
Chinas Solarriesen: Vom Preiskampf zum Kartellverdacht

Was für eine Ironie der Geschichte: Ausgerechnet jene chinesischen Solarunternehmen, die jahrelang mit aggressiven Dumpingpreisen die globale Konkurrenz in die Knie zwangen, stehen nun selbst unter dem Verdacht illegaler Preisabsprachen. Die staatliche Marktaufsichtsbehörde hat sechs führende Polysilizium-Hersteller sowie den Branchenverband CPIA nach Peking zitiert – ein bemerkenswerter Wendepunkt in der Geschichte einer Industrie, die wie kaum eine andere von staatlicher Förderung profitierte.
Der schmale Grat zwischen Selbstdisziplin und Kartellbildung
Die Entwicklung offenbart ein fundamentales Dilemma der chinesischen Wirtschaftspolitik. Einerseits kämpft Peking seit Jahren gegen die sogenannte "Involution" – jenen ruinösen Preiswettbewerb, der ganze Branchen in die Deflation treibt und Gewinnmargen pulverisiert. Andererseits dürfen die Maßnahmen zur Eindämmung dieses Wettbewerbs nicht in monopolistische Strukturen münden.
Die Solarbranche wurde besonders hart von diesem Phänomen getroffen. Unternehmen unterboten sich gegenseitig bis zur Selbstaufgabe, während die Überkapazitäten den gesamten Sektor lähmten. Als Reaktion darauf verpflichteten sich die großen Hersteller im Rahmen einer "Selbstdisziplin-Kampagne" zu Produktionsbeschränkungen und Mindestpreisen.
Beschwerden häufen sich seit Monaten
Doch genau diese vermeintlich vernünftigen Maßnahmen scheinen nun aus dem Ruder gelaufen zu sein. Seit Juli gingen bei der Behörde zahlreiche Beschwerden ein. Der Vorwurf wiegt schwer: Die Unternehmen hätten Branchenplattformen, die eigentlich Angebot und Nachfrage ausbalancieren sollten, missbraucht, um Produktionsmengen zu kontrollieren und Märkte nach Kapitalanteilen aufzuteilen.
"In der Praxis lief dies auf eine Kontrolle von Produktions- und Verkaufsmengen sowie eine Aufteilung der Marktanteile nach Kapitalbeteiligung hinaus, was die Margen nachgelagerter Unternehmen drückte."
Ein Lehrstück staatlicher Wirtschaftslenkung
Der Fall illustriert eindrücklich die Grenzen planwirtschaftlicher Eingriffe in Marktmechanismen. Was als Rettungsmaßnahme für eine krisengeschüttelte Branche begann, entwickelte sich offenbar zu einem Instrument der Marktmanipulation. Die Behörde stellte unmissverständlich klar, dass Absprachen über Kapazitäten, Auslastungsraten, Produktionsmengen, Verkaufsvolumen oder Preise künftig zu unterlassen seien.
Für europäische Beobachter hat diese Entwicklung durchaus pikante Züge. Jahrelang beklagten westliche Hersteller die unfairen Wettbewerbsbedingungen durch chinesische Staatssubventionen und Dumpingpreise. Nun zeigt sich, dass selbst Peking die Geister, die es rief, nicht mehr vollständig kontrollieren kann.
Auswirkungen auf den globalen Markt
Die Konsequenzen dieser Entwicklung könnten weitreichend sein. Sollte China tatsächlich gegen kartellartiges Verhalten in seiner Solarindustrie vorgehen, dürfte dies die Preisdynamik auf den Weltmärkten beeinflussen. Für Anleger, die in diesem volatilen Sektor engagiert sind, bedeutet dies zusätzliche Unsicherheit.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Investitionsentscheidungen sollten stets auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls unter Hinzuziehung professioneller Beratung getroffen werden. Jeder Anleger trägt die volle Verantwortung für seine Entscheidungen.
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