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Kettner Edelmetalle
07.07.2026
09:09 Uhr

Der leise Aderlass: Wie Covestro Deutschlands industrielle Zukunft nach China und an den Golf verlagert

Der leise Aderlass: Wie Covestro Deutschlands industrielle Zukunft nach China und an den Golf verlagert

Es sind nicht die spektakulären Werksschließungen mit ihren dramatischen Bildern von verzweifelten Mitarbeitern vor verrammelten Toren, die Deutschlands industriellen Niedergang besiegeln. Es ist etwas viel Perfideres: das schleichende, fast lautlose Abwandern der Zukunft. Der Leverkusener Kunststoffkonzern Covestro liefert dafür gerade das Lehrbuchbeispiel. Neue Milliardenwerke sollen entstehen – nur eben nicht mehr am Rhein, sondern in Shanghai und in Abu Dhabi.

Wenn das Wachstum das Land verlässt

In Shanghai plant der Konzern eine gewaltige MDI-Anlage mit einer Jahreskapazität von 660.000 Tonnen. Der Produktionsstart ist für Anfang des kommenden Jahrzehnts vorgesehen. MDI – für den Laien ein sperriges Kürzel, für die moderne Industrie jedoch ein Herzstück. Der Grundstoff steckt in Dämmplatten, Kühlgeräten, Autoteilen und Haushaltsgeräten. Wer hier investiert, investiert in die industrielle Substanz von morgen. Und genau diese Substanz wandert nun ab.

Man muss es deutlich aussprechen: Hier verabschiedet sich nicht ein einzelnes Unternehmen von Deutschland, hier verabschiedet sich der Standort Deutschland selbst von seiner eigenen Zukunftsfähigkeit. Denn was heute an Kapazität in Asien entsteht, wird morgen die Auslastung, die Investitionsdynamik und die industrielle Verflechtung ersetzen, die einst hierzulande Wohlstand schufen.

Die schonungslose Diagnose eines Konzernchefs

Bemerkenswert offen begründet Covestro-Chef Markus Steilemann die Flucht ins Ausland. Europa, so wird er zitiert, habe schlicht grundlegende Kostennachteile gegenüber Standorten in Asien und dem Nahen Osten. Hinzu komme eine schwächelnde Nachfrage, weil immer mehr Kunden ihre Geschäfte in Europa zurückfahren würden.

Wenn ein Konzernchef derart ungeschminkt spricht, dann ist das kein Managerjargon mehr – dann ist es ein Alarmsignal für ein ganzes Land.

Sollte man nicht meinen, dass die Verantwortlichen in Berlin bei solchen Worten aufhorchen? Doch während in den Chefetagen der Industrie längst die Konsequenzen gezogen werden, verliert man sich in der Hauptstadt weiter in energiepolitischen Wunschträumen und ideologischen Debatten. Die Rechnung dafür zahlen am Ende die deutschen Arbeitnehmer.

Abu Dhabi bietet die bessere Rechnung

Das zweite Projekt prüft Covestro im Emirat Abu Dhabi, genauer im Industriehafen Ruwais. Dort kooperiert der Konzern mit lokalen Partnern aus dem Umfeld des staatlichen Ölgiganten. Steilemann formuliert es unmissverständlich: In dieser Region könne man eine der wettbewerbsfähigsten Anlagen der Welt errichten. Bedienen soll dieses Werk nicht etwa Europa, sondern Indien, die Türkei und die Grenzregionen zwischen Europa und Asien.

Interessant ist dabei ein Detail, das die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre gnadenlos entlarvt: Selbst bei China erklärt Covestro den Vorteil nicht allein über niedrigere Strompreise. Entscheidend seien vielmehr schnelle Genehmigungsverfahren, industrielle Erfahrung und verlässlich zugesagte Strommengen. Genau hier liegt der Kern des deutschen Dilemmas – ein bürokratisches Dickicht, überbordende Auflagen und eine Planungssicherheit, die längst zur Fata Morgana geworden ist.

Deutschland verliert nicht Aufträge, sondern die Zukunft

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Für 2025 meldete Covestro einen Umsatzrückgang auf 12,9 Milliarden Euro sowie einen negativen freien operativen Cashflow. Die gesamte deutsche Chemieindustrie kämpft mit schwacher Auslastung, hohen Kosten und lahmender Nachfrage. Besonders getroffen werden jene Produkte, bei denen Energie und Rohstoffe den Preis diktieren – also ausgerechnet dort, wo Deutschland durch seine selbstverschuldete Hochpreispolitik am verwundbarsten ist.

Der Fall Covestro offenbart die eigentliche Dynamik hinter der Deindustrialisierung. Es werden nicht zwingend bestehende Werke abgerissen. Es entstehen schlicht keine neuen mehr. Und das ist am Ende noch fataler, denn ein Land, in das niemand mehr investiert, verliert langsam, aber unaufhaltsam seinen Wohlstand.

Was bleibt dem Bürger?

Wer angesichts einer Wirtschaftspolitik, die ganze Schlüsselindustrien vor sich herzutreiben scheint, sein Vermögen sichern will, sollte über echte Beständigkeit nachdenken. Während Papierwerte und industrielle Versprechen mit dem Standort schwanken, haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrtausende hinweg bewiesen, dass sie Krisen überdauern. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio können sie einen stabilen Anker darstellen – unabhängig davon, ob die nächste Fabrik in Leverkusen oder in Shanghai gebaut wird.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Er ersetzt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist angehalten, eigenständig zu recherchieren und Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen. Für etwaige Verluste wird keine Haftung übernommen.

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