
BaFin-Chef warnt vor dem großen Crash: „Irgendwann muss es knallen"

Die deutsche Finanzaufsicht schlägt Alarm – und die Warnung könnte deutlicher kaum sein. Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, hat zum Jahresauftakt 2026 einen Bericht vorgelegt, der es in sich hat. Bei einer Pressekonferenz in Frankfurt sprach er Klartext: „Wenn es so weitergeht, dann muss es irgendwann knallen." Eine Aussage, die aufhorchen lässt und die trügerische Ruhe an den Finanzmärkten als das entlarvt, was sie möglicherweise ist – eine gefährliche Illusion.
Die paradoxe Lage: Rekordkurse trotz globaler Krisenherde
Was Branson besonders beunruhigt, ist die geradezu groteske Diskrepanz zwischen der realen Weltlage und der Stimmung an den Börsen. Der Dax feiert Bestmarken, Tech-Werte schießen durch die Decke, Gold und Silber eilen von einem Rekordhoch zum nächsten. Doch während die Anleger feiern, türmen sich die Probleme auf: Handelskonflikte eskalieren, Staatsschulden erreichen weltweit historische Dimensionen, und die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank gerät unter politischen Beschuss.
Die Anleihemärkte zeigen sich derweil mit historisch niedrigen Risikoaufschlägen erstaunlich gelassen. Für den BaFin-Chef ist dieses Bild schlicht paradox. Er warnt eindringlich davor, dass Anleger und Finanzinstitute die realen Gefahren kollektiv ignorieren, anstatt sie nüchtern einzupreisen. Das Potenzial für plötzliche Markt- und Preiskorrekturen sei hoch – sehr hoch.
Europas gefährliche Abhängigkeit vom US-Dollar
Ein besonderes Augenmerk richtet die BaFin auf die Dollar-Abhängigkeit des europäischen Bankenwesens. Solange die Federal Reserve als unantastbarer Stabilitätsanker fungiert, scheint die Refinanzierung gesichert. Doch dieses Vertrauen bröckelt zusehends. Die politischen Angriffe auf die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank – nicht zuletzt befeuert durch die aggressive Wirtschaftspolitik der Trump-Administration – rütteln am Fundament der globalen Leitwährung.
Branson macht unmissverständlich klar: Die gewohnte Dollar-Liquidität ist in Krisenzeiten keineswegs mehr garantiert. Für die rettenden Swap-Linien zwischen den Zentralbanken gibt es keine gesetzliche Pflicht. Seine Botschaft an deutsche Institute ist unmissverständlich: Analysiert eure Währungsrisiken präzise und wappnet euch für den Fall, dass die USA als vermeintliches Sicherheitsnetz ausfallen.
Der KI-Hype: Größer als die Dotcom-Blase?
Besonders kritisch betrachtet die Finanzaufsicht den aktuellen Boom rund um künstliche Intelligenz. Die Bewertungen von Tech-Giganten und Stromversorgern werden in Regionen getrieben, die stark an die Dotcom-Blase der Jahrtausendwende erinnern. Doch Branson warnt vor einem massiven „Enttäuschungspotenzial", sollten die technologischen Fortschritte hinter den gigantischen Investitionen zurückbleiben.
Der entscheidende Unterschied zu damals: Das Risiko ist heute sogar größer als im Jahr 2000. Während vor einem Vierteljahrhundert hauptsächlich Spekulanten betroffen waren, hängt mittlerweile die Stabilität ganzer Volkswirtschaften an diesem Boom. Firmen wie Meta, Microsoft und Tesla geraten zunehmend unter Rechtfertigungsdruck – und mit ihnen Millionen von Anlegern, die auf den vermeintlich unaufhaltsamen Aufstieg der KI-Branche gesetzt haben.
Offene Immobilienfonds: Eine tickende Zeitbombe
Während sich der deutsche Wohnimmobilienmarkt stabilisiert hat, bleibt der Sektor für Gewerbeimmobilien hochgradig fragil. Mark Branson übt in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an der Regulierung offener Immobilienfonds. Es widerspreche dem „gesunden Menschenverstand", illiquide Sachwerte als schwankungsarme Anlage für Privatanleger zu deklarieren. Besonders im Bereich der Gewerbeimmobilien weichen die Verkaufsdarstellungen der Anbieter oft drastisch von der tatsächlichen Risikolage ab.
Die BaFin warnt eindringlich: Liquidität ist kein Selbstläufer. Anleger gehen fälschlicherweise davon aus, dass ihre Investition jederzeit flüssig ist. Doch gesetzliche Haltefristen und die Möglichkeit, die Rücknahme von Fondsanteilen auszusetzen, können den schnellen Ausstieg unmöglich machen. Ein massiver Kapitalabfluss setzt offene Immobilienfonds derzeit unter erheblichen Druck und zwingt kleinere Anbieter bereits zur Aufgabe. Sobald die Liquidität versiegt, sitzen Anleger in der Falle.
Private Credit: Das unterschätzte Systemrisiko
Parallel dazu warnt die Finanzaufsicht vor den Gefahren im Private-Credit-Markt. Diese weniger regulierten Kreditfonds wachsen rasant und sind eng mit dem klassischen Bankensystem verzahnt. Die Ansteckungsgefahr bei Ausfällen ist damit massiv erhöht – ein Dominoeffekt, der das gesamte Finanzsystem erschüttern könnte.
Physische Edelmetalle als Stabilitätsanker
In Zeiten, in denen selbst die oberste deutsche Finanzaufsicht vor einem bevorstehenden Crash warnt, gewinnt die Frage nach sicheren Häfen an Bedeutung. Während Aktien, Immobilienfonds und andere Papieranlagen den beschriebenen Risiken ausgesetzt sind, haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber historisch als Stabilitätsanker in Krisenzeiten bewährt. Die aktuellen Rekordhochs bei den Edelmetallpreisen spiegeln das wachsende Bedürfnis der Anleger nach greifbaren Werten wider, die nicht von der Liquidität eines Fonds oder der Stabilität einer Währung abhängen.
Die Warnung der BaFin sollte jeden Anleger zum Nachdenken bringen: Niemand möchte der Spielverderber sein, solange die Party läuft. Doch wenn die Liquidität über Nacht verdampft, ist es für Korrekturen zu spät. Eine Beimischung physischer Edelmetalle zum Portfolio kann in solchen Szenarien als Versicherung gegen systemische Risiken dienen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.












