
Das Darknet wächst unaufhaltsam – und Ihre persönlichen Daten schwimmen mittendrin

Während Politiker in Berlin über Digitalisierung philosophieren und sich in Gender-Debatten verlieren, breitet sich im Schatten des Internets ein digitaler Schwarzmarkt aus, der längst industrielle Ausmaße angenommen hat. Das sogenannte Darknet – jener verborgene Teil des World Wide Web, der nur über spezielle Browser erreichbar ist – wächst rasant. Und mit ihm die Menge an gestohlenen persönlichen Daten, die dort wie auf einem orientalischen Basar feilgeboten werden. Ihre Daten sind mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits dort.
Europol und FBI schlagen zu – doch die Hydra wächst weiter
Im Juni 2025 gelang es europäischen Ermittlern, den Darknet-Marktplatz „Archetyp Market" zu schließen – eine Plattform für Drogenhandel mit über 600.000 Nutzern. Nur einen Monat später verkündete das FBI im Rahmen der „Operation Grayskull" die Verurteilung von 18 Tätern zu insgesamt 300 Jahren Haft wegen der Verbreitung von Material sexuellen Kindesmissbrauchs. Bereits im Mai 2025 führte die „Operation RapTor" zur Festnahme von 270 Personen weltweit, wobei hunderte Pfund Fentanyl beschlagnahmt wurden.
Beeindruckende Zahlen, gewiss. Doch wer glaubt, damit sei dem Problem beizukommen, der irrt gewaltig. Denn das Darknet funktioniert wie eine Hydra: Schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach.
Ihre Daten – ein Puzzle, das Kriminelle zusammensetzen
Bob Erdman, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung beim Cybersicherheitsunternehmen Fortra, beschreibt die Lage mit erschreckender Nüchternheit. Man würde staunen, wie viele persönliche Daten allein durch Datenlecks im Darknet umhertrieben, so Erdman. Jeden Monat erhalte man neue Benachrichtigungen über Sicherheitsverletzungen von irgendeinem Unternehmen oder einer Website, mit der man interagiert habe. All diese kleinen Puzzleteile würden zusammengesetzt, um ein umfassendes Profil zu erstellen – das dann weiterverkauft werde an jemanden, der entweder den Betroffenen selbst angreifen oder ihn als Werkzeug nutzen wolle, um andere anzugreifen.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Jedes Mal, wenn ein Unternehmen gehackt wird – sei es ein Online-Shop, eine Krankenkasse oder ein Streaming-Dienst –, landen Fragmente Ihrer digitalen Identität in diesem Schattenreich. Name, E-Mail-Adresse, Passwörter, Kreditkartendaten, Bitcoin-Adressen. Stück für Stück entsteht ein digitaler Zwilling, der in kriminellen Händen zur Waffe wird.
Eine Generationenfrage: Schock versus Resignation
Chris Nyhuis, Geschäftsführer des Cybersicherheitsunternehmens Vigilant und Ermittler im Bereich Menschenhandel, beobachtet einen bemerkenswerten Generationenunterschied im Umgang mit dieser Bedrohung. Ältere Amerikaner seien oft schockiert, wenn sie erführen, welche Arten von Daten im Darknet gehandelt würden. Die jüngeren, technisch versierteren Generationen hingegen empfänden eine Art Resignation. Sie seien mit Datenlecks aufgewachsen, sodass die Preisgabe persönlicher Daten für sie beinahe unvermeidlich erscheine.
Diese Resignation ist gefährlich. Denn sie führt zu einer fatalen Gleichgültigkeit gegenüber dem Schutz der eigenen Privatsphäre – einer Privatsphäre, die in Zeiten zunehmender staatlicher Überwachung und digitaler Kontrolle kostbarer ist denn je. Nyhuis betont zudem, dass die im Darknet veröffentlichten Daten kein Darknet-Problem seien – das Darknet mache lediglich die Verbreitung einfacher. Das eigentliche Problem liege darin, dass Unternehmen ihre Daten nach wie vor nicht ausreichend schützten.
Erschreckend einfacher Zugang
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, das Darknet sei schwer zu nutzen. Die Realität sieht anders aus. Brian Townsend, ein pensionierter Spezialagent der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA, der heute Kurse über das Darknet gibt, stellt klar: Die Lernkurve sei sehr niedrig, und es sei ziemlich einfach, ins Darknet zu gelangen. Mit relativer Leichtigkeit könnten Menschen dort Drogen kaufen und verkaufen, gestohlene Kreditkarten, gefälschte Identitäten, Kinderpornografie – oder so ziemlich alles andere, was man sich vorstellen könne.
Das Darknet funktioniert dabei wie ein Spiegelbild des normalen Internets, erklärt Nyhuis. Es verfüge sogar über eigene Suchmaschinen. Der Zugang erfolge über den Tor-Browser, der Anonymität gewährleiste, indem er Nachrichten durch ein Netzwerk verbundener Tor-Relais leite – speziell konfigurierte Computer. Man solle sich jeden Tor-Knoten wie ein Haus mit zahlreichen unsichtbaren Türen vorstellen: Betrete man das Haus durch eine Tür und verlasse es durch eine andere, könne niemand, der die erste Tür überwache, einen sehen.
Von Silk Road bis ChatGPT: Die Evolution des Bösen
Die Geschichte des Darknet als krimineller Marktplatz begann mit Silk Road, das zwischen Januar 2011 und Oktober 2013 operierte. Sein Gründer Ross Ulbricht, bekannt als „Dread Pirate Roberts", wurde 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt und zur Herausgabe von 183 Millionen Dollar verpflichtet. Ulbricht habe die Blaupause geschaffen, die solche Darknet-Marktplätze so erfolgreich gemacht habe, so Townsend.
Doch was damals noch Pionierarbeit war, ist heute Massenware. Nyhuis vertritt die Theorie, dass viele Menschen während der COVID-19-Pandemie – als sie plötzlich viel Zeit hatten – sich intensiv mit dem Darknet beschäftigt hätten. Heute würden überall neue Tor-Knoten eingerichtet, was eine deutlich anonymere Umgebung schaffe. Besonders alarmierend: Mittlerweile sei es möglich, mithilfe von ChatGPT einen Tor-Knoten einzurichten. Die künstliche Intelligenz führe einen Schritt für Schritt durch den Prozess und liefere sogar den nötigen Code zum Kopieren und Einfügen.
Man halte inne und bedenke, was das bedeutet: Die Werkzeuge der künstlichen Intelligenz, die uns als Segen der Moderne verkauft werden, dienen gleichzeitig als Türöffner für die dunkelsten Ecken des Internets.
Warum das Darknet nicht einfach abgeschaltet werden kann
Die naheliegende Frage lautet: Warum schaltet man das Darknet nicht einfach ab? Die Antwort ist ernüchternd. Selbst China, das mit seiner „Großen Firewall" einen der umfassendsten Zensurapperate der Welt betreibt, scheitert daran. Peking habe versucht, bekannte Tor-Knoten zu blockieren, um den Datenverkehr zu drosseln, erklärt Nyhuis. Doch es sei ein Katz-und-Maus-Spiel. Es gebe keinen zentralen Ausschalter.
Weltweit existieren schätzungsweise 1,3 Milliarden Websites. Nur 0,01 Prozent davon befänden sich im Darknet – doch der Tor-Verkehr sei 2025 auf drei Millionen Nutzer pro Tag angestiegen. Die Schließung eines einzelnen Kommunikationskanals löse das Problem selten, da Hacker schnell einen neuen online bringen könnten, sei es aus Backups oder durch den Wechsel auf eine andere Plattform. Das Darknet sei nur ein Werkzeug, und selbst wenn eine bestimmte Seite vom Netz genommen werde, könnten Kriminelle rasch eine neue aufsetzen.
Erdman bringt es auf den Punkt: Selbst wenn Tor morgen komplett zerstört würde, würde an seiner Stelle etwas Neues aufgebaut. Solange es einen Markt für Drogen, gestohlene Daten und Bilder sexuellen Kindesmissbrauchs gebe, werde das Darknet nicht verschwinden.
Strafverfolgung: Undercover im digitalen Untergrund
Immerhin – und das ist ein schwacher Trost – sind die Ermittlungsbehörden nicht untätig. Townsend versichert, dass Strafverfolgungsbehörden auf den Darknet-Marktplätzen aktiv seien. Man beobachte nicht nur von der Seitenlinie. Ermittler seien in diese Gemeinschaften eingebettet und operierten häufig verdeckt, um die Akteure hinter den Bildschirmen zu identifizieren. Die internationale Strafverfolgungsgemeinschaft arbeite zudem hervorragend zusammen und teile Geheimdienstinformationen über Grenzen hinweg, um diese globalen kriminellen Netzwerke zu bekämpfen. Denn das Darknet kenne keine nationalen Grenzen – und die Antwort darauf müsse ebenso grenzenlos sein.
Die zwei Gesichter der Anonymität
Fairerweise muss man anerkennen, dass das Darknet nicht ausschließlich ein Tummelplatz für Kriminelle ist. Nyhuis weist darauf hin, dass es Menschen gebe, die das Darknet aus guten Gründen nutzten – etwa für investigativen Journalismus oder die Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen in totalitären Staaten. Im Darknet gebe es Menschen, die sagten: „Ich versuche anonym zu sein, weil ich das Böse bekämpfe." Und dann gebe es die dunkle Seite, wo jemand sage: „Ich versuche anonym zu sein, weil ich Böses tun will." Das seien die zwei Wege.
Doch Nyhuis räumt ein, dass die Mehrheit der Nutzer böse Absichten verfolge. Die Waage neigt sich eindeutig zur dunklen Seite.
Was bedeutet das für den deutschen Bürger?
In einer Zeit, in der die Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg bringt und die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben will, stellt sich die drängende Frage: Wie sicher sind eigentlich die Daten der deutschen Bürger? Wenn selbst große internationale Konzerne ihre Systeme nicht ausreichend schützen können, wie steht es dann um die digitale Infrastruktur eines Landes, das bei der Digitalisierung seit Jahren hinterherhinkt?
Die Wahrheit ist unbequem: Jeder, der jemals online eingekauft, sich bei einem Dienst registriert oder eine App heruntergeladen hat, muss davon ausgehen, dass Teile seiner persönlichen Daten bereits im Darknet kursieren. In einer Welt, in der digitale Identitäten zur Handelsware verkommen, gewinnen physische, greifbare Werte eine ganz neue Bedeutung. Gold und Silber kennen keine Passwörter, die gestohlen werden können, keine Server, die gehackt werden, und keine digitalen Profile, die im Darknet gehandelt werden. In Zeiten wachsender Cyberkriminalität und digitaler Verwundbarkeit erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als zeitloser Anker der Vermögenssicherung – unabhängig von der digitalen Welt und ihren Schattenseiten.
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