
Dollar-Dämmerung: Warum Notenbanken jetzt Gold horten

Das Fundament des Weltfinanzsystems bekommt Risse. Immer mehr Zentralbanken misstrauen dem US-Dollar als Reservewährung – und schichten in Gold um. Eine aktuelle Umfrage des World Gold Council zeigt, wie groß der Vertrauensschwund inzwischen ist.
Eine Vormachtstellung, die auf Vertrauen gebaut ist
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Dollar das Rückgrat des globalen Handels. Öl und andere Rohstoffe werden überwiegend in Dollar abgerechnet, Notenbanken parken ihre Devisenreserven in US-Staatsanleihen, ein Großteil der weltweiten Kreditvergabe läuft über die amerikanische Währung.
Doch diese Dominanz ist kein Naturgesetz. Sie beruht auf einer einzigen, fragilen Zutat: Vertrauen. Vertrauen in amerikanische Institutionen, in die Berechenbarkeit der Geldpolitik, in die Werthaltigkeit von US-Schuldpapieren. Bröckelt es, beginnt die Suche nach Alternativen – und ganz oben auf dieser Liste steht Gold.
Der Schock von 2022 wirkt bis heute nach
Ein Ereignis hat sich bei Reserveverwaltern rund um den Globus eingebrannt: das Einfrieren russischer Zentralbankreserven im Umfang von rund 300 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. Vielen Staaten wurde damals schlagartig klar, dass Guthaben in Dollar oder Euro politisch angreifbar sind.
Hinzu kommen geopolitische Dauerkrisen, eine als sprunghaft empfundene US-Handelspolitik unter Präsident Trump und ein amerikanischer Schuldenberg, der jede historische Dimension sprengt. Wer da noch von "risikofreien" Staatsanleihen spricht, definiert Risiko offenbar recht großzügig.
Gold kennt keinen Schuldner
Physisches Gold, im eigenen Land gelagert, unterliegt keiner fremden Rechtsordnung. Kein ausländisches Dekret kann es einfrieren. Und anders als jede Anleihe ist es keine Forderung gegen einen Schuldner, der ausfallen kann. Genau dieser Unterschied macht das Edelmetall für Notenbanken so attraktiv.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Der "Central Bank Gold Reserves Survey 2026" des World Gold Council liefert dazu bemerkenswerte Befunde:
- 89 Prozent der befragten Reserveverwalter erwarten, dass die globalen Goldbestände der Notenbanken in den kommenden zwölf Monaten weiter steigen.
- 84 Prozent gehen von einer wachsenden Bedeutung des Goldes in den Reserveportfolios aus.
- 74 Prozent rechnen damit, dass der Dollar-Anteil an den Weltwährungsreserven in den nächsten fünf Jahren sinkt.
- Laut der Erhebung planen zudem 45 Prozent der Institute, ihre eigenen Goldbestände aufzustocken – ein Rekordwert.
Den Daten des World Gold Council zufolge haben die Notenbanken in den vergangenen vier Jahren im Schnitt rund 1.000 Tonnen Gold jährlich gekauft – etwa doppelt so viel wie im Jahrzehnt davor. Medienberichten zufolge kauften sie zuletzt selbst dann kräftig weiter, als der Goldpreis nach seinem Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar deutlich korrigierte.
Kein Knall, sondern ein langer Prozess
Wichtig ist die nüchterne Einordnung: Der Dollar wird nicht über Nacht entthront. Es fehlt schlicht die Alternative in vergleichbarer Größenordnung – weder Euro noch Yuan können diese Rolle heute ausfüllen.
Doch an den Rändern verschiebt sich das Gefüge. Jede Tonne Gold, die eine Notenbank statt einer Anleihe kauft, erzeugt eine strukturelle Nachfrage, die von kurzfristigen Zinsentscheidungen völlig unabhängig ist. Genau deshalb blicken viele Marktbeobachter langfristig deutlich optimistischer auf Gold als auf die Zuckungen einer einzelnen Handelswoche.
Für Sparer in Deutschland, deren Vermögen durch Inflation, Rekordabgaben und schuldenfinanzierte Sondervermögen unter Druck steht, ist die Botschaft klar: Was Notenbanken zur Absicherung nutzen, taugt auch als Beimischung im privaten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist aufgefordert, eigene Recherchen anzustellen, und trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich.

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