
Deutsches Gold in Amerika: Bundesbank-Chef beschwichtigt – doch die Zweifel wachsen

Während die transatlantischen Beziehungen auf einem historischen Tiefpunkt angelangt sind, versucht Bundesbank-Präsident Joachim Nagel die Gemüter zu beruhigen. Die deutschen Goldreserven in New York seien sicher, beteuert er. Doch angesichts der aktuellen politischen Verwerfungen zwischen Washington und Europa stellt sich die Frage: Wie naiv darf ein Notenbankchef eigentlich sein?
Ein Schatz von über 450 Milliarden Euro – in fremden Händen
Die Zahlen sind beeindruckend und beunruhigend zugleich: Mit 3352 Tonnen verfügt die Bundesbank über den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Zum aktuellen Goldpreis entspricht dies einem Marktwert von mehr als 450 Milliarden Euro. Doch hier kommt der Haken: Rund 37 Prozent dieser gewaltigen Reserven lagern nicht etwa in Frankfurt, sondern in den Hochsicherheitstresoren der Federal Reserve Bank in New York.
Nagel zeigt sich gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" demonstrativ gelassen.
„Ich zweifele nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York sicher aufbewahrt ist. Das sind unsere Währungsreserven mit besonderem Schutzstatus."Ein bemerkenswerter Vertrauensbeweis in Zeiten, in denen die Trump-Administration mit 20-prozentigen Zöllen auf EU-Importe und aggressiver Rhetorik gegenüber europäischen Verbündeten aufwartet.
Kritische Stimmen werden lauter
Nicht alle teilen die Sorglosigkeit des Bundesbank-Chefs. Achim Wambach, Präsident des renommierten Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, findet deutliche Worte: Die USA seien derzeit kein verlässlicher Partner der EU. Sämtliche Abhängigkeiten gegenüber Washington müssten neu bewertet werden – einschließlich jener, die sich aus der Lagerung deutscher Goldbestände ergeben.
Der von den USA losgetretene Konflikt um Grönland hat diese Debatte zusätzlich befeuert. Wenn ein vermeintlicher Verbündeter offen territoriale Ansprüche auf europäisches Hoheitsgebiet erhebt, wie sicher ist dann das deutsche Volksvermögen in amerikanischen Tresoren?
Die Bundesregierung duckt sich weg
Wenig überraschend zeigt sich die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz in dieser Frage zurückhaltend. Ein Abzug der Goldreserven sei derzeit kein Thema, ließ Regierungssprecher Stefan Kornelius verlauten. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt gar vor einer „überstürzten Rückholaktion", die nur Öl ins Feuer gießen würde.
Doch diese Argumentation offenbart ein fundamentales Problem deutscher Außenpolitik: Man reagiert nicht, weil man Angst vor den Konsequenzen hat. Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Stärke zu zeigen und nationale Interessen zu wahren.
Ein historischer Präzedenzfall mahnt zur Vorsicht
Die Geschichte lehrt uns, dass Goldreserven in Krisenzeiten durchaus zum Spielball politischer Interessen werden können. Vor zehn Jahren beschloss die Bundesbank immerhin, 300 Tonnen Gold aus New York nach Frankfurt zu holen – ein Prozess, der sich über Jahre hinzog und von manchen als demütigend empfunden wurde.
In einer Welt, in der selbst langjährige Bündnisse über Nacht zerbrechen können, erscheint es geradezu fahrlässig, einen derart bedeutenden Teil des nationalen Vermögens in fremden Händen zu belassen. Gold ist nicht umsonst seit Jahrtausenden der ultimative Wertspeicher – gerade weil es physisch greifbar und unabhängig von politischen Launen ist. Diese Unabhängigkeit wird jedoch zur Farce, wenn das Edelmetall tausende Kilometer entfernt in einem Land lagert, dessen Regierung europäische Partner zunehmend wie Gegner behandelt.

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