
BĂ€renmarke-Werk vor dem Aus? 110 Jobs in Bayern wackeln

Es ist eine Marke, die fast jeder Deutsche kennt â der BĂ€r auf der Kondensmilchdose. Doch der Betrieb, der das Produkt jahrelang herstellte, kĂ€mpft ums Ăberleben: Die Almil AG hat am 18. August 2026 beim Amtsgericht MĂŒhldorf am Inn Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind rund 110 BeschĂ€ftigte im oberbayerischen Weiding.
Der Betrieb lĂ€uft vorerst weiter. Die Löhne sind ĂŒber das Insolvenzgeld bis einschlieĂlich Oktober gesichert. Was danach kommt, entscheidet die Sanierung â und die Milchpreise.
Der Preisverfall, der die Molkerei erwischte
Als wesentliche Belastung nennt das Unternehmen deutlich gesunkene Preise fĂŒr Milchpulver und Butteröl seit Ende 2025. Genau diese Produkte sind das KerngeschĂ€ft in Weiding: Vollmilch- und Magermilchpulver, Butteröl und weitere haltbare Milcherzeugnisse.
Wie tief der Absturz war, zeigen offizielle Marktdaten. Laut Statistiken des Bundeslandwirtschaftsministeriums lag der konventionelle Milcherzeugerpreis bis September 2025 noch ĂŒber 52 Cent je Kilogramm. Anfang 2026 stand nach Angaben von BranchenverbĂ€nden bereits eine Marke von rund 40 Cent im Raum â ein Einbruch von rund einem FĂŒnftel binnen weniger Monate.
Wer in einem so volatilen Weltmarkt produziert, braucht Puffer. Die hatte Almil offenbar nicht mehr.
Nicht nur ArbeitsplĂ€tze â auch Bauernhöfe hĂ€ngen dran
Nach Branchenangaben verarbeitet der Standort jÀhrlich rund 150 Millionen Kilogramm Milch. Damit hÀngt an dem Verfahren eine ganze Kette regionaler Erzeuger. Nach Unternehmensangaben bestehen derzeit allerdings keine offenen Milchgeldzahlungen an die Landwirte.
Trotzdem: FĂŒr Höfe, die ohnehin zwischen Preisdruck, Auflagenflut und steigenden Energiekosten zerrieben werden, ist jeder wegbrechende Abnehmer eine existenzielle Frage. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall exemplarisch, wie dĂŒnn die Decke im deutschen Mittelstand inzwischen geworden ist.
Konzernmutter mit Rekordumsatz â Tochter in der Insolvenz
Die EigentĂŒmerstruktur macht den Vorgang pikant. Almil ĂŒbernahm den Standort 2018 von der Hochwald-Gruppe und sicherte damals rund 120 ArbeitsplĂ€tze. SpĂ€ter stieg Hochwald wieder ein und ist laut Unternehmensregister inzwischen alleinige AktionĂ€rin. Noch im Mai hieĂ es aus dem Konzern, eine SchlieĂung des Werks sei nicht geplant.
Die Marke BÀrenmarke gehört weiterhin zu Hochwald und ist selbst nicht insolvent. Und der Mutterkonzern steht wirtschaftlich glÀnzend da:
- Rekordumsatz 2025: 2,034 Milliarden Euro
- EBITDA: 191,1 Millionen Euro
- Verarbeitete Milchmenge: rund 2,31 Milliarden Kilogramm
- Investitionen in Sachanlagen: 160,6 Millionen Euro
Parallel schlieĂt Hochwald sein Werk in Kaiserslautern, wo rund 80 ArbeitsplĂ€tze wegfallen. Der Standort sei nicht mehr rentabel, erklĂ€rte das Unternehmen gegenĂŒber dem SWR. Der Konzern konzentriert seine Produktion nach eigener Darstellung auf wirtschaftlich attraktivere Bereiche.
Was jetzt entschieden wird
In der Eigenverwaltung bleibt der Vorstand im Amt, ein gerichtlich bestellter Sachwalter ĂŒberwacht das Verfahren. Bis Oktober sollen konkrete Sanierungsschritte stehen, unter anderem soll die Kostenstruktur des Standorts verbessert werden.
Ob das reicht, ist offen. FĂŒr 110 Familien in Oberbayern beginnt eine Zeit banger Wochen â wĂ€hrend anderswo in derselben Branche Rekordzahlen gefeiert werden. Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Liste von WerksschlieĂungen in der deutschen Lebensmittelindustrie.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Anlage- noch eine Rechts- oder Steuerberatung dar.
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