
Bessents Milliarden-Bluff? Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit

Ab Mittwoch, dem 9. September, macht das US-Finanzministerium Ernst: Dann startet Ressortchef Scott Bessent seine verstärkten Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen. Das erklärte Ziel: sinkende Renditen. Bisher hat der Markt die Ankündigungen aus Washington schlicht ignoriert.
Drei Wochen Ankündigung – und fast nichts passiert
Seit dem 19. August trommelt Bessent für seine Offensive. Das Resultat ist bislang ernüchternd: Die Rendite der 30-jährigen US-Papiere fiel von 5,27 auf 5,24 Prozent – ein Effekt im Bereich der Messungenauigkeit. Die zehnjährige Laufzeit legte im selben Zeitraum sogar von 4,70 auf 4,78 Prozent zu.
Der Grund liegt auf der Hand. Operationen im Volumen von vier oder acht Milliarden Dollar sind in einem Anleihemarkt von rund 33 Billionen Dollar kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Zum Vergleich: Die US-Staatsverschuldung liegt inzwischen bei über 40 Billionen Dollar.
Die 944-Milliarden-Waffe im Hintergrund
Bessents eigentliches Druckmittel ist ein anderes: das Treasury General Account, salopp das Girokonto der US-Regierung. Dort lagern derzeit rund 944 Milliarden Dollar. Medienberichten zufolge könnte Washington die Rückkäufe direkt aus diesen Barreserven finanzieren – Marktbeobachter sprechen bereits vom „Bessent-Put“.
Denkbar wären dann Schläge von 50, 100 oder mehr Milliarden Dollar auf einen Sitz. Beobachter halten es für plausibel, dass der Minister genau so eine Schockwirkung sucht, um dem Markt seine Macht zu demonstrieren. Nur: Ein einmaliger Kraftakt ist keine strukturelle Lösung. Das Pulver wäre schnell verschossen.
Warum Trump so nervös ist
Der politische Druck auf Bessent dürfte enorm sein. Sein Präsident Donald Trump verabscheue nichts mehr als hohe Kreditkosten – Amerika soll sich möglichst billig verschulden, um die Konjunktur zu befeuern. Doch Zinsen bilden sich am Markt, nicht im Oval Office. Genau daran scheitert diese Doktrin gerade.
Die großen Käufer machen nicht mehr mit
Erschwerend kommt hinzu, dass sich internationale Schwergewichte zurückziehen. Der norwegische Staatsfonds will den Anteil von Staatsanleihen in seinem Bondportfolio Berichten zufolge von 70 auf 50 Prozent senken. Und Japans staatlicher Pensionsfonds, der bislang rund 230 Milliarden Dollar in Treasuries hält, wird von Tokio ermutigt, verstärkt heimische Anleihen zu kaufen – dort locken inzwischen deutlich höhere Renditen.
Wenn große Adressen weniger kaufen und zugleich Bestände abbauen, drückt das die Kurse. Und fallende Kurse bedeuten steigende Renditen – exakt das Gegenteil dessen, was Bessent erreichen will.
15-Jahreshoch: Die Ursachen liegen tiefer
Die Renditen notieren auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Der Iran-Krieg treibt die globale Inflation, Investoren verlangen dafür Kompensation, und die Notenbanken geraten unter Zugzwang. Dahinter steht das eigentliche Problem: gigantische Haushaltsdefizite und ein Staat, der immer mehr Anlegergeld absaugen muss.
Am Donnerstagnachmittag deutscher Zeit steht die erste aufgestockte Operation für lange Laufzeiten an. Dann zeigt sich, ob Washington den Markt bewegen kann – oder ob die Milliarden schlicht verpuffen. Wer glaubt, Renditen ließen sich politisch verordnen, verkennt die Arithmetik der Schulden.
Für viele Sparer bleibt in diesem Umfeld nur eine Erkenntnis: Wenn Staaten anfangen, ihre eigenen Anleihemärkte zu stützen, gewinnen Sachwerte an Bedeutung. Physisches Gold und Silber bieten sich seit Jahrhunderten als Beimischung zur Vermögenssicherung an – unabhängig von Bonitäten und Haushaltsbeschlüssen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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