
Diplomatischer Eklat: Meloni ruft Botschafter zurück – Schweizer Justiz verhöhnt Brandopfer von Crans-Montana

Was sich derzeit zwischen Rom und Bern abspielt, gleicht einem diplomatischen Erdbeben. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat ihren Botschafter aus der Schweiz abberufen – ein Schritt, der in der europäischen Diplomatie als äußerst scharfes Signal gilt. Der Grund: Die Freilassung jenes Mannes, der die Todesbar "Le Constellation" im noblen Skiort Crans-Montana betrieb, wo in der Silvesternacht 40 junge Menschen qualvoll starben.
Ein "Affront" gegen die Opfer und ihre Familien
Die Worte, die Meloni auf der Plattform X wählte, lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Sie sprach von einer "Beleidigung des Andenkens an die Opfer" und einem "Affront gegenüber ihren Familien". Sechs der Toten und vierzehn der Verletzten stammen aus Italien – Familien, die nun zusehen müssen, wie der mutmaßlich Verantwortliche gegen eine Kaution von lediglich 260.000 Franken auf freien Fuß gesetzt wurde.
Kann man Gerechtigkeit kaufen? Diese Frage drängt sich unweigerlich auf, wenn man die Umstände dieser Enthaftung betrachtet. Der Barbetreiber soll laut Medienberichten einen Notausgang versperrt, die Treppe von über zwei Metern Breite auf knapp einen Meter verengt und hochentzündliches Material verbaut haben. Vierzig Menschen bezahlten diese mutmaßliche Fahrlässigkeit mit ihrem Leben.
Italiens Justiz übernimmt, wo die Schweiz versagt
Besonders brisant: Die Schweizer Behörden ordneten offenbar weder Obduktionen noch weitergehende forensische Untersuchungen der Todesopfer an. Die ausgestellten Sterbeurkunden enthalten demnach keine konkreten Angaben zur Todesursache. Ein Vorgehen, das man bestenfalls als nachlässig, schlimmstenfalls als skandalös bezeichnen muss.
Die römische Staatsanwaltschaft ließ daraufhin eigene Obduktionen durchführen und fordert nun vehement, bei sämtlichen Verfahrensschritten eingebunden zu werden – bei Durchsuchungen, Vernehmungen und Zeugenaussagen. Außenminister Antonio Tajani und Meloni wiesen Botschafter Gian Lorenzo Cornado an, der Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud persönlich die "tiefe Empörung der italienischen Regierung" zu übermitteln.
Wo waren die Kontrolleure?
Eine Frage, die in der gesamten Debatte viel zu kurz kommt: Wie konnte ein solches Etablissement überhaupt eine Betriebsgenehmigung erhalten? Berichten zufolge wurde die Bar seit sechs Jahren nicht mehr vom zuständigen Feuerschutzbeauftragten kontrolliert – obwohl jährliche Inspektionen vorgeschrieben gewesen wären. Der Betreiber soll zudem eine kriminelle Vergangenheit haben und innerhalb von zwei Jahren Immobilien im Wert von rund vier Millionen Franken bar bezahlt haben. Fragen, die niemand zu stellen scheint.
Meloni zeigt, was politische Führung bedeutet
Während sich andere europäische Regierungschefs in diplomatischer Zurückhaltung üben, demonstriert die italienische Ministerpräsidentin, dass sie bereit ist, für ihre Landsleute einzustehen. "Ganz Italien fordert mit Nachdruck Wahrheit und Gerechtigkeit", heißt es in der offiziellen Stellungnahme der Regierung. Man verlangt Maßnahmen, "die von Respekt geprägt sind und die berechtigten Erwartungen der Familien in vollem Umfang berücksichtigen".
Immerhin gibt es einen kleinen Lichtblick inmitten dieser Tragödie: Zwei der zwölf italienischen Jugendlichen, die im Mailänder Krankenhaus Niguarda behandelt wurden, konnten mittlerweile entlassen werden. Vier weitere befinden sich jedoch weiterhin auf der Intensivstation – 15- und 16-Jährige, deren Leben durch die mutmaßliche Verantwortungslosigkeit eines Barbetreibers und das offensichtliche Versagen der Schweizer Behörden für immer gezeichnet sein wird.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Schweizer Justiz bereit ist, den berechtigten Forderungen Italiens nachzukommen – oder ob dieser diplomatische Konflikt weiter eskaliert.
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