
935-Milliarden-Trick aus Washington: Gold springt auf Viermonatshoch

Das US-Finanzministerium erwägt offenbar, seinen gewaltigen Bargeldberg anzuzapfen, um langlaufende Staatsanleihen zurückzukaufen. Gold reagierte am Montag mit einem Sprung von rund 1,2 Prozent auf etwa 4.719 Dollar je Unze – den höchsten Stand seit vier Monaten. Silber gab dagegen leicht nach.
Auslöser war ein Bericht des US-Senders CNBC, wonach Finanzminister Scott Bessent auf das sogenannte Treasury General Account zurückgreifen könnte. Dieses Konto der US-Regierung bei der Notenbank Fed war am 20. August mit 935 Milliarden Dollar gefüllt.
„Treasury Twist“ – ein alter Trick im neuen Gewand
Bessent selbst nannte die Operation dem Bericht zufolge einen „Treasury Twist“ – eine Anspielung auf die berühmte „Operation Twist“ der 1960er Jahre: Der Staat kauft langlaufende Anleihen zurück und finanziert das über kurzlaufende Papiere. Ziel: Die Zinsen am langen Ende sollen sinken.
Wie viel Geld tatsächlich fließen soll, ließen die zitierten Ministeriumsvertreter offen. Bereits vergangene Woche hatte Bessent die Rückkäufe am langen Ende von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar verdoppelt.
Die Wirkung am Montag: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel um bis zu vier Basispunkte auf 4,69 Prozent, die dreißigjährige rutschte auf rund 5,215 Prozent. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Erst in der Vorwoche hatte die 30-jährige Rendite mit über 5,27 Prozent den höchsten Stand seit 19 Jahren markiert.
Fachleute sprechen von einem Pflaster auf einer klaffenden Wunde
Die Skepsis unter Marktbeobachtern ist erheblich. Blake Gwinn, Zinsstratege bei RBC Capital Markets, bezeichnete den Schritt Medienberichten zufolge als „einen sehr schludrigen Versuch, den Ausverkauf zu stoppen“; die Wahrscheinlichkeit, dass das Ministerium das Geld wirklich einsetze, sei „sehr, sehr gering“.
Auch beim ersten Anlauf war die Erleichterung kurzlebig: Die Rückkauf-Ankündigung der Vorwoche verpuffte binnen eines Tages, die Rendite der 30-Jährigen holte den Rückgang komplett auf.
Wenn ein Staat seine eigenen Anleihen stützen muss, damit die Zinsen nicht davonlaufen, ist das kein technisches Detail – es ist ein Signal.
Warum Anleger flüchten – und wohin
Der Hintergrund ist unangenehm: Steigende Langfristzinsen verteuern die Refinanzierung der US-Schulden, was die Defizite weiter aufbläht – ein Kreislauf, vor dem Marktteilnehmern zufolge längst gewarnt wird. Genau in dieser Gemengelage glänzt das Metall, das keine Schulden kennt.
Silber verlor am Montag rund ein Prozent und konsolidiert laut dem Bericht unterhalb der Marke von 70 Dollar. Im Monatsvergleich bleibt das weiße Metall dennoch der Star: rund 20 Prozent Plus im August – Gold kam auf etwa 15 Prozent. Kupfer legte 0,46 Prozent zu und notiert knapp unter Allzeithoch.
Die Woche der Wahrheit
Zwei Termine dürften die Richtung vorgeben: die PCE-Inflationsdaten für Juli am Mittwoch – von Ökonomen bei rund 3,6 Prozent (Kernrate 3,3 Prozent) erwartet – und die erste Jackson-Hole-Rede des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh am Freitag. Warsh hat seit seinem Amtsantritt im Mai die Forward Guidance gestrichen und hält die Märkte bewusst im Ungewissen. Für Sparer heißt das: maximale Unsicherheit, während die Teuerung seit Jahren über dem Zielwert klebt.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang exemplarisch, wie eng der Spielraum hochverschuldeter Staaten geworden ist – auch diesseits des Atlantiks, wo Berlin gerade 500 Milliarden Euro an neuen Schulden auf den Weg bringt. Physisches Gold und Silber bleiben in diesem Umfeld eine sinnvolle Beimischung zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir empfehlen keine konkreten Anlageprodukte. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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