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09.02.2026
19:13 Uhr

Epstein-Skandal: Maxwell mauert vor dem Kongress und pokert um Begnadigung

Epstein-Skandal: Maxwell mauert vor dem Kongress und pokert um Begnadigung

Es ist ein Schauspiel, das an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Ghislaine Maxwell, die verurteilte Komplizin des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, hat bei einer Anhörung vor dem US-Repräsentantenhaus schlichtweg den Mund gehalten. Statt endlich Licht in eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Elitenkultur zu bringen, berief sich die 2022 wegen Sexhandels mit Minderjährigen verurteilte Britin auf den fünften Verfassungszusatz – das Recht, sich nicht selbst zu belasten. Ihre Bedingung für eine Aussage? Nichts Geringeres als eine Begnadigung durch US-Präsident Donald Trump.

Erpressung statt Aufklärung

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Frau, die eine 20-jährige Haftstrafe in einem texanischen Gefängnis absitzt, weil sie minderjährige Mädchen für einen pädophilen Milliardär rekrutiert und missbraucht hat, stellt dem mächtigsten Mann der Welt ein Ultimatum. Entweder Begnadigung – oder Schweigen. Das ist keine Kooperation, das ist Erpressung auf höchstem Niveau.

Der republikanische Vorsitzende des Aufsichtsausschusses, James Comer, zeigte sich „sehr enttäuscht" über Maxwells Verweigerungshaltung. Die Ausschussmitglieder hätten zahlreiche Fragen zu den von ihr und Epstein begangenen Verbrechen sowie zu möglichen Mitverschwörern gehabt. Doch genau hier liegt der Kern des Problems – und genau deshalb ist Maxwells Schweigen so skandalös.

Wer wird geschützt?

Seit Jahren ranken sich Spekulationen um die Namensliste jener Mächtigen, die in Epsteins Netzwerk verstrickt gewesen sein sollen. Politiker, Wirtschaftsbosse, Prominente – die Gerüchteküche brodelt, doch harte Fakten bleiben Mangelware. Maxwells Anwälte hatten den Kongress aufgefordert, ihrer Mandantin rechtliche Immunität für die Aussage zu gewähren. Der Kongress lehnte ab. Ohne Immunität werde sich Maxwell auf ihr Schweigerecht berufen, konterten die Juristen und bezeichneten das gesamte Verfahren als „reines politisches Theater".

Politisches Theater? Das ist eine bemerkenswert zynische Formulierung angesichts der Tatsache, dass es hier um den systematischen Missbrauch minderjähriger Mädchen geht. Hunderte potenzielle Opfer warten seit Jahren auf Gerechtigkeit, auf Antworten, auf die Benennung jener, die Epsteins Treiben nicht nur geduldet, sondern aktiv mitgetragen haben sollen. Und Maxwell – die einzige Person, die wirklich umfassend aussagen könnte – spielt Machtpoker.

Die Clintons im Visier

Brisant wird es Ende des Monats, wenn die Demokraten Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary Clinton vor dem Kongressausschuss aussagen sollen. Beide hätten eine öffentliche Anhörung gefordert. Die Verbindungen zwischen Bill Clinton und Jeffrey Epstein sind seit langem dokumentiert – Flugprotokolle belegen mehrfache Reisen in Epsteins Privatjet, der im Volksmund den bezeichnenden Spitznamen „Lolita Express" trägt. Ob die Clintons mehr Kooperationsbereitschaft zeigen werden als Maxwell, darf bezweifelt werden.

Ein System des Versagens

Was dieser Fall einmal mehr offenbart, ist das systematische Versagen der Justiz im Umgang mit den Mächtigen und Reichen. Epstein selbst entzog sich 2019 durch seinen Tod im Gefängnis – unter höchst mysteriösen Umständen – jeder weiteren Strafverfolgung. Die Kameras funktionierten nicht, die Wärter schliefen angeblich. Und nun schweigt auch seine engste Vertraute, während sie aus der Haft heraus Bedingungen diktiert.

Es ist ein Armutszeugnis für den gesamten westlichen Rechtsstaat, dass eine verurteilte Sexualstraftäterin die Aufklärung eines der größten Missbrauchsskandale der jüngeren Geschichte blockieren kann. Die Opfer – junge Frauen, deren Leben zerstört wurde – müssen zusehen, wie ihre Peinigerin die Justiz als Verhandlungsmasse benutzt. Wer angesichts solcher Vorgänge noch an die Gleichheit vor dem Gesetz glaubt, der glaubt wohl auch, dass Epstein sich tatsächlich selbst das Leben genommen hat.

Die Frage, die sich jeder stellen sollte, lautet: Wessen Namen schützt Ghislaine Maxwell mit ihrem Schweigen? Und warum ist niemand in der Lage – oder willens –, diese Mauer des Schweigens endlich einzureißen?

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