
BASF-Chef zieht den Stecker: „In Europa würde ich heute nicht mehr investieren"

Es sind Sätze, die wie ein Paukenschlag durch die deutsche Wirtschaft hallen. Wenn der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Chemiekonzerns öffentlich erklärt, dass er in Europa keine neuen Milliarden mehr versenken würde, dann ist das kein diplomatisches Säuseln mehr, sondern eine schallende Ohrfeige für die europäische Wirtschaftspolitik. BASF-Chef Markus Kamieth hat ausgesprochen, was viele Industriebosse hinter vorgehaltener Hand längst denken: Der Kontinent verliert rapide an Attraktivität, neue Großinvestitionen wandern nach Nordamerika und Asien ab.
Ein Alarmsignal, das die Politik nicht länger ignorieren darf
Die Ludwigshafener sind kein beliebiger Mittelständler, sondern das industrielle Herzstück der Bundesrepublik. Wenn ausgerechnet dieser Gigant den heimischen Standort faktisch abschreibt, dürfte das eine Zeitenwende markieren, die weit über einen einzelnen Konzern hinausweist. Kamieth nennt die Gründe mit entwaffnender Klarheit: exorbitante Energiekosten, eine ausufernde Regulierungswut und kaum noch vorhandene Wachstumschancen. Genau jene toxische Mischung also, die Kritiker seit Jahren anprangern, während Berlin und Brüssel weiter Verbotspakete, Berichtspflichten und Klima-Bürokratie über die Unternehmen kippen.
Wenn Strom und Gas zum Standortkiller werden
Besonders die Energiepreise erweisen sich als Totengräber der europäischen Industrie. Während amerikanische Konkurrenten auf günstiges Flüssiggas und bezahlbaren Strom zugreifen können und asiatische Wettbewerber ohnehin mit ganz anderen Kostenstrukturen operieren, zahlt die deutsche Chemie Höchstpreise. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer ideologisch motivierten Energiepolitik, die Kernkraftwerke abschaltet, Gaskraftwerke verteufelt und auf volatile Wind- und Sonnenenergie setzt. Die Rechnung dafür bezahlen nun die Arbeitnehmer in Ludwigshafen, Leverkusen und Marl.
Die strategische Weichenstellung ist längst gefallen
Kamieths Worte sind keine rhetorische Drohgebärde, sondern Ausdruck einer bereits vollzogenen Kurskorrektur. BASF baut im chinesischen Zhanjiang einen gigantischen Verbundstandort, der zehn Milliarden Euro verschlingt. In Nordamerika locken schnellere Genehmigungsverfahren, niedrigere Steuern und ein industriefreundliches Klima, das unter Präsident Trump zusätzlich Fahrt aufgenommen hat. Europa hingegen bietet zähe Verfahren, unberechenbare Regulierung und eine Politik, die Unternehmer zunehmend als Gegner statt als Partner betrachtet.
Deutschland trägt die Hauptlast
Für die Bundesrepublik ist diese Entwicklung besonders dramatisch, denn kein anderes Land in Europa hängt derart stark von energieintensiver Industrie, Exportstärke und technologischer Spitzenkompetenz ab. Wenn neue Werke künftig systematisch in Houston, Shanghai oder Singapur entstehen, verliert Deutschland nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch das industrielle Nervensystem, das über Generationen gewachsen ist. Zulieferer, Forschungszentren, Fachkräfte, Universitätskooperationen – all das folgt den Produktionsstätten, wenn sie denn einmal abgewandert sind. Rückholaktionen sind danach nahezu aussichtslos.
Das Schweigen der Politik ist ohrenbetäubend
Während die Große Koalition unter Friedrich Merz Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe aufnimmt und die Klimaneutralität ins Grundgesetz zementiert, bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wie soll eine Industrienation ohne wettbewerbsfähige Energiepreise überleben? Das 500-Milliarden-Paket für Infrastruktur mag kurzfristig Konjunkturimpulse setzen, doch es löst nicht die strukturellen Probleme. Im Gegenteil: Die damit verbundene Verschuldung treibt die Inflation, belastet kommende Generationen und erhöht den Druck auf Steuern und Abgaben – also ausgerechnet auf jene Faktoren, die Kamieth bereits heute als Standortnachteil brandmarkt.
Hinzu kommt die regulatorische Überdehnung auf EU-Ebene. Lieferkettengesetze, Taxonomie-Verordnungen, Emissionshandel, CSRD-Berichtspflichten – die Liste wird länger, die Zettelwirtschaft erdrückender. Jeder dieser gut gemeinten Mechanismen trifft europäische Unternehmen härter als ihre Wettbewerber in Übersee. Wer glaubt, man könne die globale Chemiebranche mit deutscher Gründlichkeit und Brüsseler Überregulierung zum Vorreiter der Dekarbonisierung machen, verkennt die Realität eines gnadenlosen internationalen Wettbewerbs.
Schleichende Deindustrialisierung als neue Normalität?
Die eigentlich beunruhigende Botschaft liegt zwischen den Zeilen: Wenn ein Weltkonzern wie BASF Europa als Investitionsstandort abschreibt, werden andere folgen. Die Signalwirkung an Vorstandsetagen von Bayer, Evonik, Lanxess oder Covestro ist verheerend. Und was für die Chemie gilt, trifft für Stahl, Aluminium, Maschinenbau und Automobilindustrie in ähnlicher Weise zu. Der langsame, kaum spürbare, aber unaufhaltsame Substanzverlust hat längst begonnen – er vollzieht sich nicht in spektakulären Werksschließungen, sondern in unterlassenen Investitionsentscheidungen, die erst in zehn oder zwanzig Jahren sichtbare Wirkung entfalten.
Was das für Vermögensschutz bedeutet
Wer die schleichende Entindustrialisierung Europas aufmerksam verfolgt, dem dürfte klar sein, dass dies auch erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität von Währungen, Anleihen und Aktienmärkten haben kann. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, politischer Fehlsteuerung und wachsender Staatsverschuldung haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrhunderte hinweg als verlässlicher Vermögensanker bewährt. Ein gesundes, breit gestreutes Portefeuille, das auch physische Edelmetalle als Beimischung berücksichtigt, kann gerade in stürmischen Zeiten ein wertvolles Fundament der Vermögenssicherung bilden.
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