
Anthropic-Chef warnt vor beispiellosem Jobverlust durch KI – und fordert staatliche Eingriffe
Die Warnungen werden immer drastischer, die Prognosen immer düsterer: Dario Amodei, Gründer und Chef des KI-Unternehmens Anthropic, hat in einem monumentalen Essay von rund 20.000 Wörtern seine Befürchtungen über die Zukunft der Arbeitswelt dargelegt. Seine Kernbotschaft ist erschreckend simpel: Die künstliche Intelligenz wird nicht nur einzelne Berufe ersetzen, sondern als „universeller Arbeitsersatz für Menschen" fungieren.
Ein Schock, der alle Branchen gleichzeitig trifft
Was Amodei besonders beunruhigt, ist die beispiellose Geschwindigkeit und Breite der technologischen Revolution. Während frühere Umwälzungen – sei es die Industrialisierung oder die Digitalisierung – stets nur Teilbereiche der Wirtschaft betrafen und Arbeitnehmern die Möglichkeit boten, in andere Sektoren zu wechseln, sieht der Anthropic-Chef diesmal keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Finanzwesen, Rechtsberatung, Consulting, Technologie – all diese Branchen könnten gleichzeitig von der KI-Welle erfasst werden.
„Die kognitive Bandbreite der Technologie bedeutet, dass sie nicht eine einzelne Tätigkeit ersetzt, sondern als allgemeiner Arbeitsersatz für Menschen agiert", schreibt Amodei. Ein Satz, der in seiner Tragweite kaum zu überschätzen ist. Wer heute noch glaubt, sein Bürojob sei sicher, könnte schon morgen eines Besseren belehrt werden.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Die Fakten untermauern Amodeis düstere Prognosen bereits jetzt. Allein im Jahr 2025 wurden in den USA fast 55.000 Entlassungen explizit mit künstlicher Intelligenz begründet, wie Daten der Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas belegen. Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology kam zu dem Ergebnis, dass KI bereits heute 11,7 Prozent des amerikanischen Arbeitsmarktes ersetzen könnte – was Einsparungen von bis zu 1,2 Billionen Dollar an Löhnen entspräche.
Besonders alarmierend: Laut dem Global Talent Trends Report 2026 der Beratungsfirma Mercer fürchten mittlerweile 40 Prozent aller Beschäftigten weltweit um ihren Arbeitsplatz durch KI. Noch 2024 lag dieser Wert bei lediglich 28 Prozent. Die Angst wächst also rasant – und sie scheint nicht unbegründet.
Amodei fordert staatliche Intervention und progressive Besteuerung
Der Anthropic-Chef belässt es nicht bei Warnungen, sondern fordert konkrete politische Maßnahmen. Die Bewältigung dieser Krise werde „staatliche Eingriffe erfordern", so Amodei, darunter eine „progressive Besteuerung", die insbesondere KI-Unternehmen ins Visier nimmt. Eine bemerkenswerte Forderung aus dem Munde eines Mannes, dessen eigenes Unternehmen zu den führenden Akteuren dieser Branche gehört.
„Die Menschheit steht kurz davor, nahezu unvorstellbare Macht in die Hände gelegt zu bekommen, und es ist zutiefst unklar, ob unsere sozialen, politischen und technologischen Systeme die Reife besitzen, damit umzugehen."
Diese Worte sollten jeden nachdenklich stimmen, der noch immer glaubt, die KI-Revolution werde sich schon irgendwie von selbst regulieren.
Kritiker werfen Amodei Eigennutz vor
Nicht alle teilen Amodeis apokalyptische Sichtweise. Nvidia-Chef Jensen Huang konterte die Warnungen mit dem spitzen Kommentar, Amodei halte KI offenbar für „so beängstigend, dass nur Anthropic sie entwickeln sollte". Huang selbst sieht in der Technologie vor allem Chancen für Handwerker und Bauarbeiter, die beim Errichten von KI-Fabriken gebraucht würden – mit sechsstelligen Gehältern, wohlgemerkt.
Auch JPMorgan-Chef Jamie Dimon mahnte auf dem Weltwirtschaftsforum zu einem differenzierteren Blick. Regierungen müssten auf lokaler Ebene eingreifen und Anreize für Umschulungen sowie Einkommenshilfen bereitstellen, anstatt in Panik zu verfallen.
Die deutsche Perspektive: Zwischen Hoffnung und Versagen
Für Deutschland stellt sich die Frage, ob die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz überhaupt in der Lage ist, auf diese Herausforderung angemessen zu reagieren. Während man in Berlin weiterhin mit ideologischen Grabenkämpfen und einem 500-Milliarden-Schuldenpaket beschäftigt ist, das kommende Generationen belasten wird, rollt die KI-Welle unaufhaltsam heran. Die deutsche Wirtschaft, ohnehin durch Bürokratie und hohe Energiekosten geschwächt, könnte von dieser Entwicklung besonders hart getroffen werden.
Eines steht fest: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Wer jetzt nicht handelt, wird von der Geschichte überrollt werden – und diesmal gibt es möglicherweise keine zweite Chance.












