
Bündnisse à la carte: Kanadas Carney rüttelt an der Weltordnung!

Kanadas Premierminister Mark Carney will die Welt neu sortieren. Am Rande der UN-Generalversammlung in New York warb er am Dienstag für flexible Staatenbündnisse, die sich je nach Problem neu zusammensetzen. Mit dabei ist die EU. Wie viel Substanz in dem Projekt steckt, ist bislang allerdings offen.
"Wertebasierter Realismus" statt starrer Blöcke
Laut einem Bericht der New York Times sieht Carney die Welt an einem Wendepunkt, wie es ihn nur ein- oder zweimal in einem Jahrhundert gebe. Verantwortlich für den Bruch in der bisherigen Ordnung seien die USA und China. Seine Antwort nennt er "wertebasierten Realismus". Gemeint ist: Staaten sollen bei einzelnen Fragen zusammenarbeiten, auch wenn sie sich sonst nicht einig sind.
Das klingt pragmatisch. Böse Zungen würden sagen, es klingt auch ein wenig nach einem Buffet der Diplomatie: Jeder nimmt sich, was ihm schmeckt.
Die neue Initiative: groß angekündigt, noch ohne Inhalt
Als Musterbeispiel nannte Carney die Initiative "Partners for Multilateralism". Sie wurde am 21. September in New York ins Leben gerufen. Pikant: Carney selbst verpasste den Auftakt, weil der Flugverkehr gestört war.
Die Gründungserklärung unterzeichneten diese Partner:
- Australien, Barbados, Brasilien und Kanada
- die Europäische Union
- Indien und Kenia
Weitere Staaten haben sich angeschlossen. Die Beteiligten bekennen sich zum Völkerrecht und zur UN-Charta. Sie wollen internationale Institutionen reformieren und bei Handel, Lieferketten, künstlicher Intelligenz, Klima und Gesundheit enger zusammenarbeiten. Konkrete Projekte oder verbindliche Zusagen enthält das Papier bislang aber nicht.
Der Zusammenschluss solle weder ein Block noch eine neue Bürokratie werden, betonte Carney laut dem Bericht. Die Ergebnisse sollten in bestehende Organisationen wie die Vereinten Nationen einfließen. Ob das die ohnehin schwerfällige UN-Maschinerie schneller macht? Zweifel sind angebracht.
Die Zahlen hinter der Unruhe
Den Hintergrund liefern Zahlen, die die Gründer in einem gemeinsamen Gastbeitrag nennen. Demnach gab es 2025 weltweit 65 bewaffnete Konflikte zwischen Staaten, so viele wie seit 1946 nicht mehr. Die weltweiten Militärausgaben stiegen auf den Rekordwert von 2,9 Billionen Dollar. Gleichzeitig erreichte der Welthandel mit 35 Billionen Dollar ebenfalls einen Höchststand. Die Welt ist also enger verflochten als je zuvor und trotzdem so zerstritten wie lange nicht.
Carney, früher Chef der Bank of Canada und später der Bank of England, verfolgt diese Linie nicht erst seit gestern. Schon im Januar hatte er beim Weltwirtschaftsforum in Davos von einem "Bruch der Weltordnung" gesprochen und sogenannte Mittelmächte aufgefordert, ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. Einige Beobachter in den USA halten solche Mittelmacht-Bündnisse allerdings eher für ein Wunschbild als für eine realistische Option.
Weg von Washington, hin zu Brüssel
Klar ist, was Carney antreibt: Kanada will weniger von den USA abhängig sein. Nachdem die Verhandlungen über neue US-Zölle im August gescheitert waren, belegte Ottawa Anfang September amerikanische Waren mit Gegenzöllen. Vor dem Europaparlament warb Carney in der Vorwoche für eine engere Partnerschaft bei Sicherheit, Energie, kritischen Rohstoffen und Technologie. Im Gespräch war sogar eine Art Sondermitgliedschaft Kanadas in der EU.
Auf die Frage nach einem Treffen mit Donald Trump wich Carney laut New York Times aus. Zu Trumps Drohungen gegen den Iran sagte er, es herrsche Krieg und der Präsident spreche "die Sprache des Krieges". Eine eigene Rede vor der Generalversammlung hält er wegen eines Terminkonflikts nicht.
Was das für Deutschland bedeutet
Deutschland sitzt nur indirekt über die EU mit am Tisch. Berlin wirkt damit einmal mehr wie ein Zuschauer, während Brüssel verhandelt. Für Bürger und Sparer ist die Lehre trotzdem eindeutig: Wenn sich die Bündnisse der Welt nach Tageslage neu bilden, wird Verlässlichkeit zur Mangelware. Viele setzen deshalb auf physische Edelmetalle wie Gold und Silber, als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen. Deren Wert hängt von keinem Gipfel und keiner Regierung ab.
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