
Erstflug in Texas: Deutschlands Atom-Jet fliegt am US-Gängelband

Der erste Tarnkappenjet der Bundeswehr ist in der Luft. Die F-35A mit der Kennung 35+01 hob diese Woche vom Werksflugplatz des Herstellers Lockheed Martin im texanischen Fort Worth ab. Es ist der Auftakt für eines der teuersten Rüstungsprojekte der deutschen Geschichte – und für eine Abhängigkeit, die weit über Ersatzteillisten hinausreicht.
35 Jets, zehn Milliarden Euro – und ein enger Zeitplan
Die Maschine ist die erste von 35 bestellten F-35A. Sie sollen die rund 50 Jahre alten Tornados ablösen, deren Betriebsende naht. Am 18. September ist eine offizielle Präsentation geplant.
Nach Deutschland kommt der Jet vorerst nicht. Die ersten acht Flugzeuge bleiben in den USA und dienen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ebbing in Arkansas der Ausbildung deutscher Piloten und Techniker. Erst ab Ende 2027 sollen Maschinen im rheinland-pfälzischen Büchel stationiert werden, 2028 will die Luftwaffe erste Einsatzbereitschaft melden.
Kostenpunkt: rund zehn Milliarden Euro für Flugzeuge, Bewaffnung, Ersatzteile, Ausbildung und erste Wartung. Der Bundestag winkte den Kauf Ende 2022 durch. Washington hatte den möglichen Umfang zuvor mit 8,4 Milliarden Dollar beziffert.
Warum es die F-35 werden musste
Ausschlaggebend war weniger die Tarnkappentechnik als ein Zertifikat: Die F-35A ist für die modernisierte US-Atombombe B61-12 zugelassen. Im Rahmen der nuklearen Teilhabe stellt Deutschland Flugzeuge und Besatzungen – die Waffen selbst gehören den Vereinigten Staaten und bleiben unter deren Kontrolle.
Im Klartext: Ohne die Zustimmung Washingtons bleibt die deutsche Nuklearrolle eine leere Hülle. Alternativen wie der Eurofighter oder die Super Hornet hätten erst zertifiziert werden müssen – dafür fehlte die Zeit. Die damalige Ampel-Regierung griff zur fertigen US-Lösung.
Kein Quellcode, kein Zugriff – aber angeblich auch kein Killswitch
Spekulationen über einen eingebauten Fernabschalter weist die Luftwaffe zurück. Einen solchen „Killswitch" gebe es nicht, versicherte der F-35-Beauftragte der Luftwaffe, Oberst Thomas Kullrich.
Das Grundproblem bleibt trotzdem bestehen. Die Bundeswehr erhält keinen Zugriff auf den Quellcode und kann zentrale Software weder prüfen noch verändern. Updates, Missionsdaten und Teile der Wartungslogistik kommen aus den USA oder werden von amerikanischen Unternehmen gesteuert.
Zahlen, die nachdenklich machen
Wie belastbar dieses System ist, zeigen Daten des US-Rechnungshofs GAO. Berichten zufolge sank die Rate der vollständig einsatzfähigen F-35 im Haushaltsjahr 2025 auf 25 Prozent – vier Jahre zuvor waren es noch 38 Prozent. Auch die allgemeine Einsatzbereitschaft brach demnach von rund 67 auf 44 Prozent ein.
Als Ursachen gelten fehlende Ersatzteile, Softwareprobleme, Korrosion und zu knappe Wartungskapazitäten. Für ein Land, das Milliarden in Abschreckung investiert, ist das eine unbequeme Rechnung.
Souveränität auf Pump?
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Jungfernflug ein doppeltes Dilemma: Deutschland rüstet auf – aber es kauft dabei Fähigkeiten ein, über die es selbst nicht verfügen kann. Während Berlin gleichzeitig ein 500-Milliarden-Sondervermögen auf Kredit finanziert, wächst die Last für kommende Generationen.
Sicherheitspolitisch mag die F-35 alternativlos gewesen sein. Industriepolitisch ist sie eine Mahnung: Wer eigene Schlüsseltechnologien vernachlässigt, zahlt später doppelt – in Euro und in Handlungsfreiheit.
- Themen:
- #Steuern
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















