
27 Milliarden extra: Kiew stellt Brüssel die nächste Rechnung

Die Ukraine braucht erneut Geld — und zwar schnell. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat europäischen Regierungsvertretern im August bei einem Besuch in Kiew eröffnet, dass dem Land für das laufende Jahr zusätzlich 27 Milliarden Dollar fehlen. In Brüssel löste die Zahl Medienberichten zufolge blankes Erstaunen aus.
Denn erst im Dezember 2025 hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU nach zähem Ringen auf ein Milliardenpaket verständigt. Nun steht die nächste Forderung im Raum, bevor die Tinte unter dem alten Beschluss richtig trocken ist.
Ein Botschafter macht die Zahl öffentlich
Bestätigt wurde der Bedarf vom ukrainischen EU-Botschafter Taras Katschka bei einer Veranstaltung des Brüsseler Thinktanks Bruegel. Man brauche die Summe noch im Jahr 2026, sagte er dem Bericht zufolge. Und falls andere Partner nicht liefern, liege es nahe, Brüssel um ein Vorziehen der eigentlich für 2027 geplanten Auszahlungen zu bitten.
Übersetzt heißt das: Das Geld wäre nicht neu, es wäre nur früher weg. Was 2027 fehlt, müsste dann ohnehin wieder irgendwo aufgetrieben werden.
Woher kommt das Loch?
Über die Ursachen wird in Kiew offen gestritten. Selenskyj erklärte Ende August bei einem Treffen europäischer Regierungschefs, das Verteidigungsministerium habe unter seinem früheren Ressortchef Mychajlo Fedorow bereits Mittel ausgegeben, die für das Jahresende vorgesehen gewesen seien. Fedorow weist das zurück und verweist seinerseits auf Projekte der neuen Ministeriumsführung.
Aus dem Parlament kommen weitere Zahlen: Die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Roksolana Pidlassa, hatte laut dem Bericht früher im Jahr vor einer Lücke von rund 7,5 Milliarden Dollar gewarnt. Die Militärausgaben seien in acht Monaten um über 17 Prozent gestiegen, russische Angriffe auf Industrie und Getreidekorridor hätten allein in einem Monat etwa die Hälfte der erwarteten Einnahmen gekostet.
„Diese Lücken entstehen, weil der Krieg jedes Jahr einfach teurer und teurer wird“, sagte Pidlassa der New York Times.
Brüssel sucht nach Auswegen — und hinterfragt hinter den Kulissen
Offiziell gibt sich die Kommission zugeknöpft. Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis sprach mit Ministerpräsident Serhij Koretskyj, danach hieß es aus der Kommission, man müsse sich zunächst ein klares Bild der Finanzlage verschaffen. Hinter verschlossenen Türen werde dem Bericht zufolge inzwischen auch gefragt, ob das Geld effizient verwendet werde.
Zur Erinnerung: Der im Dezember beschlossene zinslose Kredit umfasst rund 90 Milliarden Euro für 2026 und 2027, finanziert über neue Schulden am Kapitalmarkt und abgesichert durch den EU-Haushalt. Zurückzahlen soll Kiew nur, falls Moskau eines Tages Reparationen leistet. Ungarn, die Slowakei und Tschechien handelten Sonderregeln aus.
Die 200-Milliarden-Frage
Als zweite Option bringt Kiew wieder die eingefrorenen russischen Staatsgelder ins Spiel — über 200 Milliarden Dollar, der Großteil davon beim belgischen Verwahrer Euroclear. Schweden und andere wollen die Idee eines besicherten Kredits wiederbeleben, Belgien bremst aus Sorge um das Vertrauen internationaler Anleger.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein Grundproblem europäischer Krisenpolitik: Beschlossen wird schnell, gegenfinanziert wird über Schulden — und die Rechnung landet am Ende beim Steuerzahler, allen voran dem deutschen. Wer sein Vermögen gegen solche Unsicherheiten absichern will, setzt traditionell auch auf physisches Gold und Silber als Ergänzung eines breit gestreuten Portfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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