
Berlins Glatteis-Desaster: Wenn eine Hauptstadt zum Gespött der Nation wird

Es ist ein Schauspiel, das man kaum noch mit Humor ertragen kann. Während Deutschland zusieht, wie seine Hauptstadt im Eis versinkt, fragt sich der Rest der Republik zurecht: Ist das noch Unfähigkeit oder schon Arbeitsverweigerung? Berlin, diese Stadt der großen Versprechen und noch größeren Enttäuschungen, hat es wieder einmal geschafft, sich selbst zu demontieren – und zwar auf dem glatten Parkett des Winters.
Der Winter als Überraschungsgast
Am Freitagmorgen versank Berlin erneut im Chaos. Der Flughafen BER stellte den Betrieb ein, die Feuerwehr rief den Ausnahmezustand aus, der Fernverkehr brach zusammen. Die Ursache? Gefrierender Regen bei Temperaturen knapp unter null. Oder wie es der CDU-Politiker Christoph Ploß treffend auf X formulierte: „Man nennt es Winter." Eine Jahreszeit, die offenbar für den Berliner Senat jedes Jahr aufs Neue wie ein unerwarteter Meteorit einschlägt.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen und ätzte, von den vier Milliarden Euro, die Bayern jährlich an Berlin überweise, sollte wenigstens etwas Streusalz drin sein. Touristen aus Thüringen fassten ihren Eindruck am Alexanderplatz in einem einzigen Wort zusammen: „Absurdistan." Hackenspikes sind in den Baumärkten längst ausverkauft – ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich als Weltmetropole versteht.
Knochenbrüche statt Krisenmanagement
Die Zahlen sprechen eine erschreckende Sprache. Das Unfallkrankenhaus Berlin meldet täglich 20 bis 30 zusätzliche Patienten – gebrochene Handgelenke, Hüften, Schädel-Hirn-Traumata. Ältere Menschen trauen sich nicht mehr vor die Tür. Eine Rentnerin brachte es bei einer Umfrage auf den Punkt: „Man muss auch sehen, dass die Menschen heil ankommen." Ein simpler Wunsch, den der Senat offenbar nicht erfüllen kann oder will.
Das juristische Hin und Her um das Streusalz offenbart die ganze Misere. Ende Januar erlaubte die Senatsverwaltung per Allgemeinverfügung den Einsatz von Tausalz – eine pragmatische Notlösung. Wenige Tage später kippte das Verwaltungsgericht diese Regelung nach einer NABU-Klage. Der Senat habe keine Befugnis, ein gesetzliches Verbot eigenmächtig außer Kraft zu setzen. Selbst Grünen-Politikerin Ricarda Lang kritisierte diesen Wahnsinn scharf.
Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet
Warum dauert es so lange, das Straßenreinigungsgesetz anzupassen? Verkehrssenatorin Ute Bonde forderte bereits Anfang Januar eine Änderung. Passiert ist nichts. In Hamburg und NRW existieren längst Ausnahmeregelungen. In Berlin drohen Privatpersonen Bußgelder bis zu 10.000 Euro, während sie auf vereisten Gehwegen um ihre Gesundheit bangen müssen. Eine groteske Situation, die das Versagen der Berliner Politik in aller Deutlichkeit zeigt.
Ein Muster der Hilflosigkeit
Das Muster wiederholt sich mit erschreckender Regelmäßigkeit. Anfang Januar legte ein Anschlag den Berliner Südwesten lahm. 45.000 Haushalte ohne Strom und Heizung bei Minusgraden. Und der Regierende Bürgermeister? Spielte Tennis. Zehn Stunden Schweigen, dann Allgemeinplätze. 65 Prozent der Berliner bewerteten das Krisenmanagement als schlecht – eine vernichtende Bilanz.
Nun das Glatteis – dieselbe Hilflosigkeit. Wegner spricht von „extremen Wetterbedingungen", als sei Winter eine Überraschung. Die BVG stellte erstmals den gesamten Straßenbahnbetrieb ein. In Potsdam fahren die Bahnen weiter. Aber da scheint ohnehin vieles besser zu laufen als in der Hauptstadt.
Was Berlin fehlt, ist ein Konzept für kommende Krisen. Der nächste Hitzesommer wird kommen, der nächste Eiswinter ebenso. Berlin hat weder Kühlräume noch einen funktionierenden Winterdienst.
Ein Symptom für den Zustand der Nation
Das Berliner Glatteis-Desaster ist mehr als nur ein lokales Problem. Es ist ein Sinnbild für den Zustand eines Landes, das sich in bürokratischen Grabenkämpfen verliert, während seine Bürger buchstäblich auf der Strecke bleiben. Eine Stadt, die nicht einmal in der Lage ist, ihre Gehwege zu räumen, will gleichzeitig die Welt retten und moralische Maßstäbe setzen. Die Ironie könnte kaum größer sein.
Man wird das Gefühl nicht los, dass die politische Klasse in Berlin ihre Bürger längst aufgegeben hat. Statt pragmatischer Lösungen gibt es endlose Debatten, statt Handeln gibt es Ausreden. Der Winter wird vergehen, das Eis wird schmelzen – aber die strukturellen Probleme dieser Stadt werden bleiben. Und im nächsten Jahr wird Deutschland wieder lachen, während Berlin erneut ausrutscht.

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