
Enteignungs-Schock in Berlin: Linke greift nach dem Roten Rathaus

Zwei Landtagswahlen, ein politisches Beben: In Berlin ist die Linke am Sonntag stĂ€rkste Kraft geworden, in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD nach vorlĂ€ufigem Ergebnis vor der SPD â und die CDU flog dort mit 4,9 Prozent komplett aus dem Landtag. Die SPD-Spitze reagiert mit einem Parteikonvent im Dezember, Kanzler Friedrich Merz spricht Medienberichten zufolge von einer âtiefen ZĂ€surâ.
Berlin: 25,7 Prozent fĂŒr die Linke â und die Börse zuckt
Nach dem vorlĂ€ufigen Endergebnis kommt die Linke in der Hauptstadt auf 25,7 Prozent und 47 Sitze. Dahinter folgen CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), GrĂŒne (14,3 Prozent) und â historisch schwach â die SPD mit 12,1 Prozent.
FĂŒr die einstige âBerlin-Parteiâ SPD ist das ein Absturz mit Ansage. Spitzenkandidat Steffen Krach rĂ€umte ein, bei zwölf Prozent könne man sich diesen Titel nicht mehr anheften; es gehe jetzt um Wiederaufbau. Auch Franziska Giffey verpasste ihr Direktmandat und nannte das Ergebnis âbitterâ.
Die Reaktion der KapitalmÀrkte lieà keine Stunde auf sich warten: Vonovia-Aktien gaben am Montagvormittag um 2,2 Prozent nach und rutschten damit laut Berichten auf das Niveau von Juni 2023.
âDann wird auch vergesellschaftetâ
Der Grund fĂŒr die NervositĂ€t ist kein Geheimnis. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp erklĂ€rte im RBB, sie habe immer gesagt: Wenn die Linke regiere, werde auch vergesellschaftet. Sie verweist auf den Volksentscheid von 2021.
âBerlin kann sich keine Experimente mit ungewissem Ausgang leisten, die die Politik fĂŒr lange Zeit lĂ€hmen wĂŒrden.â
So warnte Alexander Schirp von der Vereinigung der UnternehmensverbĂ€nde in Berlin und Brandenburg. Enteignungsdebatten bĂ€nden ĂŒber Jahre juristische und finanzielle Ressourcen, ohne dass am Ende eine einzige neue Wohnung entstehe. Der Bauindustrieverband Ost forderte VerlĂ€sslichkeit statt zugespitzter Enteignungsrhetorik. Die GrĂŒnen unterstĂŒtzen die PlĂ€ne, die SPD lehnt sie ab â die KoalitionsgesprĂ€che dĂŒrften zĂ€h werden.
Mecklenburg-Vorpommern: Die Union verschwindet aus dem Parlament
Im Nordosten stellt die AfD nach vorlĂ€ufigem Ergebnis 32 der 71 Sitze, die SPD 29, Linke und GrĂŒne je fĂŒnf. MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig strebt Rot-Rot-GrĂŒn an. Spitzenkandidat Leif-Erik Holm beansprucht fĂŒr die AfD das Amt des LandtagsprĂ€sidenten.
Das eigentliche Beben aber ist das Ausscheiden der CDU. Schwesig attackierte Merz offen und stellte dessen FĂŒhrungsanspruch infrage. Aus der Union kam dennoch RĂŒckendeckung: ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Catarina Dos Santos-Wintz erklĂ€rte, Merz habe das Vertrauen der Fraktion, forderte aber bessere Kommunikation. Parteivize Karin Prien mahnte, man dĂŒrfe nichts versprechen, was man nicht halten könne.
Und die Bundesregierung? Ein Konvent im Dezember
Die SPD-Spitze um BĂ€rbel Bas und Lars Klingbeil schlieĂt ein âWeiter soâ aus; im Dezember soll ein kleiner Parteitag ĂŒber die Bezahlbarkeit des Lebens beraten. Merz wiederum sieht Berichten zufolge ein âGerechtigkeitsproblemâ bei den privaten Krankenkassen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das die eigentliche Botschaft dieses Wahlsonntags: Eine Koalition, die Rekordschulden aufnimmt und Reformen vor allem als KĂŒrzungen erlebbar macht, verliert das Vertrauen der Mitte. Wenn dann auch noch ĂŒber Eigentumsentzug diskutiert wird, stellt sich fĂŒr viele BĂŒrger die Frage, was Vermögen in Deutschland kĂŒnftig noch wert ist â und warum ausgerechnet physisches Gold und Silber seit Jahrhunderten als das gelten, was niemand per Gesetz umbuchen kann.
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