
Chemie-Poker an der Ruhr: BASF legt für Evonik elf Milliarden hin!

Der Ludwigshafener Chemieriese BASF erhöht im Ringen um den Essener Rivalen Evonik deutlich den Einsatz. Medienberichten zufolge bietet der Dax-Konzern jetzt 24 Euro je Evonik-Aktie, komplett in bar und insgesamt rund 11,2 Milliarden Euro. Obendrauf sollen verbindliche Zusagen für Standorte und Arbeitsplätze kommen.
Ein Nachschlag, der sitzen soll
Der erste Anlauf ging schief. Die ursprüngliche Offerte von 22,15 Euro je Aktie entsprach einem Eigenkapitalwert von rund 10,3 Milliarden Euro. Insidern zufolge hatte Evonik das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen. Nun legt BASF also rund 900 Millionen Euro drauf.
Das neue Gebot soll etwa 39 Prozent über dem Kurs von Ende September liegen, bevor das Interesse aus Ludwigshafen öffentlich wurde. Die Börse reagierte prompt: Am Freitagnachmittag stieg die Evonik-Aktie um knapp vier Prozent auf gut 21,50 Euro. Damit kommt der Konzern auf einen Börsenwert von rund 9,9 Milliarden Euro.
Interessant ist die Lücke von rund 2,50 Euro zwischen Kurs und Gebot. Ganz traut der Markt dem Deal offenbar noch nicht. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Aufstockung berichtet.
Jobgarantie bis 2032: Die Charmeoffensive aus Ludwigshafen
Schon am Donnerstag hatte BASF-Chef Markus Kamieth in einer Videobotschaft kräftig um Zustimmung geworben. Laut Medienberichten versprach er, betriebsbedingte Kündigungen blieben bis 2032 ausgeschlossen. Tarifverträge und Sozialpartnerschaft würden nicht angetastet. Essen solle mit mindestens einem Vorstandsressort ein wichtiger Standort bleiben.
Sogar die Chemieparks in Marl und Wesseling mit rund 3500 Beschäftigten, die Evonik zum Verkauf gestellt hat, könnte BASF nach Kamieths Worten selbst weiterbetreiben. Seine Botschaft ist eindeutig:
„Eine starke Chemie in Deutschland ist die richtige Antwort auf den globalen Wettbewerb.“
Einen Freifahrtschein stellt er allerdings nicht aus. Einen Zusammenschluss werde es „nicht um jeden Preis geben“, stellte der Manager klar.
Am Ende entscheidet eine Stiftung
Den Schlüssel zum Deal hält die RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent an Evonik besitzt. Sie finanziert die sogenannten Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus, also etwa das dauerhafte Abpumpen von Grubenwasser im Ruhrgebiet. Evonik selbst entstand 2007 aus den Teilen der früheren Ruhrkohle AG, die nichts mit Kohle zu tun hatten. Berichten zufolge will die Stiftung ihren Anteil ohnehin auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent senken.
Pikant: Evonik prüfe nach Medienberichten seinerseits die Übernahme des US-Konkurrenten Ashland. Das wirkt wie ein strategischer Gegenzug, auch wenn es aus Konzernkreisen heißt, die Prüfung habe lange vor dem BASF-Vorstoß begonnen.
SPD liebäugelt mit dem Staat als Eigentümer
In Düsseldorf schlagen die Wellen hoch. Die SPD-Landtagsfraktion warnt vor einem „Ausverkauf des Ruhrgebiets“ und will, dass das Land gemeinsam mit der RAG-Stiftung die Mehrheit übernimmt. Im Raum steht die Sorge um bis zu 4000 Stellen in der Region. Die FDP hält dagegen: Der Steuerzahler dürfe nicht das unternehmerische Risiko tragen. Sie verweist auf „Jahre grüner Energiepolitik“, die der Branche das Leben schwer gemacht hätten.
Fusion aus Stärke – oder aus Not?
Genau hier liegt der wunde Punkt. Wenn sich zwei deutsche Chemie-Schwergewichte zusammentun müssen, um im Weltmarkt mithalten zu können, sagt das viel über den Standort Deutschland. Hohe Energiepreise, wuchernde Bürokratie und teure Klimavorgaben haben der Industrie über Jahre zugesetzt. Daran hat sich auch unter der neuen Bundesregierung bislang wenig Grundlegendes geändert.
Dass ausgerechnet die SPD jetzt den Staat als Unternehmer ins Gespräch bringt, dürfte viele Beobachter eher beunruhigen als beruhigen. Für Anleger zeigt der Fall vor allem eines: Selbst bei Dax-Konzernen hängen Kurse an Verhandlungen hinter verschlossenen Türen. Wer sein Vermögen gegen solche Unwägbarkeiten absichern will, setzt zusätzlich auf physisches Gold und Silber. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio sind Edelmetalle unabhängig von Vorstandsetagen und politischen Machtspielen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere redaktionelle Meinung und die uns vorliegenden Informationen wieder. Bitte recherchieren Sie selbst. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie allein verantwortlich.
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