
Anleihe-Poker vor dem Fed-Showdown: Großinvestoren wetten auf 2028!

Heute Abend um 19 Uhr deutscher Zeit gibt die US-Notenbank unter ihrem Chef Kevin Warsh ihren Zinsentscheid bekannt. Fast alle rechnen damit, dass sich nichts bewegt. Am Optionsmarkt für US-Staatsanleihen setzt das große Geld allerdings längst auf einen anderen Zeitraum, und zwar auf die Jahre 2027 und 2028.
Stillhalten mit Ansage
Der Leitzins liegt aktuell zwischen 3,75 und 4,00 Prozent. Laut dem CME-FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er unverändert bleibt, bei rund 90 Prozent. Im September hatte die Fed um 25 Basispunkte angehoben. Agenturberichten zufolge war das die erste Erhöhung seit drei Jahren.
Gelöst ist das Problem damit nicht. Medienberichten zufolge lag die US-Inflation im September bei 3,7 Prozent. Als Treiber gelten der seit Ende Februar laufende Iran-Krieg mit seinen hohen Energiepreisen, Trumps Zollpolitik und der KI-Investitionsboom. Gleichzeitig sind es nur noch sechs Tage bis zu den Midterm-Wahlen am 3. November. Wer erhöht in dieser Lage gern die Zinsen?
Eine Ökonomin der Brookings Institution erklärte gegenüber AFP, ein Zinsschritt so kurz vor der Wahl würde sie sehr überraschen. Ökonomisch hält sie eine Pause direkt nach der September-Erhöhung aber für schwer nachvollziehbar. Für Dezember gilt eine weitere Anhebung als sehr wahrscheinlich. Neue Projektionen und einen Dot Plot gibt es diesmal nicht. Deshalb kommt es ganz auf das Statement und den Tonfall von Warsh an. Auch mögliche Gegenstimmen von Befürwortern eines härteren Kurses werden bereits diskutiert.
Wie belastbar ist die Ruhe?
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt derzeit bei etwa 5 Prozent. Ihr Hoch lag bei 5,365 Prozent. Die letzten Auktionen verliefen ohne Probleme: Bei kurzen Laufzeiten war die Nachfrage solide, bei langen durchschnittlich. Nach Monaten voller Nervosität sieht es so aus, als hätten die Anleihen einen Boden gefunden.
Was das große Geld wirklich macht
Wie stabil dieser Boden ist, zeigt ein Blick auf den TLT. Das ist der wichtigste ETF für langlaufende US-Staatsanleihen. Er steigt, wenn die Renditen fallen, und notiert aktuell bei rund 81,63 US-Dollar. Laut einer aktuellen Auswertung des Optionsmarkts flossen in den vergangenen fünf Handelstagen fast 67 Millionen Dollar Prämie in Calls. Das ist mehr als doppelt so viel wie auf der Put-Seite. Bei den großen Block-Trades lag das Verhältnis bei 48,6 zu 20,8 Millionen Dollar.
Das ist eine deutliche Kehrtwende. Als die Zinsen besonders heftig schwankten, dominierten beim TLT die Puts. Jetzt gehen die Wetten auf weit entfernte Verfallstermine: Januar 2028, Juni 2027 und Dezember 2026. Der Analyse zufolge steht hinter den Prämien ein Basiswert von etwa 5,6 Milliarden Dollar.
80 Dollar als neues Fundament
Mehr als 15 Millionen Dollar Prämie entfallen allein auf den Basispreis von 80 Dollar, danach folgt die 82. Beim Januar-2028-Call mit Basispreis 80 wurden über 17.200 Kontrakte gehandelt. Bei den großen Blöcken liefen fast 80 Prozent am Geldkurs oder zur Mitte der Spanne. Laut der Analyse deutet das darauf hin, dass alte Positionen geschlossen und Richtung 82 Dollar umgeschichtet werden. Die frühere Hürde bei 80 Dollar werde damit zur Unterstützung.
Gefangen in der Box
Laut der Auswertung bremsen die Market Maker jeden Anstieg zwischen 82 und 84 Dollar ab. Darunter liegt die kritische Schwelle bei 79,06 Dollar. Unter dieser Marke werden Kursbewegungen schneller, und bei etwa 79 Dollar ist noch eine Kurslücke im Chart offen. Die Analyse hält einen Rücksetzer in diese Zone für wahrscheinlicher als einen Ausbruch nach oben. Als Ziel nennt sie mittelfristig 90 Dollar. Fällt der ETF auf Tagesschlussbasis unter 76,50 Dollar, gilt die Bodenbildung als gescheitert.
Die unbequeme Wahrheit für Sparer
Großinvestoren setzen also auf fallende Langfristrenditen, und das bei 3,7 Prozent Inflation, einem Krieg am Golf und einer Notenbank, die sich nicht festlegen will. Das wirkt weniger wie Zuversicht als wie eine Wette darauf, dass die Konjunktur abkühlt oder die Geldpolitik irgendwann wieder lockerer wird. Für die Kaufkraft der Sparer ist beides keine gute Nachricht.
Gold und Silber hängen nicht vom Tonfall eines Notenbankchefs ab. Wer sein Vermögen gegen solche Unsicherheiten absichern will, kann physische Edelmetalle als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Depot in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Derivaten oder anderen Finanzinstrumenten dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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