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Kettner Edelmetalle
04.09.2026
05:56 Uhr
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360 Volt aus der Steckdose: Dorf versinkt in 600.000 Euro Schaden

360 Volt aus der Steckdose: Dorf versinkt in 600.000 Euro Schaden
Symbolbild: KI-generiert

Ein technischer Defekt in einer Umspannstation hat im Münsinger Ortsteil Apfelstetten (Kreis Reutlingen) für ein Elektro-Desaster gesorgt. Statt der üblichen 230 Volt lagen am 21. August bis zu 360 Volt an den Steckdosen an. Mindestens 50 der 209 Haushalte melden Schäden — die bisher erfasste Summe liegt bei mindestens 600.000 Euro.

Garagentore öffnen sich von selbst, Kaffeemaschinen qualmen

Was die 460 Einwohner erlebten, klang zunächst nach einem schlechten Scherz. Schon Tage vorher hätten Lichter immer wieder geflackert, berichten Betroffene. Dann eskalierte die Lage: Lampen blinkten, Garagentore öffneten sich wie von Geisterhand, einzelne Kaffeemaschinen rauchten. Auch aus der Trafostation im Ort stieg Qualm auf.

Über eine Woche lang tappte das Dorf im Dunkeln — im übertragenen Sinn. Erst danach war klar, was passiert war. Verletzt wurde nach Angaben der Ortsvorsteherin Stefanie Looser niemand.

Heizungen, Wallboxen, Solaranlagen: Die Elektronik zahlt die Zeche

Am härtesten traf es Berichten zufolge Heizungssteuerungen, Wallboxen und Photovoltaikanlagen, dazu Kühl- und Gefriergeräte. In etlichen Häusern floss danach kein Warmwasser mehr. Der örtliche Heizungsbauer habe sogar am Wochenende Zusatzschichten eingelegt.

Bei einem einzigen Eigentümer belaufe sich der Schaden auf rund 40.000 Euro, so die Ortsvorsteherin gegenüber Medien. Sie führt eine laufend aktualisierte Schadensliste. In 103 Haushalten blieb alles heil — viele Bewohner sind im Urlaub, weitere Meldungen dürften folgen.

„Wichtig war mir, dass Ruhe einkehrt und die Leute wissen, dass sich jemand um ihre Schäden kümmert“, sagte die Ortsvorsteherin.

17 Minuten bis zum Monteur — und dann?

Die Netze BW führt den Vorfall auf einen Defekt an einem Betriebsmittel in der Umspannstation zurück. Ein Monteur habe die Störung 17 Minuten nach der Meldung vor Ort behoben, die Station sei rund viereinhalb Stunden später wieder komplett in Betrieb gegangen. Die exakte technische Ursache werde weiterhin ausgewertet.

Das Unternehmen bezeichnet solche Ereignisse als „sehr selten“. Technische Defekte ließen sich trotz regelmäßiger Kontrolle, Wartung und Modernisierung nie vollständig ausschließen.

Ein Dorf als Warnsignal

Im deutschen Niederspannungsnetz sind 230 Volt Nennspannung vorgesehen, üblicherweise mit einer Toleranz von rund zehn Prozent. 360 Volt sprengen dieses Band bei Weitem — und moderne Leistungselektronik verzeiht so etwas nicht.

Aus Sicht unserer Redaktion legt der Fall eine unbequeme Wahrheit offen: Je stärker Politik Haushalte auf Wärmepumpen, Wallboxen und Solartechnik trimmt, desto verwundbarer wird der private Haushalt gegenüber jeder Netzstörung. Wer alles auf eine Karte namens Strom setzt, verliert bei einem einzigen defekten Bauteil gleich das halbe Haus.

Für die Betroffenen beginnt nun das Papierkrieg-Kapitel: Netze BW verlangt Schadensbeschreibungen, Fotos oder Einschätzungen von Elektrofachbetrieben, über Ersatz werde im Einzelfall entschieden. Defekte Geräte sollten bis zum Abschluss der Prüfung aufbewahrt werden. Der Bundesgerichtshof entschied bereits mit Urteil vom 25. Februar 2014, dass Netzbetreiber für überspannungsbedingte Schäden einstehen können — den Nachweis müssen jedoch die Geschädigten führen. Das Produkthaftungsgesetz zählt Elektrizität ausdrücklich zu den Produkten.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechts- und keine Steuerberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Für die Beurteilung konkreter Ansprüche wenden Sie sich bitte an qualifizierte Fachleute.

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