
Epstein-Skandal erreicht Harvard: Ex-Finanzminister Summers räumt seinen Lehrstuhl
Die Schockwellen des Jeffrey-Epstein-Skandals reißen nicht ab – und sie treffen nun die höchsten Etagen der amerikanischen Eliteuniversitäten mit voller Wucht. Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister unter Präsident Clinton und langjähriger Harvard-Professor, hat seinen Rücktritt von der Lehrtätigkeit an der prestigeträchtigen Universität angekündigt. Ein Paukenschlag, der einmal mehr zeigt, wie tief die Verstrickungen der amerikanischen Machtelite mit dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein reichen.
Ein „schwieriger Entschluss" – oder die unvermeidliche Konsequenz?
Summers, der einst sogar als Präsident von Harvard fungierte, verpackte seinen Abgang in die üblichen diplomatischen Floskeln. Er sei „dankbar für die Tausenden von Studenten und Kollegen", mit denen er in den vergangenen 50 Jahren zusammengearbeitet habe. Man darf sich allerdings fragen, ob diese Dankbarkeit nicht eher ein Ablenkungsmanöver darstellt. Denn der eigentliche Grund für seinen Rückzug liegt auf der Hand: Die Universität hatte eine umfassende Überprüfung von E-Mails und Dokumenten eingeleitet, die Summers' Verbindungen zu Epstein im Detail offenlegen. Diese Unterlagen waren in den vergangenen Monaten vom US-Justizministerium und dem Kongress freigegeben worden.
Bereits im November vergangenen Jahres hatte sich Summers beurlauben lassen – damals, als der Druck durch die veröffentlichten E-Mail-Korrespondenzen mit Epstein unerträglich wurde. Gleichzeitig trat er vom Vorstand des KI-Unternehmens OpenAI zurück. Seine damalige Erklärung ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Er schäme sich „zutiefst" für sein Handeln und übernehme die „volle Verantwortung" für seine „fehlgeleitete Entscheidung", den Kontakt zu Epstein aufrechterhalten zu haben.
Die Harvard Crimson deckte auf, was Summers lieber verborgen hätte
Es war ausgerechnet die Studentenzeitung The Harvard Crimson, die enthüllte, wie Summers bei Epstein Rat gesucht hatte – und zwar im Zusammenhang mit einer romantischen Beziehung zu einer Frau. Ein Detail, das die ohnehin fragwürdige Verbindung in ein noch schieferes Licht rückt. Wohlgemerkt: Summers sei bislang keines strafrechtlich relevanten Fehlverhaltens im Zusammenhang mit Epstein beschuldigt worden. Doch die moralische Dimension wiegt schwer genug.
Harvard-Sprecher Jason Newton bestätigte, dass der Dekan der Harvard Kennedy School Summers' Rücktritt von seiner Führungsposition als Co-Direktor des Mossavar-Rahmani Center for Business and Government angenommen habe. Bis zum Wirksamwerden seiner Pensionierung werde Summers weder unterrichten noch neue Doktoranden betreuen.
Ein Dominoeffekt an Amerikas Eliteuniversitäten
Summers ist bei weitem kein Einzelfall. Die Epstein-Akten entfalten eine regelrechte Kettenreaktion an den renommiertesten Bildungseinrichtungen der Vereinigten Staaten. Erst am Tag zuvor hatte der Nobelpreisträger Richard Axel seinen Rücktritt als Co-Direktor des Zuckerman Mind Brain Behavior Institute an der Columbia University erklärt – ebenfalls wegen seiner Kommunikation mit Epstein. An der Yale University wurde Professor David Gelernter bereits im Februar vom Unterricht suspendiert, nachdem bekannt geworden war, dass er Epstein gegenüber sogar eine Yale-Studentin für ein potenzielles Projekt erwähnt hatte.
Was sich hier abzeichnet, ist nichts weniger als die systematische Entflechtung eines Netzwerks, das jahrelang im Verborgenen operierte. Jeffrey Epstein, der sich 2019 in einer New Yorker Bundesgefängniszelle das Leben nahm – wenige Wochen nach seiner Verhaftung wegen Sexhandels mit Minderjährigen –, hatte offenbar Zugang zu den mächtigsten Köpfen der westlichen Welt. Und diese Köpfe suchten seinen Rat, seine Nähe, seine Kontakte.
Die unbequeme Frage, die niemand stellen will
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um sich zu fragen: Wie konnte ein verurteilter Sexualstraftäter derart tiefgreifenden Einfluss auf die intellektuelle und politische Elite Amerikas ausüben? Und warum dauerte es Jahre, bis diese Verbindungen ans Licht kamen? Die Freigabe der Dokumente durch das Justizministerium unter der Trump-Administration war längst überfällig. Dass nun Köpfe rollen – an Harvard, Columbia, Yale –, ist ein überfälliger Reinigungsprozess, der allerdings auch zeigt, wie morsch die moralischen Fundamente jener Institutionen sind, die sich gerne als Hüter der Aufklärung und des Fortschritts inszenieren.
Die Ironie könnte kaum größer sein: Dieselben Eliteuniversitäten, die sich in den vergangenen Jahren als Vorreiter progressiver Werte präsentierten, mit Gender-Lehrstühlen und Diversitätsprogrammen, hatten offenbar keinerlei Probleme damit, dass ihre prominentesten Professoren enge Bande zu einem Mann pflegten, der Minderjährige systematisch missbrauchte. Es ist ein Lehrstück darüber, wie weit Anspruch und Wirklichkeit in den selbsternannten moralischen Leuchttürmen der westlichen Welt auseinanderklaffen.
Eines steht fest: Die Epstein-Akten werden noch weitere Namen zutage fördern. Und jeder einzelne dieser Namen wird die unbequeme Wahrheit unterstreichen, dass Macht und Einfluss allzu oft als Schutzschild gegen jede Rechenschaftspflicht dienten – bis jetzt.
- Themen:
- #Steuern












