
3.000 Sonnenstunden, kein Strom: Tunesien rationiert – Berlin zahlt mit

Tunis, 5. August 2026: Der staatliche Versorger STEG kündigte landesweit rollierende Stromabschaltungen an. Zwischen 12.30 und 17 Uhr sollten Regionen nacheinander vom Netz gehen – jeweils bis zu zwei Stunden. Betroffen: Haushalte, Handwerk, Landwirtschaft und Industrie von Groß-Tunis bis Tataouine.
Das Land besitzt rund 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Und muss trotzdem den Strom rationieren. Ein Lehrstück darüber, was Sonnenschein wert ist, wenn Kraftwerke, Netze und Regeltechnik fehlen.
Von Bizerte bis Djerba: Die Liste der abgeschalteten Regionen
STEG nannte unter anderem Ennasr, La Soukra, La Goulette, Ben Arous und La Manouba, dazu Cap Bon, Zaghouan, Bizerte und viele Orte im Nordwesten. Im Zentrum standen Sousse, Monastir, Mahdia, Kairouan und Kasserine auf der Liste, im Süden Gabès, Djerba, Médenine, Zarzis, Ben Guerdane, Kébili, Gafsa, Tozeur und Sidi Bouzid.
Die Aufzählung blieb ausdrücklich offen – sie konnte mit steigender Last wachsen. Genau das ist das Prinzip des kontrollierten Lastabwurfs: Der Netzbetreiber nimmt gezielt Verbraucher weg, damit nicht das gesamte System kollabiert. Das Auswärtige Amt hatte Reisende zuletzt vor Stromausfällen in Tunesien gewarnt.
Nicht die Sonne fehlt, sondern die gesicherte Leistung
Nach Angaben der KfW verfügt Tunesien über etwa doppelt so viele Sonnenstunden wie Deutschland. Trotzdem stammten zuletzt nur rund fünf Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Den Rest liefert Erdgas – rund 60 Prozent davon importiert aus Algerien.
Steigen die Temperaturen, laufen die Klimaanlagen. Und die Spitzenlast übersteigt, was ein altes, unterfinanziertes System liefern kann. Medienberichten zufolge klafft im tunesischen Kraftwerkspark eine Lücke von rund 600 Megawatt; der Vorsitzende des Finanzausschusses im Parlament bezifferte die offenen Forderungen der STEG gegenüber öffentlichen Einrichtungen auf fast 3,5 Milliarden Dinar. Rund 19 Prozent des erzeugten Stroms gingen bei Transport und Verteilung verloren.
Dazu ein Preisgefüge, das jede Investition erstickt: Die Erzeugung einer Kilowattstunde kostet den Angaben zufolge etwa 400 Millimes – berechnet werden dem Kunden rund 270.
Europa plant den Import – aus einem Land im Lastabwurf
Während Tunesien seinen Bürgern den Strom stundenweise abdreht, arbeitet Europa an der Anbindung Nordafrikas. Das Projekt ELMED soll Tunesien über ein 600-Megawatt-Unterseekabel mit Sizilien verbinden. Im Juni 2026 vergaben STEG und der italienische Netzbetreiber Terna einen Auftrag über rund 770 Millionen Euro für die Konverterstationen.
Mit dabei: die deutsche KfW im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums. Die Förderbank beschreibt Nordafrika ausdrücklich als mögliche Quelle künftiger grüner Stromimporte für Europa. Auch EU-Mittel, Europäische Investitionsbank und Weltbank stützen das Vorhaben.
Fairerweise: Die Leitung funktioniert in beide Richtungen und könnte Tunesien auch europäischen Strom liefern. Doch der 5. August legt die Grenze solcher Pläne offen. Wer mittags Regionen abschalten muss, hat in diesem Moment keinen Überschuss – schon gar nicht für den Export.
Was Deutschland daraus lernen könnte
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Fall Tunesien mehr als eine Fußnote aus Nordafrika. Er zeigt, dass Sonne, Ziele und Absichtserklärungen kein Stromnetz ersetzen. Wer im eigenen Land Kraftwerkskapazität abbaut und gleichzeitig auf Importe aus Regionen hofft, die selbst rationieren müssen, baut auf Sand. Auch hierzulande warnen Experten inzwischen offen vor Engpässen in Dunkelflauten.
Für Bürger heißt das: Versorgungssicherheit ist kein Selbstläufer. Wer Vermögen langfristig sichern will, streut breit – physische Edelmetalle können dabei eine sinnvolle Beimischung sein, weil sie unabhängig von Netzen, Kabeln und politischen Versprechen existieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheidet selbst über seine Vermögensdispositionen.

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