
Drohnen-Jagd auf Frachter: NATO rüstet im Schwarzen Meer auf!

Die NATO verstärkt ihre Präsenz im Schwarzen Meer. Nach einer Serie von Drohnenangriffen auf Handelsschiffe vor Bulgarien und Rumänien schickt das Bündnis Radarsysteme, Drohnen, Seefernaufklärer und Forensik-Teams in die Region. Das gab NATO-Sprecherin Allison Hart am 20. Oktober bekannt, nachdem der Nordatlantikrat beraten hatte.
Eine der wichtigsten Handelsrouten Europas ist damit endgültig zur Frontlinie geworden. Wer schießt dort eigentlich auf Frachter? Offiziell will das noch niemand sagen.
Versenkt, in Brand gesetzt, vermisst
Die Liste der Angriffe liest sich wie ein Lagebericht aus einem Seekrieg. Am 6. Oktober trafen Drohnen zwei Frachter vor der bulgarischen Küste. Am 13. Oktober sank die unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrende HS Dignity nahe dem Dorf Krapets. Bulgarischen Angaben zufolge galten danach zunächst elf Besatzungsmitglieder als vermisst.
Am selben Tag erwischte es die Chelsea 3, die unter maltesischer Flagge fuhr, in Odessa registriert war und einem ukrainischen Eigner gehört. Ihre 15 Mann Besatzung kamen Berichten zufolge mit dem Leben davon. Zwei Tage später brannten zwei Chemietanker, die nahe dem Sulina-Kanal vor Rumänien vor Anker lagen. Durch diesen Kanal fließt ein großer Teil der ukrainischen Exporte von der Donau ins Meer.
Medienberichten zufolge wurden binnen zehn Tagen sechs Drohnenangriffe gezählt, mindestens zwei Seeleute sollen ums Leben gekommen sein. Rumäniens Präsident Nicusor Dan nannte die Lage „ernst“:
„Handelsschiffe werden angegriffen und versenkt. Seeleute werden getötet, verletzt und vermisst, ganz nah an den Küsten Rumäniens und Bulgariens. Menschenleben, der Welthandel und kritische Infrastruktur stehen auf dem Spiel.“
Der Verdacht fällt auf Moskau
Die NATO selbst schreibt die Angriffe bislang keinem Land zu. Bulgarien ist da weniger zurückhaltend. Sofia hält Russland für den wahrscheinlichen Urheber. Regierungschef Rumen Radew räumte zwar ein, es fehlten eindeutige Beweise, das Ergebnis nütze aber Russland. Er bestellte Botschafterin Eleonora Mitrofanowa ein. Sie erklärte, ihr lägen vom russischen Verteidigungsministerium keine Informationen über Angriffe auf Handelsschiffe vor.
Moskau dreht den Spieß derweil um. Wladislaw Maslennikow, Europa-Abteilungsleiter im russischen Außenministerium, sagte der Zeitung „Iswestija“, wegen der verstärkten NATO-Aufklärung steige das Risiko von Zwischenfällen, „auch von unbeabsichtigten“. Das klingt nach Warnung und Drohung zugleich.
Warum keine Kriegsschiffe?
Dass die NATO Flugzeuge und Drohnen statt Fregatten schickt, hat einen Grund. Der Vertrag von Montreux aus dem Jahr 1936 gibt der Türkei die Kontrolle über Bosporus und Dardanellen. Seit Kriegsbeginn 2022 lässt Ankara kaum Kriegsschiffe kriegführender Staaten durch. Das Bündnis muss deshalb aus der Luft beobachten. Laut Militärsprecher Oberst Martin L. O'Donnell sollen Geheimdienst- und Forensik-Teams außerdem die eingesetzten Sprengstoffe untersuchen.
Getreide, Versicherungen, Preise: Das Risiko schwimmt mit
Das Schwarze Meer ist eine Lebensader des Welthandels. Russland ist der größte Weizenexporteur der Welt, und auch die Ukraine zählt zu den wichtigsten Getreide- und Saatgutproduzenten. Beide Seiten greifen deshalb längst die Infrastruktur des Gegners an. Russland beschoss zuletzt die Häfen von Odessa und Tschornomorsk, Kiew nimmt russische Agrar-Infrastruktur ins Visier.
Für Europa ist das alles andere als eine Randnotiz. Steigen Frachtraten und Versicherungsprämien, landen die Kosten am Ende bei den Verbrauchern, auch in Deutschland. Das 2023 von Moskau aufgekündigte Getreideabkommen zeigte schon damals, wie schnell Lieferketten am Bosporus ins Wanken geraten können.
Wenn Handelsrouten zum Schlachtfeld werden, wächst die Sehnsucht nach Werten, die von keinem Drohnenpiloten abhängen. Physisches Gold und Silber haben sich in geopolitischen Krisen immer wieder als stabiler Anker erwiesen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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