
Burnout-Alarm: Die Angst um Job und Geld macht Deutschland krank!

Die Dauerkrise drĂŒckt immer mehr BeschĂ€ftigten in Deutschland auf die Seele. Laut dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der am 8. Oktober in Berlin vorgestellt wurde, fehlen AOK-versicherte Arbeitnehmer heute fast 42 Prozent hĂ€ufiger wegen psychischer Erkrankungen als vor zehn Jahren. Bei Burnout liegt das Plus sogar bei 77 Prozent.
Die nackten Zahlen: Ein Land am Limit
2016 erfassten die Statistiker noch 284 Fehltage wegen psychischer Leiden je 100 AOK-Mitglieder. 2025 waren es 403. Die Burnout-Diagnose kletterte im selben Zeitraum von 11,0 auf 19,5 Ausfalltage je 100 Mitglieder.
Besonders schwer wiegt die Dauer der AusfĂ€lle. Eine ErkĂ€ltung hĂ€lt BeschĂ€ftigte im Schnitt 5,7 Tage vom Arbeitsplatz fern. Ein psychisch bedingter Ausfall dauert dagegen durchschnittlich 28,5 Tage, also rund einen ganzen Monat. Atemwegserkrankungen liegen bei der Zahl der FĂ€lle zwar klar vorn (80,3 gegenĂŒber 14,1 je 100 Mitglieder). Die langen AusfĂ€lle wegen seelischer Leiden gelten laut Report aber als einer der wichtigsten Treiber der Fehlzeiten.
Sorgen um Job und Geld als Krankmacher
Was macht die Menschen krank? Eine Befragung fĂŒr den Report gibt einen deutlichen Hinweis. Wer sich um seine wirtschaftliche Lage sorgt oder Angst vor Arbeitslosigkeit hat, leidet demnach hĂ€ufiger unter Niedergeschlagenheit, Wut und Erschöpfung. WIdO-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Helmut Schröder rechnet mit einer weiteren VerschĂ€rfung:
âAngesichts einer zunehmend angespannten wirtschaftlichen Situation in Deutschland ist davon auszugehen, dass sich sowohl die Sorgen wie auch die psychischen Belastungen und kognitiven Irritationen verstĂ€rken werden."
FĂŒr viele BĂŒrger ist das keine Ăberraschung. Schwache Konjunktur, Stellenabbau in der Industrie, hohe Energiepreise und ein Staat, der neue Schuldenberge auftĂŒrmt: Die Unsicherheit ist im Alltag angekommen. Wer nachts wach liegt und an die nĂ€chste KĂŒndigungswelle denkt, schlĂ€ft eben schlecht.
Pflege, Callcenter und Kitas trifft es am hÀrtesten
Am stĂ€rksten betroffen sind 2025 BeschĂ€ftigte im Dialogmarketing mit 39,0 FĂ€llen je 100 Mitglieder. Danach folgen die Haus- und Familienpflege (25,6), die Altenpflege (24,9), die Heilerziehungspflege (24,6) und die Kinderbetreuung (23,0). Die Leipziger Arbeitsmedizinerin Steffi Riedel-Heller nennt als GrĂŒnde hohe emotionale Anforderungen, viel Verantwortung und wenig Kontrolle ĂŒber die eigenen AblĂ€ufe.
Wer zahlt die Zeche?
Die Rechnung landet bei den Beitragszahlern. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlten 2025 nach vorlĂ€ufigen Daten 21,6 Milliarden Euro Krankengeld. Vor zehn Jahren waren es 11,2 Milliarden. AOK-Chefin Carola Reimann zufolge ist die Zahl der KrankengeldfĂ€lle wegen psychischer Erkrankungen zwischen 2021 und 2025 um knapp 25 Prozent gestiegen. Die Ausgaben dafĂŒr wuchsen um 54 Prozent. Reimann sieht âganz offensichtlich Handlungsbedarf".
Ab Januar 2027 soll es Erleichterungen beim Krankengeld-Management der Kassen geben. Ob das die Kostenspirale bremst, bleibt offen. FĂŒr Unternehmen, die ohnehin unter FachkrĂ€ftemangel und BĂŒrokratie leiden, ist jeder monatelange Ausfall ein harter Schlag.
Ein Lichtblick und eine Warnung
Insgesamt ging der Krankenstand zuletzt leicht zurĂŒck. 2025 kamen auf jedes AOK-Mitglied 23,3 Fehltage, nach dem Höchststand von 24,5 Tagen im Jahr 2022. Ein Teil des frĂŒheren Anstiegs gehe laut WIdO auch auf die elektronische Krankschreibung zurĂŒck, die Krankmeldungen seit 2022 vollstĂ€ndiger erfasst. Riedel-Heller betont zudem, dass mehr Fehltage nicht automatisch mehr Kranke bedeuten. Psychische Leiden wĂŒrden heute besser erkannt und offener angesprochen.
Sie sieht in der Arbeit aber auch eine Kraftquelle: âGute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit." Wer der Belastung wirklich etwas entgegensetzen will, muss deshalb dort ansetzen, wo die Angst entsteht. Das heiĂt aus unserer Sicht: Die Politik muss wieder fĂŒr wirtschaftliche StabilitĂ€t sorgen, damit sich Leistung lohnt und ArbeitsplĂ€tze sicher sind. Die BĂŒrger brauchen echte Perspektiven und keine Krisenverwaltung.
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