
Campinos Merkel-Verehrung: Wenn der Punk zum Hofsänger der Altkanzlerin wird

Es gibt Momente, da fragt man sich ernsthaft, ob die Zeit rückwärts läuft oder ob bestimmte Zeitgenossen schlicht in einer parallelen Realität leben. Andreas Frege, besser bekannt als Campino, Frontmann der einst rebellischen Düsseldorfer Band „Die Toten Hosen", hat sich in einem Gespräch mit der „taz" zu einer regelrechten Liebeserklärung an Angela Merkel hinreißen lassen. Ihr berüchtigter Ausspruch „Wir schaffen das" sei, so der Sänger, nichts Geringeres als eine „Sternstunde der deutschen Politik" gewesen.
Der Punk, der keiner mehr ist
Wer noch glaubt, in Campino einen wilden Rebellen gegen das Establishment zu erkennen, der dürfte spätestens jetzt seine letzte Illusion verloren haben. Es sei „einfach genial" gewesen, so der Musiker, dass Merkel den Mut gehabt habe, „diesen humanistischen Gedanken so auszusprechen". Welche Konsequenzen dieser drei Wörter umfassende Satz für Deutschland hatte und bis heute hat – Parallelgesellschaften, eine ausufernde Sozialkostenexplosion, eine Kriminalitätsstatistik, die auf Rekordniveau verharrt – darüber verliert der Sänger kein Wort.
Stattdessen ergeht er sich in Anekdoten: Besonders nachhaltig habe ihn beeindruckt, dass Merkel sich bei ihm persönlich entschuldigt habe, weil auf der CDU-Wahlparty 2013 ausgerechnet das Lied „An Tagen wie diesen" gespielt worden sei. Die Tatsache, dass die Kanzlerin dieses Telefonat „nie öffentlich ausgeschlachtet" habe, sei eine „einwandfreie Aktion" gewesen. Man sieht förmlich, wie hier ein selbsternannter Außenseiter über jede noch so kleine Anerkennung aus den Korridoren der Macht in Verzückung gerät.
„Testosterongesteuerte Trottel" – die feinsinnige Diktion des Musikers
Zwar räumt Campino ein, dass Merkel „keine Visionärin" gewesen sei. Doch ihren Umgang mit den – Originalton – „testosterongesteuerten Trotteln" in der Politik wünsche er sich „herzlichst" zurück. Eine bemerkenswerte Wortwahl für jemanden, der sich gerne als moralische Instanz gebärdet. Dass es ausgerechnet die sechzehn Merkel-Jahre waren, in denen Deutschlands Wirtschaft sich schleichend deindustrialisierte, die Bundeswehr verfiel, die Energieversorgung an die Wand gefahren wurde und die Migrationskrise außer Kontrolle geriet – geschenkt. Für den Sänger zählt offenbar nur die nostalgische Erinnerung an eine Kanzlerin, die irgendwie nett und unaufgeregt wirkte.
Wahlkampfhilfe gegen die unliebsame Konkurrenz
Mit Blick auf bevorstehende Wahlen und den Erfolg der AfD kündigte Campino unmissverständlich an, sich auch künftig politisch zu Wort zu melden. Wenn es „richtig anfange zu scheppern im Land", werde die Band sich „nicht raushalten". Übersetzt heißt das wohl: Sobald der Wähler erneut die Frechheit besitzt, anders zu entscheiden, als es die kulturelle Elite für richtig hält, wird wieder mobilisiert, gewarnt und belehrt. Die Frage, ob ein Musiker, der sich selbst weiterhin als unabhängig inszeniert, im selben Atemzug die enge Verbindung zu CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst und dem Düsseldorfer Oberbürgermeister hervorhebt, glaubwürdig sein kann – sie stellt sich nicht erst seit heute.
Staatstragend? Aber nein, nur „verantwortungsvoll"
Auf die Frage, ob die Toten Hosen mittlerweile staatstragend geworden seien, antwortete Campino mit einer rhetorischen Volte: „Verantwortung ja, aber staatstragend?" Eine semantische Spitzfindigkeit, die kaum jemanden überzeugen dürfte. Wer „An Tagen wie diesen" als inoffizielle Hymne der politischen Mitte gespielt bekommt, wer bei Landesvätern auf offene Türen trifft, wer Altkanzlerinnen wie Heilige verehrt – der ist längst dort angekommen, wo der Punk traditionell als Erzfeind galt: im Vorzimmer der Macht.
Eine Zeitreise, die niemand braucht
Die Verklärung der Merkel-Jahre ist symptomatisch für eine Schicht, die mit den Folgen der damaligen Politik wenig bis nichts zu tun hat. Während in deutschen Innenstädten die Sicherheit erodiert, während Bürger unter explodierenden Energiepreisen ächzen und während die einst stolze deutsche Industrie ins Wanken gerät, wünscht sich ein gut situierter Düsseldorfer Musiker die Frau zurück, die diese Entwicklungen maßgeblich mit zu verantworten hat. Es ist diese realitätsferne Nostalgie einer abgehobenen Kulturbourgeoisie, die viele Bürger zu Recht erzürnt. Denn während die einen über „Sternstunden" schwadronieren, leben Millionen Deutsche mit den realen Konsequenzen einer Politik, deren Scherben noch immer zusammengekehrt werden müssen – wenn es überhaupt noch möglich ist.
Edelmetalle als Anker in unsicheren Zeiten
Wenn prominente Stimmen die politischen Verirrungen der Vergangenheit als „Sternstunden" verklären und gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Bürger immer schwieriger werden, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Vermögensvorsorge. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrtausende als verlässlicher Anker bewährt – unabhängig davon, welche politische Marotte gerade den Zeitgeist bestimmt. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio und helfen, Vermögen krisenfest aufzustellen.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











