
Brüssel kippt eigene Regel: EU-Milliarden fließen jetzt in US-Raketen

Die EU-Staaten haben der Ukraine erlaubt, Geld aus dem 90 Milliarden Euro schweren EU-Darlehen für den Kauf amerikanischer Patriot-Abfangraketen einzusetzen. Das teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag mit. Die nächste Tranche über 3,2 Milliarden Euro soll Kiew helfen, seinen Luftraum besser gegen russische Angriffe abzuschirmen.
Nach Angaben der Kommissionspräsidentin sind aus dem Kredit bereits 8,4 Milliarden Euro ausgezahlt worden – ein Teil davon ebenfalls für die Luftverteidigung. Doch der eigentliche Sprengstoff der Entscheidung liegt im Kleingedruckten.
Die "Buy European"-Regel gilt jetzt eben nicht mehr
Eigentlich schreibt das Darlehen vor, dass mindestens 65 Prozent der Bestandteile beschaffter Rüstungsgüter aus der EU, der Ukraine oder Norwegen stammen müssen. Wer davon abweichen will, braucht eine Ausnahme. Genau diese Ausnahme wurde nun laut dem Bericht des Kyiv Independent für US-Patriots geschaffen.
Konkret soll es sich um PAC-3-Abfangraketen handeln. Formal ist die Sache allerdings noch nicht abgeschlossen: Die Kommission müsse die Einigung der Mitgliedstaaten erst schriftlich fixieren und eine Mitteilung veröffentlichen – voraussichtlich am 11. September.
Bemerkenswert ist der Kontext. Erst vor wenigen Wochen wurde berichtet, Frankreich wolle solche Ausnahmen begrenzen, um Rüstungskäufe außerhalb Europas zu bremsen. Jahrelang predigte Brüssel "strategische Autonomie" – und jetzt fließen europäische Kreditmilliarden in die Kassen amerikanischer Rüstungskonzerne. Für viele Beobachter ist das ein Lehrstück darüber, wie weit die europäische Industriepolitik von der militärischen Realität entfernt ist.
Bestellt ist nicht geliefert
Auch die Erwartungen sollte man dämpfen: Die Genehmigung bedeutet nicht, dass Kiew die Raketen schon hat. Weltweit herrscht dem Bericht zufolge ein Mangel an Patriot-Abfangraketen – die Produktionslinien sind ausgereizt, die Warteschlangen lang.
Parallel arbeiten europäische Staaten laut Bloomberg an weiteren Lieferungen über das Nato-Programm PURL, über das Verbündete US-Waffen für die Ukraine bezahlen. Die Stückzahl wurde aus Sicherheitsgründen nicht genannt, die Raketen sollen aber noch vor dem Winter ankommen.
- Beteiligen könnten sich dem Bericht zufolge unter anderem Deutschland, Griechenland und Tschechien
- Großbritannien kündigte 100 Millionen Pfund (rund 116 Millionen Euro) für PURL an
- Ein Teil dieser Summe soll in Patriot-Raketen fließen
Wer haftet am Ende für die 90 Milliarden?
Der "Ukraine Support Loan" für 2026 und 2027 wurde Medienberichten zufolge im Februar 2026 vom EU-Parlament gebilligt: rund 60 Milliarden Euro für Verteidigung und Beschaffung, etwa 30 Milliarden für den Staatshaushalt. Finanziert wird er über Kredite, die die EU am Kapitalmarkt aufnimmt – abgesichert durch den EU-Haushalt.
Und dieser Haushalt wird zum größten Teil von den Nettozahlern getragen, allen voran von Deutschland. Kritiker der Brüsseler Schuldenpolitik verweisen darauf, dass hier erneut Risiken vergemeinschaftet werden, während die parlamentarische Kontrolle in nationalen Hauptstädten ausgedünnt wird. Zugleich plant die Bundesregierung ihre eigene Militärhilfe für 2026 Berichten zufolge auf rund 11,55 Milliarden Euro auszuweiten.
Rüstungsboom, Rekordschulden, geopolitische Dauerkrise: Anleger, die dieses Umfeld nüchtern betrachten, fragen sich, was von der Kaufkraft ihres Vermögens bleibt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in solchen Phasen historisch als krisenfester Anker gedient – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser muss seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und auf Basis eigener Recherche treffen.
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