
Bitcoin im freien Fall: Droht dem Finanzsystem ein gefährlicher Dominoeffekt?

Die Kryptowährung Bitcoin erlebt einen dramatischen Kursverfall, der weit über die üblichen Schwankungen des volatilen Marktes hinausgeht. Am Donnerstag sackte der Kurs um knapp 14 Prozent ab und rutschte zeitweise unter die Marke von 54.000 Euro. Was einst als digitales Gold gepriesen wurde, entpuppt sich zunehmend als hochriskante Spekulation mit potenziell weitreichenden Folgen für das gesamte Finanzsystem.
Kein klassischer Crash, sondern schleichender Vertrauensverlust
Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie sich der Niedergang vollzieht. Analyst Timo Emden von Emden Research betont, dass es sich nicht um einen abrupten Einbruch handele, sondern um einen über Monate hinweg fortschreitenden Abbau von Bewertung und Risikoappetit. Diese schleichende Erosion könnte sich zu einer handfesten Vertrauenskrise auswachsen – eine Entwicklung, die für Anleger möglicherweise noch gefährlicher ist als ein plötzlicher Crash.
Die Stimmung am Kryptomarkt hat sich merklich verdüstert. Jasper De Maere, Stratege beim Handelsunternehmen Wintermute, konstatiert eine besorgniserregende Zurückhaltung der Marktteilnehmer. Kaum jemand scheint bereit, auf dem aktuellen Niveau überzeugend einzusteigen. Die Liquidation von gehebelten Bitcoin-Positionen verschärft die Abwärtsspirale zusätzlich, da Händler gezwungen werden, ihre Bestände zu verkaufen, um Margin Calls zu erfüllen.
Systemische Risiken durch Krypto-Verflechtungen
Besonders alarmierend sind die Warnungen vor systemischen Risiken. Markus Fugmann von Finanzmarktwelt zeichnet ein düsteres Bild: Bitcoin und andere Kryptowährungen hätten sich zu einem Schatten-Kreditsystem entwickelt, an dem mittlerweile erhebliche Vermögenswerte hängen. Der Abverkauf könnte einen gefährlichen Dominoeffekt auslösen, der weit über die Krypto-Szene hinausreicht.
„Das könnte der Beginn eines Teufelskreises sein mit einem dynamischen Domino-Effekt."
Die Verflechtung mit dem traditionellen Finanzsektor ist tiefer als vielen bewusst sein dürfte. Hochgehebelte Krypto-Investoren wie Michael Saylor und Tom Lee stehen vor massiven Problemen. Hinzu kommt der Abverkauf bei Software-Aktien, in denen der gigantisch gewachsene Privatkredit-Sektor stark engagiert ist.
Die Illusion vom sicheren Hafen
Bloomberg räumt mit einer weiteren Illusion auf: Bitcoin, einst als Inflationsschutz und Alternative zu Gold gefeiert, hat sich in Zeiten von Finanzmarktturbulenzen keineswegs als sicherer Hafen erwiesen. Im Gegenteil – die zunehmende Präsenz in institutionellen Portfolios hat die Kryptowährung anfälliger für breite Risikoreduzierungen gemacht. In Phasen hoher Volatilität bei Technologieaktien und Edelmetallen zeigt sich Bitcoin als das, was es immer war: ein hochspekulatives Asset.
Trumps Krypto-Träume zerplatzen
Die Ironie der Geschichte will es, dass selbst die Familie des US-Präsidenten nicht vom Absturz verschont bleibt. Der Kurs von WLFI, einer von einem Trump-Unternehmen entwickelten Kryptowährung, ist seit Ende September um etwa 50 Prozent gefallen. Auch American Bitcoin, ein von Trumps Söhnen unterstütztes Mining-Unternehmen, musste erhebliche Kursverluste hinnehmen.
Dabei hatte Trump im Wahlkampf noch eine weniger strenge Regulierung versprochen und damit einen regelrechten Krypto-Boom ausgelöst. Im Dezember 2024 übersprang Bitcoin erstmals die 100.000-Dollar-Marke, im Oktober 2025 erreichte die Währung ihren Höchststand bei rund 126.251 Dollar. Seitdem geht es bergab – und staatliche Hilfe ist nicht in Sicht. Finanzminister Scott Bessent stellte unmissverständlich klar, dass die Regierung keine Befugnis habe, Banken zum Kauf von Bitcoin zu verpflichten.
Physische Edelmetalle als bewährte Alternative
Während digitale Vermögenswerte ihre Anfälligkeit für Marktturbulenzen eindrucksvoll unter Beweis stellen, erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als das, was sie seit Jahrtausenden sind: verlässliche Wertspeicher in unsicheren Zeiten. Anders als Bitcoin, dessen Wert letztlich nur auf dem Vertrauen der Marktteilnehmer basiert, verfügen Edelmetalle über einen intrinsischen Wert und eine bewährte Funktion als Krisenwährung. Für ein ausgewogenes Anlageportfolio zur Vermögenssicherung bleiben sie unverzichtbar.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor jeder Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

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