
Erst Schuld-Modul, dann Zimmerschlüssel: Uni-Eklat in England

An der University of Northampton beginnt das Studienjahr mit einer Lektion, die viele Erstsemester so nicht erwartet haben: Bevor sie ihre Koffer im Wohnheim auspacken, sollen sie einen Online-Kurs namens „Introduction to Race Equity" absolvieren. Darin geht es um „weiße Privilegien". Britische Medien berichteten am Wochenende über den Fall – und lösten damit eine heftige Debatte aus.
Was die 18-Jährigen ausfüllen sollen
Das Modul stammt laut den Berichten von Advance HE, einem Dachverband, der solche Schulungen branchenweit an Hochschulen verkauft. Im Abschnitt „Whiteness, Privilege and Belonging" werden Studienanfänger gefragt, ob ihnen bewusst gewesen sei, wie „weißes Privileg" wirke und welche Folgen es für Beschäftigte und Studierende mit schwarzem, asiatischem oder anderem Minderheitenhintergrund habe.
Anschließend sollen die Neuankömmlinge notieren, mit welchen konkreten Schritten sie ihre „antirassistische Praxis" verbessern wollen. Das Glossar des Anbieters definiert „weißes Privileg" den Berichten zufolge als unhinterfragtes, unverdientes Bündel von Vorteilen, das Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe zufalle.
„Freiwillig" – mit Dauer-Erinnerung
Die Universität betont, der Kurs sei optional, Antworten würden von Mitarbeitern nicht gelesen, und wer ihn überspringe, dürfe trotzdem einziehen. Gleichzeitig räumte sie ein, dass Studierende ohne abgeschlossene Module „ständige Erinnerungen" erhalten. Ein Sprecher erklärte, Inklusivität sei ein Kernwert der Hochschule – dafür entschuldige man sich nicht. Der Kurs sei „Industriestandard".
Ein Sprecher der Free Speech Union hielt dagegen, die Botschaft sei eindeutig, auch ohne Zwang:
„Auch wenn dieser Kurs nicht verpflichtend ist und die Antworten der Universität nicht zugänglich sind, sendet er dennoch die Botschaft, dass Northampton in einer Reihe politisch umstrittener Fragen Position bezogen hat – und wehe dem Studenten, der anderer Meinung ist."
Die Zahlen, über die kaum jemand spricht
Brisant wird der Vorgang durch das, was parallel in britischen Statistiken steht. Eine unabhängige Untersuchung unter Leitung von Baroness Morris und Sir Hamid Patel kam dem Bericht zufolge zu dem Schluss, das Bildungssystem sei nicht darauf ausgelegt, weißen Kindern aus der Arbeiterklasse und ihren Familien zu dienen.
Demnach erreichten 2025 nur 36 Prozent der weißen britischen Schüler, die kostenloses Schulessen erhalten, in Englisch und Mathematik die Note 4 oder besser – etwa die Hälfte des Werts jener ohne diese Förderung. Betroffen sind rund 1,25 Millionen Kinder. An den selektiven Grammar Schools sank der Anteil weißer britischer Schüler laut Bildungsministerium von 66 Prozent im Jahr 2016 auf 44 Prozent im Jahr 2026.
Gleichzeitig fließen nach den Berichten Rekordmittel von 572 Millionen Pfund in die Förderung von 1,8 Millionen Schülern, deren Erstsprache nicht Englisch ist – jedes fünfte Kind.
Politischer Streit statt Pädagogik
Die konservative Schatten-Bildungsministerin Laura Trott nannte es „tief alarmierend", dass schon Siebenjährige unter dem Banner „Antirassismus-Bildung" mit spaltender Identitätspolitik konfrontiert würden. Kinder nach Hautfarbe zu etikettieren, fördere Ressentiments. Ihr Parteikollege Neil O'Brien sprach von politischer Indoktrination.
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Fall weit mehal als eine britische Kuriosität: Er zeigt, wie eine Bildungsbürokratie ideologische Gewissheiten verwaltet, während messbare Leistungsdefizite liegen bleiben. Wer Kinder in Kategorien sortiert, statt sie zu fördern, verwechselt Haltung mit Bildung. Auch deutsche Hochschulen wären gut beraten, diese Entwicklung genau zu beobachten.
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