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Kettner Edelmetalle
04.09.2026
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China baut, Deutschland schaltet ab: Der Strom-Masterplan aus Peking

China baut, Deutschland schaltet ab: Der Strom-Masterplan aus Peking
Symbolbild: KI-generiert

Während in Deutschland über Netzentgelte und Blackout-Risiken gestritten wird, zimmert China an der größten Umbaumaßnahme, die ein Stromsystem je gesehen hat. Bis 2030 sollen laut dem aktuellen Fünfjahresplan 110 Gigawatt neue Kernkraftleistung entstehen. Allein bis Juni dieses Jahres gingen dort 3,6 GW neue Reaktorleistung ans Netz.

Zum Vergleich: Deutschland hat seine letzten drei Kernkraftwerke im April 2023 vom Netz genommen — mitten in einer Energiepreiskrise. Peking macht das Gegenteil. Und geht dabei erstaunlich nüchtern vor.

Die Zahl, die alle Atom-Euphorie dämpft

Denn trotz des Bau-Booms bleibt Kernkraft in China ein Nischenprodukt. Heute liegt ihr Anteil an der Stromerzeugung bei rund vier bis fünf Prozent, bis 2030 soll er auf etwa sieben Prozent steigen. Die Zehn-Prozent-Marke dürfte nach Branchenprognosen erst um 2040 fallen.

Gleichzeitig legte das Land seit 2011 rund 185 geplante Projekte mit etwa 200 GW Kapazität auf Eis — darunter Standorte, in die bereits erhebliche Summen geflossen waren. Ein Bekenntnis zur Atomkraft, ja. Aber kein blinder Glaube.

Fukushima wirkt bis heute nach — auf chinesische Art

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 stoppte der Staatsrat sämtliche Genehmigungsverfahren. Das Moratorium für Reaktoren im Binnenland wurde im Oktober 2012 verlängert und nie aufgehoben. Bestehende Inlandsprojekte wurden zurückgebaut oder umgewidmet.

Der Grund ist Geografie: Chinas Kanalsystem verbindet den wasserreichen Süden mit dem trockenen Norden und erschließt rund 80 Prozent der Landesfläche. Ein schwerer Unfall im Binnenland würde nicht nur eine Region treffen, sondern das Trinkwasser hunderter Millionen Menschen gefährden. Küstenreaktoren kühlen dagegen mit Meerwasser — mit dem Nachteil höherer Korrosion.

Kritische Stimmen bleiben. Der Physiker He Zuoxiu vom Nautilus Institute argumentiert, das Risiko sei in China erhöht, weil die Vielzahl unterschiedlicher Reaktortypen die Kapazitäten für Schulung und Aufsicht überfordere. Zwei Auswege werden erprobt: ein Thorium-Flüssigsalzreaktor in der Provinz Gansu, der ohne Wasserkühlung auskommt, sowie Mini-Reaktoren vom Typ „Linglong One" — für Jilin und Heilongjiang gibt es Vereinbarungen, die finale Genehmigung steht aus.

Drei Schichten statt „Grundlast"

Das eigentlich Bemerkenswerte ist die Systemlogik. Peking denkt nicht in Grundlast plus Spitzenkraftwerk, sondern sortiert Erzeuger nach Verbrauchertypen:

  • Industriecluster mit gleichmäßigem Strom- und Wärmebedarf — Aufgabe der Kernkraft.
  • Metropolen mit Tag-Nacht-Rhythmus — Photovoltaik, Wind und Speicher. Das Ziel: 1.880 GW kumulierte Solarleistung bis 2030, bis Juni waren es dieses Jahr 72,1 GW Zubau.
  • Rechenzentren — sie werden dorthin verlagert, wo der Strom billig ist. Der Galaxy-Campus in der Inneren Mongolei kombiniert Windpark und einen 12,8-GWh-Speicher, gut für rund sechs windstille Stunden.

Auch Peking hat ein Leitungsproblem

Perfekt läuft das nicht. Im ersten Halbjahr wurden rund 360 TWh Grünstrom abgeregelt — 26 Prozent der gesamten Wind- und Solarproduktion. Es fehlen Leitungen. Vier Billionen Yuan, etwa 510 Milliarden Euro, sind deshalb für neue Hochspannungstrassen eingeplant. Kohle wird dabei nicht abgeschafft, sondern zur Reserve degradiert.

Für den Standort Deutschland ist das eine unbequeme Lektüre. Hier wurde eine funktionierende Technologie stillgelegt, dort wird sie zielgerichtet eingesetzt — als Baustein, nicht als Ideologie. Wer im globalen Wettbewerb bestehen will, braucht bezahlbare Energie. Alles andere ist Symbolpolitik auf Kosten der Industrie.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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