
Britische Rechte formiert sich neu: „Restore Britain" erschüttert das politische Establishment

Was sich derzeit auf der britischen Insel abspielt, dürfte so manchem Berufspolitiker in Westminster schlaflose Nächte bereiten. Innerhalb weniger Tage hat die neu gegründete Partei „Restore Britain" des Unterhausabgeordneten Rupert Lowe nach eigenen Angaben bereits 50.000 Mitglieder gewonnen – eine Zahl, von der etablierte Parteien auf dem Kontinent nur träumen können. Zehn Prozent der wahlberechtigten Briten würden die Partei laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Find Out Now bereits wählen. Ein politisches Erdbeben, das gerade erst begonnen hat.
Vom Rebellen zum Parteigründer
Die Geschichte von Restore Britain ist zugleich die Geschichte eines Bruchs. Rupert Lowe, einst Abgeordneter für Nigel Farages Reform UK, hatte sich im Frühjahr 2025 mit seinem Parteichef überworfen. Der Anlass? Lowe hatte es gewagt, Farages Eignung als möglicher Premierminister öffentlich in Frage zu stellen. „Wir müssen weg von einer Protestpartei, die von einem Messias geführt wird", soll er dem Boulevardblatt Daily Mail gesagt haben. Ein Satz, der wie eine Handgranate in die ohnehin fragile Einheit der britischen Rechten einschlug.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Reform UK suspendierte Lowe und warf ihm vor, dem damaligen Generalsekretär Zia Yusuf mehrfach mit Gewalt gedroht zu haben. Eine Anzeige, die allerdings von der Staatsanwaltschaft im Mai 2025 zurückgewiesen wurde – ein Detail, das in der aufgeheizten Debatte gerne unter den Tisch fällt. Farage selbst setzte noch einen drauf und beschrieb Lowe in einem Interview mit dem Spectator als illoyal und teamunfähig. Gruppensitzungen seien nach drei Minuten beendet gewesen, weil Lowe alle angeschrien und sich als einzig fähiger Anführer der Partei inszeniert habe.
Ein Programm, das den Zeitgeist trifft
Doch was genau unterscheidet Restore Britain von Reform UK? Auf den ersten Blick teilen beide Parteien zentrale Positionen: die Abschaffung des bestehenden Asylsystems, die konsequente Rückführung illegaler Einwanderer und die Beschränkung des Zugangs zum britischen Sozialsystem auf Staatsbürger. Soweit, so bekannt.
Lowes Partei geht jedoch deutlich weiter. Sie fordert die Einführung einer „roten Liste" von Herkunftsländern – darunter Pakistan, Albanien und Syrien sowie Staaten, die die Rücknahme ihrer Staatsbürger verweigern. Diese Länder sollen mit Visaeinschränkungen und der Streichung von Auslandshilfe rechnen müssen. Darüber hinaus will Restore Britain die Zahl der legal eingewanderten Rückkehrer verdoppeln. Ein Programm, das in seiner Konsequenz selbst Farages Partei alt aussehen lässt.
Besonders bemerkenswert sind die kulturpolitischen Forderungen. Die Partei befürwortet die Wiedereinführung der Todesstrafe, will der als „realitätsfern" bezeichneten BBC die öffentliche Finanzierung entziehen und Universitätskurse schließen, die britische Studenten angeblich „zum Haß auf die eigene Kultur anstiften" würden. Man mag zu diesen Forderungen stehen, wie man will – sie treffen offensichtlich einen Nerv bei Millionen von Briten, die sich von der politischen Klasse im Stich gelassen fühlen.
Wirtschaftspolitik als Kampfansage
Auch wirtschaftspolitisch setzt Lowe klare Akzente. Die Abschaffung der Erbschaftsteuer und die Senkung der Körperschaftsteuer auf den niedrigsten Satz in Europa – das sind Forderungen, die das Herz eines jeden Unternehmers höherschlagen lassen dürften. In einer Zeit, in der Großbritannien unter der Labour-Regierung von Keir Starmer wirtschaftlich stagniert, könnte genau dieses Versprechen den entscheidenden Unterschied machen.
Labour am Abgrund – und die Rechte zersplittert?
Die Umfragewerte sprechen eine deutliche Sprache. Die regierende Labour-Partei liegt bei kläglichen 15 Prozent, die einst stolzen Tories kommen auf gerade einmal 13 Prozent. Reform UK führt mit 25 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 20 Prozent. Restore Britain steht bei zehn Prozent – gleichauf mit den Liberaldemokraten, der derzeit drittstärksten Kraft im Unterhaus.
Die große Frage lautet: Wird die Zersplitterung der rechten Kräfte am Ende Labour in die Hände spielen? Das britische Mehrheitswahlrecht ist gnadenlos gegenüber gespaltenen politischen Lagern. Genau deshalb erwägt die ebenfalls von Reform UK abgespaltene Partei Advance UK unter Ben Habib – die ihrerseits bereits 40.000 Mitglieder zählt – eine Fusion mit Restore Britain. „Entweder einigen wir uns, um die nächste Regierung zu stellen, oder wir spalten uns untereinander und verschenken den Sieg an die gleiche Politikklasse, die versagt hat", warnte Habib.
Ein Lehrstück – auch für Deutschland
Was in Großbritannien geschieht, sollte auch hierzulande aufmerksam beobachtet werden. Die Unzufriedenheit der Bürger mit einer politischen Klasse, die sich mehr um ideologische Projekte als um die realen Probleme der Menschen kümmert, ist kein rein britisches Phänomen. Unkontrollierte Migration, kulturelle Selbstverleugnung, wirtschaftlicher Niedergang – die Parallelen zu Deutschland sind frappierend.
Während in London neue politische Kräfte entstehen, die offen aussprechen, was Millionen denken, herrscht in Berlin weiterhin die große Koalition des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die Briten zeigen, dass es möglich ist, den politischen Diskurs zu verschieben – auch wenn der Weg dorthin steinig und von internen Machtkämpfen geprägt ist. Ob Rupert Lowe tatsächlich eine „verdammt gute Chance" hat, die nächste Unterhauswahl zu gewinnen, wie er selbst behauptet, bleibt abzuwarten. Eines steht jedoch fest: Die politische Landschaft Großbritanniens wird nie wieder so sein wie zuvor. Und das ist vielleicht das Beste, was dem Land passieren konnte.
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