
Das vernichtende Urteil eines Branchen-Insiders: „In Deutschland würde ich kein Werk mehr bauen“

Es sind Sätze, die sitzen. Wenn ein Mann, der ein halbes Jahrhundert im Maschinenraum der deutschen Autoindustrie zugebracht hat, seinen früheren Standort so kalt abkanzelt, dann ist das mehr als eine beiläufige Bemerkung. Es ist ein Weckruf. Richard Gaul, einst Kommunikationschef von BMW, bringt in einem Interview auf den Punkt, was viele in den Chefetagen längst denken, aber kaum jemand öffentlich auszusprechen wagt: Ein neues Autowerk würde er heute keinesfalls mehr in Deutschland errichten. Zu teuer. Zu erschöpft. Zu unattraktiv.
„Deutschland ist zu teuer“ – die schonungslose Diagnose
Gaul macht keinen Hehl aus den Gründen. Die Energiepreise seien schlicht zu hoch, das demografische Problem drückend. Zwar gebe es genügend Ingenieure, die Fahrzeuge entwickeln könnten – doch immer weniger Menschen, die diese Autos am Band tatsächlich fertigten. Ein Standort, der seine eigene industrielle Basis systematisch verteuert und ausdünnt, muss sich nicht wundern, wenn die Produktion abwandert.
Bemerkenswert ist die feine, aber entscheidende Unterscheidung, die Gaul trifft. Um die deutsche Automobilindustrie mache er sich keine Sorgen. Um die Automobilproduktion in Deutschland dagegen sehr. Ein Satz, der wie ein Skalpell die zentrale Wunde freilegt: Die Marken werden überleben – nur eben nicht unbedingt hierzulande. Das größte Einzelwerk von BMW stehe längst in den Vereinigten Staaten, Ungarn gewinne mit seinen deutlich niedrigeren Energie- und Personalkosten stetig an Bedeutung. Wer will es den Konzernen verdenken?
Die politische Wahrheit hinter dem Niedergang
Interessant wird es, wenn Gaul die Schuldfrage stellt. Sein Fingerzeig geht unmissverständlich in Richtung Politik. Die habe geglaubt, sie könne dem Kunden vorschreiben, was er zu kaufen habe. Genau dieser ideologische Größenwahn – der Glaube, man könne technologische Realitäten per Verordnung erzwingen – hat der Branche schwer geschadet.
Der Fehler der Politik bestand darin, zu glauben, man könne die Entscheidung des Kunden vorschreiben. Und der Fehler mancher Manager bestand darin, den politischen Vorgaben zu sehr zu vertrauen.
Man muss diesen Gedanken zu Ende denken: Jahrelang haben grüngefärbte Verbotsfantasien und ein regelrechter Kreuzzug gegen den Verbrennungsmotor eine der letzten industriellen Kronjuwelen dieses Landes gegen die Wand gefahren. Volkswagen habe ganze Werke auf Elektro umgebaut – heute herrsche dort teilweise Kurzarbeit, weil die politisch herbeigeträumte Nachfrage schlicht ausbleibe. Wer hätte das ahnen können? Nun ja, alle, die dem Markt statt der Ideologie vertraut hätten.
BMW als Musterschüler der Vernunft
Dass es auch anders geht, zeigt Gaul am Beispiel seines alten Arbeitgebers. BMW biete sämtliche Antriebsarten an – Elektro, Diesel, Benzin, Hybrid, teils sogar Wasserstoff – und fertige sie auf denselben Produktionslinien. Technologieoffenheit statt Dogma. Und siehe da: Gerade dieser nüchterne Pragmatismus mache das Unternehmen erfolgreich. Wer hätte gedacht, dass es sich auszahlt, dem Kunden die Wahl zu lassen, statt ihm eine Weltanschauung überzustülpen?
Der China-Mythos und die deutsche Selbstzerfleischung
Auch mit der ewigen Panikmache vor chinesischer Konkurrenz räumt Gaul auf. Besser machten die Chinesen zunächst einmal gar nichts – ihre Produkte seien vor allem billiger. Erst kamen die Japaner, dann die Koreaner, nun eben die Chinesen. So laufe der Wettbewerb. Der eigentliche Skandal ist doch ein anderer: Während China seine Industrie strategisch stützt und die USA ihren Markt schützen, ergeht sich Deutschland und Europa in Regulierungswut. Nicht die Konkurrenz aus Fernost ist das Problem, sondern die selbstverschuldete Fesselung der eigenen Wirtschaft.
Was bleibt vom „Weltauto“?
Gaul verabschiedet die Idee vom einheitlichen Weltauto und plädiert für lokale Anpassung bei gleichzeitig globaler Produktion. Die Zukunft, so seine Prognose, werde Forschung und Fertigung räumlich stärker trennen – nach dem Muster von Apple, das in den USA entwickle und in Asien produziere. Für den Industriestandort Deutschland ist das keine gute Nachricht, sondern eine bittere Ansage.
Ein Land, das sich selbst ins Abseits regiert
Am Ende bleibt ein ernüchterndes Fazit. Die Rahmenbedingungen müssten sich, so Gaul, „dramatisch verändern und verbessern“, damit die industrielle Automobilproduktion hierzulande langfristig überhaupt eine Zukunft habe. Übersetzt heißt das: Solange die Politik in Berlin weiter an Energiepreisen, Steuerlasten und ideologischen Vorgaben festhält, wird der Exodus der Wertschöpfung weitergehen. Ein Wohlstandsland, das seine erfolgreichste Industrie mit Regulierung und Klimadogmatik erwürgt, sägt am eigenen Ast. Es braucht endlich wieder eine Politik, die für Deutschland arbeitet – und nicht gegen es.
Und genau hier liegt die Lehre für jeden, der sein Vermögen schützen möchte. Wenn selbst die industriellen Fundamente einer Nation ins Wanken geraten, wenn Standorte abwandern und politische Fehlentscheidungen ganze Branchen erschüttern, dann zeigt sich der wahre Wert krisenfester Sachwerte. Physisches Gold und Silber kennen keine Kurzarbeit, keine Regulierungswut und keine ideologischen Verbotsfantasien. Als solides Fundament eines breit gestreuten Vermögens bewahren sie ihre Substanz gerade dann, wenn Papierversprechen und politische Zusagen bröckeln.
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