
Amnesty International schlägt Alarm: Fußball-WM in den USA könnte zum Sicherheitsdesaster werden
Zweieinhalb Monate vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verdüstern sich die Aussichten für das sportliche Großereignis in Nordamerika. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat einen Bericht veröffentlicht, der es in sich hat: Die WM in den USA, Kanada und Mexiko berge erhebliche Gefahren für Fans, Spieler und ganze Bevölkerungsgruppen. Besonders die Einwanderungspolitik unter Präsident Donald Trump stehe dabei im Fadenkreuz der Kritik.
Trumps harte Linie als Zankapfel
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die politische Großwetterlage in den Vereinigten Staaten nicht gerade nach unbeschwerten Fußballfesten klingt. Amnesty International spricht von einer „akuten Bedrohung" für migrantische Gemeinschaften, internationale Besucher und sogar die Spieler selbst. Die Einwanderungsbehörde ICE führe Razzien durch, es komme zu massenhaften Festnahmen, und Einreiseverbote würden verschärft. Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, formulierte es drastisch: Die WM 2026 drohe „mehr Repression als Fußball zu liefern".
Nun mag man von Amnesty International halten, was man will – die Organisation ist nicht gerade für ihre politische Neutralität bekannt und neigt bisweilen dazu, westliche Demokratien mit besonderer Schärfe zu kritisieren, während man bei anderen Regimen erstaunlich leise bleibt. Doch eines lässt sich nicht von der Hand weisen: Die Sicherheitslage in den drei Gastgeberländern ist alles andere als trivial.
FIFA-Chef Infantino zwischen Wunschdenken und Realpolitik
Während Amnesty warnt, gibt sich FIFA-Präsident Gianni Infantino betont optimistisch. Die WM werde ein „Symbol für Einheit und Solidarität" sein, verkündete er und prophezeite eine „friedliche und fröhliche Atmosphäre". Dass derselbe Infantino dem US-Präsidenten einen eigens geschaffenen Friedenspreis überreichte, spricht Bände über das Verhältnis zwischen dem Weltverband und der amerikanischen Regierung. Man darf sich fragen, ob hier sportpolitisches Kalkül oder schlichte Unterwürfigkeit am Werk ist.
78 der insgesamt 104 WM-Spiele werden auf amerikanischem Boden ausgetragen – einschließlich des Endspiels. Die USA sind damit das unbestrittene Herzstück dieses Turniers. Und genau das macht die politische Dimension so brisant.
Boykott-Debatte bleibt zahnlos
In der Öffentlichkeit wurde bereits über einen möglichen WM-Boykott diskutiert. Auslöser waren nicht nur die Migrationspolitik, sondern auch das internationale Vorgehen der US-Regierung – etwa im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt oder der Grönland-Frage. Doch die sportpolitisch Verantwortlichen in Deutschland halten sich bedeckt. Ein Boykott wird von offizieller Seite derzeit nicht ernsthaft erwogen. Das überrascht kaum: Wann hätte der deutsche Fußball-Funktionärsbetrieb jemals politisches Rückgrat bewiesen?
Mexiko und Kanada: Keine Inseln der Seligen
Doch nicht nur die USA bereiten Sorgen. In Mexiko, wo nach dem Tod des berüchtigten Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes – besser bekannt als „El Mencho" – schwere Gewaltausbrüche zu verzeichnen waren, setzt die Regierung das Militär zur Sicherung ein. Die Risiken für Menschen, die es wagen sollten, während des Turniers zu demonstrieren, seien erheblich gestiegen, so Amnesty. Und selbst im vermeintlich friedlichen Kanada befürchtet die Organisation, dass Obdachlose aus den Innenstädten vertrieben und weiter marginalisiert werden könnten – eine Praxis, die man bereits von früheren Großereignissen kennt.
Ein Turnier im Schatten der Weltpolitik
Die Fußball-WM 2026 steht exemplarisch für ein Grundproblem des modernen Sports: Mega-Events lassen sich nicht von der politischen Realität ihrer Austragungsorte trennen, so sehr sich Funktionäre das auch wünschen mögen. Die FIFA hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Turniere in Länder zu vergeben, deren politische Verhältnisse mindestens fragwürdig sind – man denke nur an Katar 2022. Dass nun ausgerechnet die USA, die sich gerne als Leuchtturm der Freiheit inszenieren, in den Fokus der Menschenrechtskritik geraten, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Für die deutschen Fans, die im Sommer 2026 nach Nordamerika reisen wollen, dürfte die Lage zumindest Unbehagen auslösen. Ob die Warnungen von Amnesty International übertrieben sind oder sich als prophetisch erweisen werden, wird sich zeigen. Eines steht jedoch fest: Diese WM wird nicht nur auf dem Rasen entschieden, sondern auch in den Köpfen derjenigen, die über Einreise, Sicherheit und Grundrechte bestimmen. Und das sollte jedem Fußballfan zu denken geben – ganz gleich, welche Mannschaft er anfeuert.
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