
289 Jahre Papier – dann kam die Insolvenz: Traditionsfabrik ist Geschichte

Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz verliert eines seiner ältesten Unternehmen: Die Papierfabrik Schleipen hat Ende August die Produktion für immer eingestellt. 73 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze. Gegründet wurde der Betrieb im Jahr 1737 – er überstand Kriege, Währungsreformen und Weltwirtschaftskrisen. An den Rahmenbedingungen des Jahres 2026 ist er gescheitert.
Bereits am 24. Juni hatte das Amtsgericht Baden-Baden das vorläufige Insolvenzverfahren über die Schleipen Paper GmbH eröffnet. Danach begann die Suche nach einem Käufer – erfolglos.
Kein Investor, nicht einmal für einen Teilbereich
Selbst international habe sich trotz erheblicher Anstrengungen niemand gefunden, erklärte Insolvenzverwalter Dr. André Berbuer gegenüber Medien. Zuletzt sei geprüft worden, wenigstens den sogenannten Cutting-Bereich fortzuführen – also jene Sparte, in der große Papierrollen auf Kundenformate zugeschnitten werden.
Auch diese Minimallösung platzte. Übrig blieb nur die vollständige Einstellung des Geschäftsbetriebs. Für die Belegschaft ist das doppelt bitter: Erst vor fünf Jahren hatte die Fabrik im Isenachtal eine Insolvenz überstanden, die Lenk-Gruppe aus Kappelrodeck übernahm und sanierte damals. Die zweite Rettung gelang nicht.
Das vernichtende Urteil des Insolvenzverwalters
Bemerkenswert ist, wie deutlich der Insolvenzverwalter die Ursachen benennt. Schleipen sei vor allem durch rückläufige Aufträge in Schieflage geraten, deutsche Fabriken seien international nicht mehr konkurrenzfähig. Sein Fazit fiel schonungslos aus:
„Der Industriestandort Deutschland ist hier nicht mehr attraktiv.“
Drei Problemfelder führte er laut Bericht an: hohe und kaum planbare Kosten für Energie und behördliche Auflagen, ein unflexibles Arbeitsrecht bei gleichzeitigem Fachkräftemangel – und eine marode Infrastruktur. Es fehle an Glasfaser, viele Straßen seien in schlechtem Zustand.
Kein Einzelfall: Die Pleitewelle rollt
Der Fall reiht sich in eine Serie ein. Erst kürzlich stellte auch Baiersbronn Frischfaser Karton in Baden-Württemberg den Betrieb ein – dort verloren 220 Menschen ihre Stellen. Die Papierindustrie zählt zu den energieintensivsten Branchen überhaupt; steigende Strompreise schlagen unmittelbar auf die Kalkulation durch, während günstigere Anbieter aus dem Ausland auf den europäischen Markt drängen.
Die Statistik untermauert den Trend: Laut Statistischem Bundesamt erreichten die Unternehmensinsolvenzen 2025 den höchsten Stand seit elf Jahren, im März 2026 lagen sie Medienberichten zufolge rund 15,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Deutschland verliert Substanz – Betrieb für Betrieb.
Gewerkschaft erhebt Vorwürfe
Kritik kommt auch von der IG Bergbau, Chemie, Energie. Belegschaft und Gewerkschaft seien erst nach der Insolvenzanmeldung informiert worden, sagte Gewerkschaftssekretärin Mareike Hanson; zu diesem Zeitpunkt seien die Handlungsspielräume bereits stark eingeschränkt gewesen. Mit dem Werk verschwinde nicht nur Beschäftigung, sondern über Jahrzehnte gewachsenes Fachwissen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Skandal: Während in Berlin milliardenschwere Sondervermögen verteilt werden, gehen jene Betriebe verloren, die seit Generationen Werte schaffen. Wer Energie verteuert und Bürokratie verdichtet, darf sich über Standortflucht nicht wundern.
Und wer sein Vermögen gegen solche Struktureinbrüche absichern will, denkt zunehmend in Sachwerten – physisches Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden.
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