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Blackout an der Westküste: 16 Millionen Euro Schaden nach Überspannung!

Blackout an der Westküste: 16 Millionen Euro Schaden nach Überspannung!
Symbolbild: KI-generiert

Erst ging an der Westküste Schleswig-Holsteins das Licht aus, dann gingen die Geräte kaputt. Nach dem großflächigen Stromausfall vom 18. Oktober haben Kunden beim Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) nach dessen Angaben bis zum 4. November rund 5.000 Schäden gemeldet, zusammen rund 16 Millionen Euro. Verursacht hat sie eine heftige Überspannung, die unmittelbar auf den Ausfall folgte.

Zwei Stunden Dunkelheit, wochenlanger Ärger

Am Vormittag des 18. Oktober, einem Sonntag, waren rund 40.000 Haushalte ohne Strom. Die meisten hatten nach etwa zwei Stunden wieder Saft, gegen 17 Uhr war die Versorgung überall zurück. Bis dahin sah es nach einer gewöhnlichen Störung aus.

Danach meldeten sich die Kunden in großer Zahl. Als der Strom wiederkam, brachte er offenbar viel zu hohe Spannung mit. Kühlschränke, Waschmaschinen, technische Anlagen und auch Wärmepumpen wurden beschädigt oder ganz zerstört, also genau die Heizungen, die die Politik den Bürgern seit Jahren empfiehlt.

Wer zahlt, und wie lange dauert es?

Die 16 Millionen Euro sind nach Angaben von SH Netz nur die Summe aller Forderungen. Wie viel tatsächlich festgestellt und erstattet wird, soll erst die Prüfung jeder einzelnen Meldung zeigen. Wie lange das dauert, könne das Unternehmen wegen der vielen Fälle noch nicht sagen. Fälle mit besonderen persönlichen Härten sollen zuerst bearbeitet werden.

Die Versicherer haben inzwischen die ersten rund 300 Betroffenen kontaktiert, die jeweils mehr als 10.000 Euro Schaden gemeldet haben. Bei Gewerbekunden könne die Prüfung länger dauern, weil die Schäden und die rechtlichen Voraussetzungen dort unterschiedlicher seien.

Außerdem arbeitet SH Netz an einer Härtefallregelung. Das Geld soll freiwillig, aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht fließen. Nach Angaben des Unternehmens dürfte es um einen einstelligen Millionenbetrag gehen. Die Formulierung ist mit Bedacht gewählt: Nach Darstellung von Branchenkennern haften Netzbetreiber nach der Niederspannungsanschlussverordnung nur eingeschränkt. Viele Geschädigte wissen deshalb noch nicht, ob und wie viel sie ersetzt bekommen.

Eine falsche Klemme legt eine Region lahm

Ausgelöst wurde der Ausfall laut SH Netz durch eine versagende Leiterverbindung im 110-Kilovolt-Netz bei Itzehoe. Dort sei eine Verbindungsklemme verbaut gewesen, die nicht zur Leitung gepasst habe. Die Leitung sei an dieser Stelle gerissen, auf einen Mast gestürzt und habe einen Kurzschluss verursacht. Unternehmenssprecher Ove Struck erklärte, normalerweise würden Sicherungssysteme einen so großen Ausfall verhindern. Warum sie diesmal versagten, bleibt die eigentliche Frage.

Netze am Anschlag?

Der Energieexperte Stefan Spiegelsperger sieht auf seinem YouTube-Kanal „Outdoor Chiemgau“ noch eine weitere Ursache. Die Leitungen in der Region seien seiner Einschätzung nach wegen „viel zu viel Windstrom im Netz“ ohnehin stark ausgelastet gewesen. Als die eine Leitung ausfiel, hätten die anderen ihren Strom zusätzlich tragen müssen. Bei den Verbrauchern seien dadurch nach seiner Vermutung Überspannungen von möglicherweise bis zu 6.000 Volt angekommen. Normal sind im Hausnetz 230 bis 240 Volt.

Kusel lässt grüßen

Spiegelsperger verweist auf den 3. Oktober 2023 im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz. Auch dort habe ein Stromausfall Spannungsspitzen von bis zu 6.000 Volt verursacht. Durchlauferhitzer in Wohnungen und teure Maschinen in Betrieben gingen kaputt. Laut Medienberichten vom September 2026 warten die Betroffenen fast drei Jahre später noch immer auf eine Entschädigung.

„Es kann jederzeit passieren.“

Das gelte bundesweit, warnt der Experte: Nach seiner Einschätzung könne so eine Leitung überall abreißen, vor allem weil die Netze heute viel mehr belastet seien als früher. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall ein altes Versäumnis der Energiewende. Berlin hat Wind- und Solaranlagen über Jahre im Eiltempo ausgebaut, der Netzausbau kam nicht hinterher. Den Schaden haben jetzt Familien an der Nordseeküste, deren Heizung im beginnenden Winter nicht mehr läuft. Ob und wann sie ihr Geld bekommen, ist offen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Betroffene sollten sich bei Fragen zu Entschädigungsansprüchen und Haftungsfragen individuell rechtlich beraten lassen.

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