
Bessent: Hormus wird „wertloses Wasser“ – Brent über 92 Dollar!

US-Finanzminister Scott Bessent hat beim G20-Finanzministertreffen in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina eine kühne Prognose gewagt: Die Straße von Hormus verliere binnen zwei Jahren jede strategische Bedeutung. Nur Stunden später wurden am Dienstagmorgen zwei Supertanker beim Verlassen genau dieser Meerenge von Projektilen getroffen. Brent-Öl sprang über 92 Dollar je Barrel.
Ein Satz, der Ölhändler aufhorchen ließ
Bessent zufolge versuche Teheran, die Wasserstraße als Nadelöhr zu benutzen – für die USA sei sie das nicht, für viele andere Länder schon.
„In zwei Jahren wird die Straße von Hormus ein wertloses Stück Wasser sein. Das Öl wird durch Pipelines über Land fließen“, sagte Bessent laut dem Bericht.
Klingt gut. Nur: Pipelines entstehen nicht durch Ankündigungen. Ein häufig genanntes Vorzeigeprojekt, eine Leitung von Irak nach Syrien, dürfte Berichten zufolge rund vier Jahre Bauzeit und etwa 15 Milliarden Dollar verschlingen – in zwei Staaten, die nach Jahrzehnten Krieg selbst um Stabilität kämpfen.
Zwei Tanker getroffen – der Markt zieht die Risikoprämie hoch
Nach Angaben eines maritimen Sicherheitsdienstleisters wurde der Supertanker „Sidr“ der saudischen Reederei Bahri nordöstlich von Khasab in Oman getroffen, weiter östlich soll die von Sinokor betriebene „Senegal Prosperity“ von drei Projektilen erfasst worden sein. Die britische Behörde UKMTO bestätigte drei Treffer auf einem auslaufenden Tanker, ohne das Schiff zu benennen.
Die Folge: Brent notierte am Dienstagmorgen fest über 92 Dollar, die US-Diesel-Cracks kletterten über die Marke von 100 Dollar je Barrel. Der Chef von Hapag-Lloyd erklärte, es sei realistisch, dass Hormus auf absehbare Zeit blockiert bleibe.
Nicht das Rohöl ist das Problem – der Diesel ist es
Analysten von Goldman Sachs sehen den Kern der Krise nicht im Rohöl, sondern bei den Raffinerieprodukten. Diesel stehe im Epizentrum der Angebotsklemme, heißt es in einer aktuellen Notiz; Angriffe auf Raffinerien im Nahen Osten und in Russland hätten die ohnehin knappe Verarbeitungskapazität weiter verengt und die Margen auf Rekordniveau getrieben.
Die Bank schätzt, dass der globale Raffineriedurchsatz rund 7 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorjahr liegt – und seit März, dem Beginn der US-Operation „Epic Fury“ und verstärkter ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Energieanlagen, im Schnitt fast 6 Millionen Barrel unter dem saisonalen Normalwert.
Für Deutschland ist das keine Statistik, sondern ein Kostenschock: Diesel treibt Logistik, Landwirtschaft, Handwerk und Baustellen. Vor Kriegsbeginn lag Brent bei etwa 70 Dollar, Anfang April in der Spitze bei rund 126 Dollar. Laut Internationaler Energieagentur schrumpften die weltweiten Ölbestände seit Konfliktbeginn um 378 Millionen Barrel.
Teheran bietet Gespräche, Washington „mäht den Rasen“
Irans Präsident Massud Peseschkian erklärte am Rande des Gipfels der Schanghai-Organisation in Bischkek, sein Land werde umgehend reziprok handeln, sollten die USA zu ihren Verpflichtungen aus der Absichtserklärung zurückkehren. Washington habe diese gebrochen, so der Vorwurf aus Teheran. US-Präsident Donald Trump kündigte eine „Antwort“ auf die iranischen Angriffe an, dämpfte aber Erwartungen an einen vollen Krieg. In US-Kreisen ist von „Rasenmähen“ die Rede – Kritiker halten das für einen Euphemismus für einen Dauerkonflikt ohne Ausstiegsplan.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt diese Gemengelage vor allem eines: Wer seine Energieversorgung von fragilen Seewegen und politischen Zeitplänen abhängig macht, kauft Risiko auf Kredit. In Berlin fehlt bislang eine belastbare Antwort auf dauerhaft teure Energie. Historisch haben Anleger in solchen Phasen physische Edelmetalle als krisenerprobten Stabilitätsanker im breit gestreuten Vermögen geschätzt.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst informieren.
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