
500 Euro fürs Handy am Steuer: Kommt jetzt der Kamera-Hammer?

Ein Blick aufs Display könnte Autofahrer bald 500 Euro kosten. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert, das Bußgeld fürs Handy am Steuer zu verfünffachen. Gleichzeitig unterstützt der Verband den Plan von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), sogenannte Handy-Blitzer bundesweit einzuführen.
Damit steht eine Frage im Raum, die Millionen Pendler betrifft: Geht es um mehr Sicherheit auf den Straßen? Oder um einen weiteren Schritt hin zur lückenlosen Überwachung des Autofahrers?
Gefährlicher als 0,8 Promille?
DVR-Präsident Manfred Wirsch zieht einen drastischen Vergleich. Er stützt sich auf eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie. Ihr zufolge war das Kollisionsrisiko bei Ablenkung durch Smartphones, Touchscreens und andere digitale Anwendungen höher als unter simuliertem Einfluss von 0,8 Promille Alkohol.
Daraus leitet Wirsch seine Forderung ab: Wer gegen die 0,5-Promille-Grenze verstößt, zahlt 500 Euro. Dieselbe Summe solle künftig auch für das Handy in der Hand gelten. Heute sind es laut ADAC 100 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung steigt die Strafe auf 150 Euro, bei einem Unfall auf 200 Euro.
Das Auge durch die Frontscheibe
Herzstück des Vorstoßes sind die sogenannten Monocams. Die hochauflösenden Kameras blicken schräg von oben durch die Windschutzscheibe ins Fahrzeuginnere. Erkennt das System ein Mobiltelefon im Bereich des Fahrers samt typischer Handhaltung, löst es aus. Geschulte Polizisten sichten anschließend die Aufnahmen.
Bisher kommt die Technik vor allem in Rheinland-Pfalz zum Einsatz. Bilger will sie Medienberichten zufolge mit einer einheitlichen gesetzlichen Grundlage in ganz Deutschland ermöglichen. Wirsch setzt auf den Abschreckungseffekt:
„Wer weiß, dass ein Verstoß jederzeit erkannt werden kann, wird eher darauf verzichten, das Smartphone während der Fahrt in die Hand zu nehmen.“
Die Zahlen hinter der Forderung
Der Verband führt beeindruckende Ergebnisse an. In Trier sank die festgestellte Handynutzung am Steuer bei einem Testeinsatz um rund 70 Prozent. Im australischen Bundesstaat New South Wales gingen die Verstöße seit 2019 um etwa 82 Prozent zurück.
Auch Verkehrsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin hält die Blitzer für den richtigen Weg. Die Strafe in Deutschland sei „noch relativ gering“, man hinke den europäischen Nachbarn hinterher, sagte er im WDR 5. Die Technik sei vorhanden, nun fehle die Rechtsgrundlage.
Das Problem ist real – die Lösung umstritten
Laut Statistischem Bundesamt gab es 2025 mehr als 1.100 Unfälle mit Personenschaden, bei denen die Nutzung elektronischer Geräte als Ursache erfasst wurde. 15 Menschen starben, 199 wurden schwer und 1.257 leicht verletzt. Bilger spricht von steigender Tendenz. Der DVR räumt allerdings selbst ein: Die Zahlen umfassen elektronische Geräte insgesamt, nicht nur Smartphones.
Jeder Tote ist einer zu viel – keine Frage. Doch ein Staat, der Kameras ins Innere privater Fahrzeuge richtet, betritt sensibles Terrain. Kritiker fragen, ob hier das Problem am richtigen Ende angepackt werde. Und ob sich die Bürger am Ende nicht vor allem über eines freuen dürfen: noch höhere Einnahmen der öffentlichen Hand. Ausgerechnet ein CDU-Minister, dessen Partei einst für Bürgerfreiheit und schlanken Staat stand, treibt die Kontrolltechnik voran.
Was jetzt schon gilt
Noch ist die 500-Euro-Strafe nur eine Forderung. Wer sich Ärger ersparen will, beachtet die geltenden Regeln:
- Erlaubt: Telefonate über Freisprechanlage, fest verbautes Fahrzeugsystem oder Bluetooth-Headset
- Verboten: das Handy während der Fahrt in die Hand zu nehmen oder ans Ohr zu halten
Die einfachste Lösung bleibt die älteste: Hände ans Lenkrad, Augen auf die Straße.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt.
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