
Drohnen löschen sein Kunstwerk aus – Ai Weiweis bittere Bilanz

Es war ein Werk aus weiß bemalten Soldatenuniformen, geschaffen mitten im Krieg, gedacht als Zeichen für die Ukraine. Jetzt ist es Asche. Wie der chinesische Künstler Ai Weiwei in einem am 14. August 2026 veröffentlichten Interview mit einer Berliner Tageszeitung schilderte, wurde seine Installation bei einem russischen Drohnenangriff in Kiew zerstört.
Ein Werk, das für die Ukraine gemacht war – und in der Ukraine unterging
Die Arbeit trägt den Titel „Three Perfectly Proportioned Spheres and Camouflage Uniforms Painted White“. Für sie verarbeitete der Künstler dem Bericht zufolge ukrainische Militäruniformen, die er mit weißer Farbe überstrich. In Auftrag gegeben hatte das Werk die Organisation Ribbon International.
Eingeweiht wurde die Installation im September 2025 in Kiew, zu sehen war sie bis zum 30. November im Pavillon 13, einem historischen Gebäude der ukrainischen Hauptstadt. Danach kam sie ins Depot – ausgerechnet in das größte Lagerhaus der Stadt.
Genau dieses Lager wurde im Juli von russischen Drohnen getroffen und brannte ab. Von der Zerstörung erfahren habe er erst drei Wochen zuvor, sagte Ai Weiwei.
„Ein Kunstwerk ist seiner Bestimmung zugeführt worden“
Wut? Fehlanzeige. Der Künstler reagierte nach eigener Darstellung mit fast schon buddhistischer Gelassenheit auf den Verlust:
„Ein Kunstwerk ist seiner Bestimmung zugeführt worden. Denn ich habe es im Krieg erschaffen, für die Ukraine. Dadurch, dass es nun zerstört worden ist, schließt sich ein Kreis.“
Man muss diese Deutung nicht teilen. Doch sie führt vor Augen, was ein Krieg im Herzen Europas seit über vier Jahren Tag für Tag frisst: Menschenleben, Infrastruktur, Kapital – und eben auch Kultur, die sich nicht versichern lässt.
Der unbequeme Gast: Ai Weiwei über Zensur – auch im Westen
Anlass des Gesprächs war Ai Weiweis neues Buch „Ai Weiwei über Zensur“, das am 24. August im Westend Verlag erscheint – 126 Seiten, 20 Euro. Der Künstler, der in China selbst inhaftiert war, beschreibt darin laut dem Bericht ein Phänomen, das er keineswegs auf Diktaturen beschränkt sieht. Zensur gebe es überall, „wie die Schwerkraft“.
Und er wird konkret: Nach seinen Äußerungen zu Gaza seien Ausstellungen abgesagt worden. In dem Interview stellt er sogar die Frage, ob Deutschland überhaupt eine Demokratie sei.
Eine harte Frage – gestellt von einem Mann, der die chinesische Staatsmacht am eigenen Leib erlebt hat. Aus Sicht unserer Redaktion ist es bezeichnend, dass ausgerechnet ein Dissident aus Peking den Finger in die Wunde der deutschen Debattenkultur legt, während hierzulande gern über die Meinungsfreiheit anderer Länder doziert wird.
Berlin-Liebe mit Widerhaken
Persönlich hat der Künstler seinen Frieden mit der Hauptstadt gemacht. Berlin, das er vor Jahren noch als hässlichste und langweiligste Stadt bezeichnet hatte, nennt er nun die attraktivste Stadt Europas – lebendig, leer, nicht von alten Eliten beherrscht. Sein Atelier hat er seit Jahren im Prenzlauer Berg auf dem Pfefferberg-Gelände.
Beim Berliner Enteignungs-Volksentscheid hört die Freundlichkeit allerdings auf. Dass die Linke ihn unterstütze, halte er für „schlechte Politik“, wird Ai Weiwei zitiert – begleitet von der Frage: „Sind die verrückt!?“ Ein Satz, der in manchen Berliner Milieus wohl länger nachhallen dürfte als jede Kunstkritik.
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