
12.812 Firmenpleiten: Deutschlands Mittelstand bricht weg

Die amtliche Bilanz ist ein Schlag in die Magengrube: Im ersten Halbjahr 2026 haben die deutschen Amtsgerichte 12.812 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das ist der höchste Halbjahreswert seit 2013 â und ein Plus von 6,7 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders brutal fiel der Juni aus. 2.266 Firmen mussten den Gang zum Insolvenzgericht antreten, 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) war das der höchste Monatswert seit 2014.
Die DIHK schickt ein Warnsignal nach Berlin
Die Kammerorganisation deutet die Zahlen als Alarmzeichen fĂŒr die Bundesregierung. Mittelstandsexperte Marc Evers mahnt, die im Koalitionsvertrag versprochenen Reformen endlich abzuarbeiten â statt sie in Arbeitskreisen zu verwalten.
âUm von den Insolvenzrekorden wegzukommen, brauchen wir eine schnelle Umsetzung der vereinbarten Reformen und insgesamt eine Wirtschaftspolitik, die die WettbewerbsfĂ€higkeit der Unternehmen wieder in den Fokus rĂŒcktâ, sagte Evers.
Auch private Haushalte geraten unter Druck: Allein im Juni wurden 6.839 Verbraucherinsolvenzen gezĂ€hlt, 5,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Wer beides zusammen liest, erkennt ein Muster â die wirtschaftliche Substanz des Landes erodiert an beiden Enden.
Logistik, Gastro, Bau: Wo es am hÀrtesten brennt
Im Schnitt kamen im ersten Halbjahr 36,2 Insolvenzen auf 10.000 Unternehmen. Dramatisch ĂŒber dem Durchschnitt liegen jene Branchen, die Energie, Diesel, BĂŒrokratie und Lohnnebenkosten unmittelbar zu spĂŒren bekommen:
- Verkehr und Lagerei: 71,6 FĂ€lle je 10.000 Unternehmen
- Gastgewerbe: 59,6 FĂ€lle
- Baubranche: 53,4 FĂ€lle
Bemerkenswert: Die angemeldeten GlĂ€ubigerforderungen sanken von 28,2 Milliarden Euro auf rund 18,5 Milliarden Euro. Das klingt beruhigend, bedeutet aber vor allem, dass diesmal viele kleinere Betriebe verschwinden â Handwerker, Spediteure, Wirte, Familienunternehmen. Es sind die Pleiten, ĂŒber die keine Tagesschau berichtet.
Forscher sehen nur eine âVerschnaufpauseâ
Das Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zĂ€hlte im August 1.525 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften â neun Prozent mehr als im August 2025 und laut Institut 63 Prozent ĂŒber dem August-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019. Zugleich seien in den gröĂten zehn Prozent der betroffenen Firmen mehr als 16.000 ArbeitsplĂ€tze belastet gewesen, mehr als doppelt so viele wie im Vor-Corona-Vergleich.
IWH-Insolvenzforscher Steffen MĂŒller nennt den RĂŒckgang gegenĂŒber dem Juli laut Mitteilung des Instituts eher eine Verschnaufpause als eine Entwarnung. Die FrĂŒhindikatoren deuteten darauf hin, dass die Zahlen in den kommenden Monaten wieder steigen dĂŒrften. Das zweite Quartal 2026 war nach IWH-Angaben ohnehin das pleitenreichste seit ĂŒber zwei Jahrzehnten.
Der Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter warnt dagegen vor âAlarmismusâ. Verbandschef Christoph Niering hatte die Entwicklung zuletzt vor allem als Strukturwandel eingeordnet: Kapital, ArbeitskrĂ€fte und FlĂ€chen mĂŒssten in zukunftsfĂ€hige GeschĂ€ftsmodelle wandern.
Strukturwandel â oder politisch verursachter Substanzverlust?
Aus Sicht unserer Redaktion ist das eine sehr freundliche Umschreibung. Wenn Energiepreise, Abgabenlast und Berichtspflichten ganze Branchen auszehren, ist das kein Naturgesetz, sondern die Summe politischer Entscheidungen. Milliarden fĂŒr Sondervermögen und Prestigeprojekte helfen dem Spediteur mit fĂŒnf Lkw wenig.
FĂŒr BĂŒrger heiĂt das: Kaufkraft, ArbeitsplĂ€tze und RĂŒcklagen stehen unter Druck. Wer sein Vermögen breit streuen will, zieht seit Jahrhunderten auch physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung in Betracht.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser muss sich eigenverantwortlich informieren und trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst.
- Themen:
- #Insolvenzen
- #Energie
- #Steuern
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik




















