tonnen und deckten damit etwa 17 Prozent der Weltnachfrage. Diese Käufer verfolgen währungspolitische Ziele und reagieren kaum auf Opportunitätskosten. Das Realzinsmodell erklärt deshalb vor allem das Verhalten von Finanzinvestoren und die Ströme in börsengehandelte Produkte.

Was sagt die Gold-Öl-Ratio derzeit aus?

Weniger als sonst. Die Kennzahl misst, wie viele Fass Rohöl eine Unze Gold kauft, und funktioniert nur, wenn beide Preise halbwegs normal zustande kommen. 2026 wurden Öl und Gold gleichzeitig von derselben geopolitischen Lage beeinflusst, unter anderem von den Spannungen rund um die Straße von Hormus. In solchen Phasen ist die Aussagekraft der Ratio eingeschränkt.

Sollte man nach einer Korrektur kaufen oder abwarten?

Diese Entscheidung hängt von der persönlichen Vermögensstruktur, dem Anlagehorizont und der Risikotragfähigkeit ab und lässt sich nicht allgemein beantworten. Aus den Bewertungsmodellen lässt sich kein Timing ableiten, da sie keine Aussage darüber treffen, wann und ob der Markt einen Modellwert ansteuert. Verbreitet ist deshalb die zeitliche Streuung von Käufen statt eines einzelnen Einstiegszeitpunkts. Dieser Beitrag ist eine Information, keine Anlageberatung.

Ist der aktuelle Goldpreis inflationsbereinigt wirklich ein Rekord?

Nominale Höchststände und reale Höchststände sind zwei verschiedene Dinge. Rechnet man historische Spitzen wie das Hoch von 1980 auf heutige Kaufkraft hoch, verschieben sich die Größenordnungen erheblich. Deshalb arbeiten seriöse Vergleiche mit inflationsbereinigten Reihen, und deshalb ist ein Rekord in einer schwachen Währung kein Rekord an Kaufkraft.

Stand der Daten: August 2026. Kurse, Prognosen und Kennzahlen können sich kurzfristig ändern. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

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