
Blockade-Aufruf gegen Lebensschützer: Berlin vor heißem Demo-Samstag

Am Samstag ziehen Lebensschützer wieder durch Berlin – doch diesmal formiert sich der Gegenprotest früher als je zuvor. Die Berliner Ortsgruppe des Aktionsbündnisses „Widersetzen“ hat sich einer Kampagne angeschlossen, die den „Marsch für das Leben“ nach eigenen Worten „sabotieren“ will. Start der Kundgebung: 13 Uhr, Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof.
Zwei Stunden früher auf dem Platz
Dem Bericht zufolge ist „Widersetzen Berlin“ Teil des queer-feministischen Bündnisses „What the Fuck“, das seine Anhänger bereits zwei Stunden vor Beginn der Lebensschutzkundgebung auf den Washingtonplatz beordert. In einem Aufruf hieß es sinngemäß, am 19. September marschierten „Fundis“ durch Berlin – und man werde sabotieren.
Die Vorwürfe an die Demonstranten: „Queerfeindlichkeit“, die Einschränkung freier Entscheidungen über Schwangerschaftsabbrüche – und die Verteidigung des Familienbildes aus Vater, Mutter und Kind. Wer für die klassische Familie eintritt, gilt in diesem Weltbild offenbar schon als Gegner.
Aktionskarte, Ermittlungsausschuss, kurzfristige Routenwechsel
Das Gegenbündnis hat laut dem Bericht eine Aktionskarte veröffentlicht: mit der angemeldeten Route, dem Ort der Gegenkundgebung und der Telefonnummer eines sogenannten Ermittlungsausschusses, der Aktivisten bei Festnahmen und Polizeimaßnahmen unterstützen soll. Teilnehmer würden zudem darauf hingewiesen, dass sich die Laufrichtung kurzfristig ändern könne.
Konkrete Störaktionen benennt der Aufruf nicht. „Widersetzen“ setzt nach eigener Darstellung auf „massenhaften zivilen Ungehorsam“ und organisiert regelmäßig Blockaden gegen die AfD und andere politische Gegner. Das Bündnis selbst versteht sich als bundesweites antifaschistisches Aktionsbündnis; entstanden ist es Medienberichten zufolge im Umfeld der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Essen 2024.
Kein neues Muster
Schon im vergangenen Jahr versuchten Gegendemonstranten mehrfach, den Berliner Marsch zu stoppen – die Polizei räumte die Blockaden. Auch in Köln mussten Einsatzkräfte Störer von den Teilnehmern fernhalten. Wer ein Demonstrationsrecht nur für die eigene Seite reklamiert, stellt eine Grundregel der Demokratie infrage – so sieht es unsere Redaktion.
Bischöfe stellen sich demonstrativ dazu
Der Bundesverband Lebensrecht, Veranstalter der Märsche in Berlin und Köln (Neumarkt, ebenfalls 13 Uhr, Ende gegen 16.30 Uhr), nennt seine Veranstaltung die größte deutsche Lebensschutzkundgebung. Im Mittelpunkt stünden Menschen, die ihre Rechte nicht selbst verteidigen können: ungeborene Kinder, Kranke, Behinderte, Sterbende. Zugleich wirbt der Verband für konkrete Hilfen in Schwangerschaftskonflikten.
Rückendeckung kommt aus der katholischen Kirche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, erklärte vorab in einem Grußwort, die Veranstaltung erinnere daran, menschliches Leben
„in allen seinen Phasen zu achten, zu schützen und zu fördern“.
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, Weihbischof Josef Graf und der emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke wollen in Berlin persönlich mitlaufen. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki würdigte den Verband als Vertreter einer „Kultur des Lebens, des Hinsehens und der konkreten Hilfe“.
Wie groß wird es diesmal?
Zur Einordnung: Im September 2025 zählte die Polizei in Berlin nach Medienberichten rund 2.200 Teilnehmer, in Köln waren es etwa 1.200. Eine Massenbewegung ist das nicht – umso bemerkenswerter ist die Energie, die in den Gegenprotest fließt.
Entscheidend wird am Samstag die Polizei sein. Ihre Aufgabe ist simpel und doch heikel: Sie muss eine angemeldete Versammlung schützen – gegen alle, die sie verhindern wollen.
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