
300 Milliarden verplant, kaum abgeflossen: EU-Energieplan stockt

Der Europäische Rechnungshof hat dem Prestigeprojekt der EU-Kommission ein bitteres Zeugnis ausgestellt. In einem am Mittwoch in Luxemburg veröffentlichten Sonderbericht kommen die Prüfer zu dem Ergebnis, dass REPowerEU — der Plan zur Abkehr von russischem Öl, Gas und Kohle — ins Stocken geraten sei. Von rund 300 Milliarden Euro bereitgestellter EU-Mittel sei bislang weniger als ein Fünftel überhaupt verplant.
54,3 Milliarden von 300 Milliarden — der Rest liegt brach
Konkret nennen Medienberichte über den Bericht eine Summe von 54,3 Milliarden Euro, die die Mitgliedstaaten aus der Aufbau- und Resilienzfazilität für REPowerEU gebunden hätten. Der Rest: bereitgestellt, angekündigt, gefeiert — aber nicht in Netze, Speicher oder Erzeugungskapazität verwandelt.
Auch beim eigentlichen Ziel bleibt der Befund dürftig. Nach Darstellung der Prüfer habe das Programm den Ausbau erneuerbarer Energien kaum beschleunigt. Kritisiert werden ausdrücklich fehlende Investitionen in Stromnetze — jener Infrastruktur also, ohne die jede Kilowattstunde Wind- oder Solarstrom nur ein Eintrag in einer Pressemitteilung bleibt.
Der Rückgang kam nicht durch Brüsseler Programme
Besonders unbequem für die Kommission ist ein weiterer Punkt: Der Rechnungshof warne davor, den Rückgang der russischen Energieimporte allein REPowerEU zuzuschreiben. Sanktionen, gesprengte Pipelines, eingebrochene Nachfrage und teure Industrie-Abschaltungen hätten ebenfalls gewirkt.
Die Zahlen sind dennoch beeindruckend: Der Anteil russischen Gases an den EU-Importen sank Berichten zufolge von rund 45 Prozent vor 2022 auf etwa 12 Prozent. Russisches Rohöl ist durch Sanktionen fast vollständig verschwunden. Gleichzeitig sollen einzelne EU-Staaten 2024 sogar mehr russisches Gas eingeführt haben als vor Kriegsbeginn — europäische Geschlossenheit auf dem Papier, nationale Sonderwege in der Praxis.
„Vier Jahre nach ihrem Start ist REPowerEU ins Stocken geraten, obwohl mehrere hundert Milliarden Euro bereitgestellt wurden.“ — der für den Bericht zuständige Prüfer Mihails Kozlovs, zitiert in Medienberichten
Neue Abhängigkeit statt echter Unabhängigkeit?
Die Warnung der Prüfer zielt weiter: Angesichts neuer geopolitischer Spannungen müsse die Diversifizierung beschleunigt werden, damit Europa nicht erneut von einzelnen Lieferanten abhängig werde. Denn Russlands Gas wurde vor allem durch norwegische Pipelines und amerikanisches LNG ersetzt — bequem, aber eben auch eine neue Konzentration.
Die Kommission widerspricht. Ein Sprecher erklärte Medienberichten zufolge, Maßnahmen und EU-Finanzierung hätten den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt und zum Rückgang russischer Gasimporte beigetragen; die Empfehlungen des Rechnungshofs werde man weiterverfolgen.
Was das für deutsche Verbraucher bedeutet
Für die Bürger und Betriebe in Deutschland ist die Bilanz aus Sicht unserer Redaktion ernüchternd. Hierzulande zahlt die Industrie im internationalen Vergleich weiter Spitzenpreise für Energie, während in Brüssel Milliardenprogramme verwaltet statt investiert werden. Wer über Standortverlagerungen klagt, sollte diesen Bericht zweimal lesen.
Und die Lehre für Sparer? Energiepreise treiben Inflation, Inflation frisst Geldvermögen. Wer Vermögen über Jahrzehnte sichern will, sollte politische Programme nicht mit Substanz verwechseln. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich historisch als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bewährt — unabhängig davon, welcher Plan in Brüssel gerade stockt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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