
Euro durchbricht magische 1,20-Dollar-Marke: Amerikas Währungsdominanz gerät ins Wanken
Was für ein Paukenschlag an den internationalen Devisenmärkten! Der Euro hat erstmals seit 2021 wieder die psychologisch bedeutsame Schwelle von 1,20 US-Dollar überschritten – ein Meilenstein, der weit mehr als nur eine Zahl auf dem Börsenticker darstellt. Während die europäische Gemeinschaftswährung triumphiert, offenbart sich gleichzeitig die zunehmende Schwäche des einst so mächtigen Greenbacks.
Trumps Politik als Sargnagel für den Dollar
Die Gründe für den dramatischen Kurswechsel liegen auf der Hand, und sie tragen einen Namen: Donald Trump. Die konfrontative Handelspolitik des US-Präsidenten gegenüber langjährigen Verbündeten, seine Angriffe auf die Federal Reserve und die Auseinandersetzungen um Grönland haben das Vertrauen in die amerikanische Währung nachhaltig erschüttert. Noch vor einem Jahr dümpelte der Euro bei knapp über einem Dollar – ein historischer Tiefpunkt, der die Gemeinschaftswährung fast auf Parität mit dem Greenback drückte.
Doch das Blatt hat sich gewendet. Mit einem Plus von rund 13 Prozent im vergangenen Jahr verzeichnete der Euro sein bestes Jahr gegenüber dem Dollar seit 2017. Allein im Januar legte die Währung bereits um 2,1 Prozent zu. Trump selbst kommentierte den Kursverfall seiner Landeswährung mit den Worten, der Dollar-Wert sei "großartig" – eine Aussage, die angesichts der Fakten fast schon zynisch anmutet.
Deutsche Fiskalpolitik als Treiber der Euro-Stärke
Während Amerika strauchelt, zeigt Europa unerwartete Stärke. Besonders die fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen unter deutscher Führung haben dem Euro Auftrieb verliehen. Die Bemühungen um mehr Sicherheit und langfristiges Wachstum in der Eurozone zahlen sich aus – zumindest an den Devisenmärkten. Hinzu kommt ein wachsender Wunsch internationaler Investoren, ihre Portfolios weg vom Dollar zu diversifizieren.
Der Kurs von 1,20 Dollar markiert einen Schmerzpunkt, wie EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bereits im vergangenen Jahr signalisierte.
Historisch betrachtet liegt dieser Wert nur knapp über dem Durchschnitt seit Einführung des Euro im Jahr 1999. Von den Höchstständen bei 1,60 Dollar im Jahr 2008 ist man freilich noch weit entfernt.
Europas Exporteure unter Druck
Doch nicht alle können sich über die Euro-Stärke freuen. Für europäische Unternehmen bedeutet der starke Euro teurere Exporte und damit Wettbewerbsnachteile auf den Weltmärkten. Unternehmen im STOXX 600 Index erwirtschaften laut Goldman Sachs rund 60 Prozent ihrer Umsätze im Ausland – davon entfällt fast die Hälfte auf die USA. Die Analysten von Barclays schätzen, dass der Euro-Anstieg im vergangenen Jahr etwa die Hälfte der Gewinnprognose-Senkungen erklärt.
EZB beobachtet Entwicklung mit Argusaugen
Die Europäische Zentralbank verfolgt die Entwicklung aufmerksam. Allein in der vergangenen Woche legte der Euro um rund zwei Prozent zu – der stärkste Wochengewinn seit April, als Trumps "Liberation Day"-Zölle die globalen Märkte erschütterten. Eine weitere Aufwertung könnte die Importpreise drücken und damit das ohnehin schon unter dem Zwei-Prozent-Ziel liegende Inflationsniveau weiter belasten.
Ablösung des Dollars als Leitwährung? Nicht so schnell!
Trotz aller Euphorie sollte man die Kirche im Dorf lassen. Der Dollar macht nach wie vor knapp 60 Prozent der weltweiten Währungsreserven aus, während der Euro bei etwa 20 Prozent verharrt. Die amerikanische Dominanz im globalen Handel und die tiefen US-Kapitalmärkte werden sich nicht über Nacht ändern. EZB-Präsidentin Christine Lagarde argumentiert zwar, dass die erratische US-Wirtschaftspolitik dem Euro eine größere globale Rolle ermöglichen könnte – doch dafür müsste die Eurozone zunächst ihre seit langem stockende Finanzarchitektur vollenden.
Für konservative Anleger, die nach Stabilität in unsicheren Zeiten suchen, bleibt Gold als bewährter Wertspeicher eine attraktive Option. Während Währungen schwanken und politische Entscheidungen die Märkte erschüttern, hat sich das Edelmetall über Jahrhunderte als verlässlicher Anker erwiesen.

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