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Kettner Edelmetalle
29.06.2026
06:54 Uhr

Energie-Schock am Persischen Golf: Wie die Welt verzweifelt versucht, die StraĂźe von Hormus zu umgehen

Energie-Schock am Persischen Golf: Wie die Welt verzweifelt versucht, die StraĂźe von Hormus zu umgehen

Es ist der wohl gefährlichste Engpass der Weltwirtschaft – und er ist seit nunmehr vier Monaten faktisch dicht. Die Straße von Hormus, jene schmale Meerenge zwischen Iran und der arabischen Halbinsel, durch die in normalen Zeiten ein Viertel des weltweiten Öltransports zur See fließt, ist durch den eskalierten Irankrieg zum Nadelöhr der globalen Verzweiflung geworden. Millionen Barrel Rohöl liegen auf Halde, Tanker dümpeln in den Häfen, und die niederländische Denkfabrik HCSS spricht von nichts Geringerem als dem „größten und komplexesten Energie-Schock der Geschichte“.

Vier Monate Stillstand – und kein Ende in Sicht

Selbst nach dem viel beschworenen Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran weiß niemand, wann der Krieg enden und der Seeweg wieder befahrbar sein wird. Mit den jüngsten gegenseitigen Angriffen ist die Lage erneut in einen gefährlichen Strudel geraten. Die Golfstaaten, jahrzehntelang fett geworden am bequemen Seeweg, stehen nun vor einer schmerzhaften Erkenntnis: Wer sich auf eine einzige Lebensader verlässt, der ist verlassen, wenn diese gekappt wird.

Dabei war die Gefahr nie geheim. Schon vor mehr als 40 Jahren, im damaligen Krieg gegen den Irak, drohte Teheran mit der Schließung von Hormus. Energieexperten predigten seit Jahrzehnten, die Golfstaaten müssten Alternativen schaffen. Doch wie so oft regierte die Bequemlichkeit – bis die Realität mit Milliardenverlusten zuschlug.

Der hektische Wettlauf um neue Routen

Nun überschlagen sich die Pläne. Die Vereinigten Arabischen Emirate beschleunigen den Bau einer weiteren West-Ost-Pipeline an den Golf von Oman, um ihre Förderkapazität von 1,8 auf 3,6 Millionen Barrel pro Tag zu verdoppeln. Daneben kursiert die fast schon größenwahnsinnige Idee einer „Straße der Einheit“ – eines künstlichen maritimen Korridors quer durch die Emirate. Ein Dubaier Architekturbüro schwärmt in futuristischen Entwürfen von „größerer Kontrolle und Widerstandsfähigkeit in Handelsnetzen“. Viel mehr als bunte Designstudien dürfte aus solchen Träumereien jedoch kaum werden.

Wer im Krieg erst nach der Rettungsleine sucht, hat den Ernstfall sträflich verschlafen.

Besonders dramatisch ist die Lage für das kleine Kuwait, eingezwängt im Nordwesten des Persischen Golfs und vollständig auf den Seeweg angewiesen. Laut Tankertrackers.com habe das Land im April erstmals seit 1991 überhaupt kein Öl mehr exportiert. Diskutiert werde nun ein Anschluss an die einst stillgelegte „Tapline“, jene historische Trans-Arabische Pipeline, die ab 1950 Öl bis ans Mittelmeer pumpte, ehe sie 1990 den immer größeren Tankern und dem wiedereröffneten Suezkanal weichen musste.

Der Irak setzt auf Tanklaster durch die WĂĽste

Auch der Irak, dessen Ölexporte in normalen Zeiten über 90 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen, kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Über eine Pipeline durch die Kurdenregion und die Türkei fließen derzeit rund 220.000 Barrel täglich – Bagdad möchte diese Menge verdreifachen. Verzweifelt schickt das Land sogar täglich Hunderte Tanklaster über Syrien ans Mittelmeer. Eine teure, logistisch umständliche und durch Überfälle gefährliche Route. So sieht Improvisation aus, wenn jahrelange Versäumnisse über Nacht eingeholt werden.

Wenn der Welthandel neu geschrieben wird

Doch es geht längst nicht nur um Öl. Reedereien wie MSC und der dänische Riese Maersk informieren ihre Kunden über neue „Landbrücken“ quer durch Saudi-Arabiens Wüste. Die Türkei und Saudi-Arabien wollen gemeinsam eine Zugstrecke über Jordanien und Syrien wiederbeleben, deren Wurzeln bis ins Osmanische Reich zurückreichen. Branchenbeobachter sprechen davon, dass der „multimodale Verkehr“ in der Region gerade auf eine Weise neu geschrieben werde, „die es so vorher noch nie gab“.

Was diese Krise fĂĽr den Anleger bedeutet

Diese Entwicklung führt uns eine bittere Wahrheit vor Augen: Wie zerbrechlich unsere globalisierten Lieferketten und unsere Energieversorgung tatsächlich sind. Ein einziger geopolitischer Funke – und die Weltwirtschaft gerät ins Wanken. Während Politiker in Berlin lieber über Gendersternchen und Klimaneutralität bis 2045 philosophieren, zeigt sich am Persischen Golf in aller Härte, was wirklich zählt: verlässliche Versorgung, reale Werte und Unabhängigkeit von politischen Verwerfungen.

Steigende Energiepreise schüren die Inflation, und Inflation frisst Vermögen. In solchen Zeiten erweisen sich Sachwerte, die unabhängig von Pipelines, Reedereien und politischen Launen ihren Wert bewahren, als das, was sie seit Jahrtausenden sind: ein verlässlicher Anker. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen weder Lieferkettenprobleme noch Gegenparteirisiken – sie sind krisenfest, wenn Papierversprechen und ferne Handelsrouten versagen. Als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögensportfolio bieten sie genau jene Widerstandsfähigkeit, von der die Golfstaaten derzeit nur träumen können.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche. Für Ihre Investitionsentscheidungen sind allein Sie selbst verantwortlich.

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