
Chinas Machtdemonstration in Singapur: USA zunehmend isoliert auf der Weltbühne
Während die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump ihre traditionellen Verbündeten mit Zöllen und scharfer Kritik verprellen, nutzt das Reich der Mitte die entstehende Lücke mit bemerkenswerter Geschicklichkeit. Die diesjährige Singapore Airshow wurde zum Schauplatz einer eindrucksvollen chinesischen Machtdemonstration, die westliche Beobachter aufhorchen lässt.
Peking zeigt seine militärischen Muskeln
Die Kunstflugstaffel der chinesischen Luftwaffe feierte ihr Debüt auf Asiens größter Luftfahrtmesse mit den Chengdu J-10C Kampfjets – jenen Maschinen, deren Exportvariante J-10CE im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgte, als Pakistan damit einen französischen Rafale-Jet der indischen Luftwaffe abschoss. Ein Erfolg, der in der Branche für erhebliches Aufsehen sorgte.
Besonders bemerkenswert: Die chinesischen Piloten flogen mit Luftbetankung direkt nach Singapur. Tim Robinson, Chefredakteur des Aerospace-Magazins der Royal Aeronautical Society, interpretiert dies als unmissverständliche Botschaft: "Das ist eine klare Ansage: Unsere Fähigkeit zur Machtprojektion wächst." Die Luftbetankung galt lange als eine der Schwächen der chinesischen Streitkräfte – diese Zeiten scheinen vorbei.
Stealth-Fighter als Alternative zum amerikanischen F-35
In den klimatisierten Ausstellungshallen präsentierten chinesische Staatsunternehmen ein maßstabsgetreues Modell des J-35A Stealth-Mehrzweckkampfjets im Verhältnis 1:2. Über diesen neuesten Zuwachs der chinesischen Luftmacht ist wenig bekannt – erstmals wurde er 2024 in China gesichtet. Technische Daten? Fehlanzeige. Die Botschaft an potenzielle Käufer in Asien war dennoch unmissverständlich.
"Das ist offensichtlich so positioniert, dass es sagt: Wenn ihr euch keinen F-35 leisten könnt oder vom Kauf ausgeschlossen seid, haben wir eine Alternative"
So bringt es Robinson auf den Punkt. Eine Aussage, die angesichts der restriktiven amerikanischen Exportpolitik bei Hochtechnologie-Waffen durchaus Gewicht hat.
Südostasien wendet sich von Washington ab
Die Stände chinesischer Militär- und Luftfahrtunternehmen wurden von südostasiatischen Verteidigungsbeamten regelrecht belagert. Ein hochrangiger Vertreter eines westlichen Rüstungsunternehmens beobachtete die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: "Wir sehen dieselben Delegationen wie zuvor, aber das Gespräch hat sich verändert."
Die Regierungen Südostasiens zeigen sich zunehmend beunruhigt über die amerikanischen Sicherheitszusagen unter einem isolationistischeren Washington. Trumps aggressive Zollpolitik – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf China, 25 Prozent auf Mexiko und Kanada – und seine offene Kritik an Verbündeten haben ein Vakuum geschaffen, das Peking nur zu gerne füllt.
Vorsichtiger Optimismus bei chinesischen Waffenherstellern
Der China-Verteidigungsexperte Bradley Perrett mahnt jedoch zur Vorsicht: "Die chinesischen Rüstungsunternehmen mögen denken, dass es eine Chance für China gibt, wenn andere Länder das Vertrauen in amerikanische Käufe verloren haben. Aber die meisten US-Kunden werden, wenn sie woanders hinschauen wollen, auf europäische, südkoreanische und japanische Ausrüstung schauen."
Auch in der zivilen Luftfahrt drängt China nach vorn
Der staatliche Flugzeugbauer COMAC präsentierte erneut das Schmalrumpfflugzeug C919 und warb mit einem Modell des künftigen Großraumflugzeugs C929. Letzteres wird nun als rein chinesisches Projekt vorangetrieben, nachdem eine ursprünglich geplante Gemeinschaftsentwicklung mit Russland aufgegeben wurde.
Chinesische Delegierte betonten, dass COMAC angesichts des Veranstaltungsortes potenzielle Kunden aus Südostasien priorisiere. Indonesische Teilnehmer gehörten zu jenen, die sich nach den Flugzeugen erkundigten. Die Bemühungen, Airbus und Boeing Marktanteile abzujagen, sind eine nationale Priorität – auch wenn westliche Analysten davon ausgehen, dass es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern wird, bis China die globale Präsenz und Marketingunterstützung aufgebaut hat, die den Branchenführern ihre eingefahrenen Positionen sichert.
Ein Weckruf für den Westen
Die Entwicklungen auf der Singapore Airshow sollten als deutliches Warnsignal verstanden werden. Während sich die USA unter Trump zunehmend von ihren traditionellen Partnern entfremden, nutzt China jede Gelegenheit, um in die entstehenden Lücken vorzustoßen. Die asiatischen Rüstungsausgaben steigen rasant, da die Länder auf den anhaltenden Aufbau eines zunehmend selbstbewussten Chinas reagieren.
Es ist eine bittere Ironie der Geschichte: Ausgerechnet jene Politik, die Amerika wieder "great" machen sollte, treibt potenzielle Verbündete in die Arme des strategischen Rivalen. Die Frage, die sich stellt, ist nicht mehr ob, sondern wie schnell sich die geopolitischen Gewichte in Asien verschieben werden.

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