
Angst vor dem Abschwung: Jede vierte Firma setzt auf Jobs mit Ablaufdatum

Deutschlands Arbeitgeber treten auf die Bremse, und zwar bei der Festanstellung. Laut der Randstad-ifo-HR-Befragung für das dritte Quartal 2026 wollen 26 Prozent der Unternehmen künftig stärker auf befristete Verträge setzen. Vor einem Jahr waren es noch 12 Prozent.
Befragt wurden 469 Personalverantwortliche, vom Handwerksbetrieb bis zum Konzern. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Die deutsche Wirtschaft glaubt offenbar selbst nicht mehr an einen baldigen Aufschwung.
Verdopplung in nur zwölf Monaten
Der Anteil der Firmen, die mehr befristen wollen, hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Gleichzeitig schrumpft das Lager derer, die Befristungen zurückfahren wollen, von 23 auf 18 Prozent. Weitere 56 Prozent wollen beim bisherigen Umfang bleiben.
Schon heute arbeiten 30 Prozent der Betriebe mit befristeten Verträgen. Zwischen den Branchen klaffen dabei große Unterschiede:
- Industrie: 42 Prozent
- Dienstleistungen: 24 Prozent
- Handel: 22 Prozent
- Großunternehmen ab 500 Beschäftigten: 59 Prozent
- Kleinbetriebe bis 49 Beschäftigte: rund 20 Prozent
Zeitarbeit nutzen laut der Erhebung 22 Prozent der Firmen. Bei den Großunternehmen ist es jedes zweite.
Flexibilität als Notwehr
Aus Sicht der Arbeitgeber hat ein befristeter Vertrag einen großen Vorteil: Er endet einfach. Es braucht keine Kündigung, keine Sozialauswahl und keinen Prozess vor dem Arbeitsgericht. In einem Land, dessen Kündigungsschutz als besonders streng gilt, ist das kein Detail, sondern Teil der Risikovorsorge.
Die Gründe für die Vorsicht sind bekannt: jahrelang schwaches Wachstum, eine wacklige Konjunktur und geopolitische Schocks wie der Irankrieg mit seinen Folgen. 44 Prozent der Betriebe nennen den wirtschaftlichen Druck als prägendes Thema der vergangenen zwölf Monate. Kein anderer Faktor kommt auch nur annähernd an diesen Wert heran.
Am härtesten trifft es die Industrie. Dort berichten 17 Prozent der Unternehmen, dass Umbau und Stellenabbau den Arbeitsalltag bestimmen, mehr als doppelt so viele wie im Handel. Dienstleister nennen besonders häufig neue Arbeitsmodelle, die oft eine Antwort auf Kostendruck und künstliche Intelligenz sind.
Berlin dreht an der Befristungsschraube
Bisher dürfen Verträge ohne Sachgrund höchstens zwei Jahre laufen und maximal dreimal verlängert werden. Die Bundesregierung hat im Juli 2026 jedoch angekündigt, diesen Rahmen auf bis zu 48 Monate mit sechs Verlängerungen auszuweiten.
Ausgerechnet ein Personaldienstleister warnt davor. Wer eine Arbeitskraft vier Jahre lang brauche, überbrücke keinen kurzfristigen Engpass, sondern besetze eine Daueraufgabe, argumentiert Randstad-Geschäftsführerin Susanne Wißfeld. Die Reform könne Unternehmen dazu verleiten, eine echte Personalplanung durch juristische Hilfskonstruktionen zu ersetzen.
Beobachter könnten darin ein typisches Muster sehen. Die Regierung Merz lindert die Symptome, packt aber die Ursachen kaum an. Wer Unternehmern verlässliche Rahmenbedingungen bietet, muss sie nicht mit immer neuen Vertragsmodellen beruhigen.
Die Rechnung zahlen die Beschäftigten
Die Unsicherheit bleibt nicht in den Chefetagen. Viele Arbeitnehmer sorgen sich um ihre berufliche Zukunft, manche fürchten den sozialen Abstieg. Die Betriebe haben zudem weitere Instrumente in der Hinterhand: 33 Prozent wollen Arbeitszeitkonten stärker nutzen, 21 Prozent setzen auf Überstunden, 15 Prozent auf Outsourcing.
Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich am 21. September. Medienberichten zufolge gingen an diesem Tag bundesweit rund 175.000 Beschäftigte bei Aktionen der IG Metall gegen drohenden Stellen- und Sozialabbau auf die Straße.
Ein befristeter Vertrag ist ein schwaches Fundament für einen Hauskredit, die Familienplanung oder die Altersvorsorge. Umso wichtiger wird die eigene Vorsorge. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine stabile Ergänzung sein, gerade wenn auf den Arbeitsplatz immer weniger Verlass ist.
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