
Europas energiepolitischer Selbstmord: Niederlande versiegeln größtes Gasfeld – mitten in der Krise
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Während die Gasspeicher in Mitteleuropa auf historische Tiefstände sinken, während der Nahe Osten in Flammen steht und die globalen Lieferketten für Flüssigerdgas zusammenbrechen, entscheiden sich die Niederlande dafür, ihr größtes Gasfeld – das größte der gesamten Europäischen Union – mit 500 Metern Zement unwiderruflich zu versiegeln. Für immer. Endgültig. Als gäbe es kein Morgen.
Groningen: Ein Schatz wird begraben
Das Gasfeld von Groningen war einst der Stolz der niederländischen Energieversorgung und ein Garant für europäische Unabhängigkeit. Doch die sozialliberal geführte Regierung unter Ministerpräsident Rob Jetten hat beschlossen, diese strategische Reserve dem Erdboden gleichzumachen – buchstäblich. Die Begründung: Erdbebengefahr durch die Förderung. Ein durchaus berechtigtes Anliegen der Anwohner, gewiss. Doch die Frage drängt sich auf, ob es nicht technische Lösungen gegeben hätte, die sowohl den Schutz der Bevölkerung als auch die Aufrechterhaltung einer Notfallreserve ermöglicht hätten.
Stattdessen wählt man den radikalsten aller Wege. Nicht einmal in einer echten Notsituation – und eine solche zeichnet sich am Horizont bereits deutlich ab – könnte dann noch Gas entnommen werden. Es ist, als würde man den Brunnen zuschütten, während das Haus bereits brennt.
Die Straße von Hormus: Nadelöhr der Weltenergieversorgung
Die geopolitische Lage könnte kaum bedrohlicher sein. Seit die USA und Israel Militärschläge gegen die iranische Führung durchgeführt und wesentliche Teile des Machtapparats der Islamischen Republik ausgeschaltet haben, ist das iranische Militär zu einer unberechenbaren Bedrohung geworden. Mehrfach seien Förderanlagen für Öl und Gas in den arabischen Golfstaaten aus dem Iran heraus getroffen worden. Katar, das immerhin ein Fünftel des weltweiten LNG-Verbrauchs deckt, habe seine Produktion und Exporte nach Einschlägen weitgehend einstellen müssen und berufe sich auf „höhere Gewalt".
Der Schiffsverkehr am Persischen Golf sei weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Reeder trauten sich schlicht nicht mehr, die Meerenge an der Straße von Hormus zu durchfahren. Zu hoch erscheine ihnen das Risiko, ein Schiff durch Beschuss zu verlieren. Ohne den ständigen Tankerverkehr lohne sich eine Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der Anlagen in Katar nicht – die dortigen Übergangsspeicher reichten nur für vier Tage Produktion.
Gasspeicher auf historischem Tiefstand
Die Zahlen sprechen eine erschreckend deutliche Sprache. Die niederländischen Speicher liegen bei gerade einmal zehn Prozent Füllstand. In Deutschland sieht es kaum besser aus: Laut Gas Infrastruktur Europa liegen die Erdgasspeicher bundesweit bei einem Füllstand von nur 20,8 Prozent. So tief waren die Speicher in den vergangenen Jahren selbst zum Ende des Winters nicht entleert worden.
Zwar beteuert die Bundesnetzagentur, rund 60 Prozent der Speicherkapazitäten für die kommende Saison seien bereits gebucht. Doch – und hier wird es brisant – dass Händler Kapazitäten reservieren, bedeute noch lange nicht, dass sie diese auch tatsächlich nutzen würden. Die Einspeicherung von Gas lohne sich nur, wenn der Rohstoff im Sommer günstig erworben und im Winter teuer weiterverkauft werden könne. Eine dauerhafte Blockade der Meerenge von Hormus würde diese Kalkulation vollständig über den Haufen werfen.
Der Kampf um die letzten Tanker
Besonders alarmierend ist die Entwicklung auf den Weltmeeren. Ostasiatische Staaten seien bereit, in der aktuellen Lage deutlich mehr Geld für das noch schwimmende Flüssiggas zu zahlen als die Europäer. Ein konkretes Beispiel: Die BW Brussels, ein Tanker mit 71.000 Tonnen LNG aus Nigeria an Bord, hätte eigentlich nach Frankreich fahren sollen – kehrte jedoch unvermittelt um. Südkorea etwa beziehe normalerweise 70 Prozent seiner Energielieferungen durch die Straße von Hormus und plane bereits die Aktivierung eines Notfallfonds inklusive günstiger Kredite für Energiekäufe.
Man kennt dieses Spiel. Es erinnert fatal an die Jahre 2022 und 2023, als der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck bereit war, praktisch alles verfügbare Gas aufzukaufen, um die deutschen Speicher auf rechnerisch über 100 Prozent zu füllen – koste es, was es wolle. Bezahlt hat das bekanntlich der deutsche Steuerzahler und Verbraucher.
Europas selbstverschuldete Energiekrise
Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist nichts weniger als die Konsequenz einer jahrelangen ideologiegetriebenen Energiepolitik, die natürliche Ressourcen verteufelt, statt sie klug zu nutzen. Deutschland hat seine Kernkraftwerke abgeschaltet, die Nord-Stream-Pipelines liegen zerstört auf dem Meeresgrund, Kohlekraftwerke werden verschrottet – und nun versiegeln auch noch die Niederlande ihr größtes Gasfeld. Wer so handelt, der macht sich nicht nur abhängig von den Launen des Weltmarktes, sondern von den Launen autoritärer Regime und geopolitischer Konflikte, auf die Europa keinerlei Einfluss hat.
Beim Erdöl ist die Bundesrepublik immerhin besser aufgestellt: Seit 60 Jahren seien die Mineralölkonzerne verpflichtet, Öl und Ölprodukte für die nächsten 90 Tage vorzuhalten. Eine vergleichbare strategische Reserve für Gas existiert hingegen nicht. Die Gasspeicher seien in den letzten Jahren zu reinen Saisonspeichern verkommen – im Sommer fast leer, im Winter gerade so gefüllt. Dieser Zustand mache verwundbar gegenüber externen Schocks.
Die US-Regierung rechnet mit monatelanger Eskalation
Und die Aussichten? Düster. Die US-Regierung gehe davon aus, dass die Militäroperation im Iran durchaus noch bis September andauern könnte. Sollten die Gasunternehmen annehmen, dass die Preise danach fallen, könnten sie versucht sein, noch geringere Energiemengen vorzuhalten als im vergangenen Jahr. Der niedrige Ausgangsstand in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden spreche jedenfalls grundsätzlich dagegen, dass die Speicherstände die für den kommenden Winter nötige Höhe erreichen würden.
Es ist ein Trauerspiel sondergleichen. Europa – und insbesondere Deutschland – hat sich sehenden Auges in eine Situation manövriert, in der die Energieversorgung von Faktoren abhängt, die jenseits jeder Kontrolle liegen. Wer seine eigenen Ressourcen vernichtet, seine Infrastruktur zerstören lässt und auf die Gnade internationaler Märkte hofft, der betreibt keine Energiepolitik. Der betreibt energiepolitischen Selbstmord.
In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, Vermögenswerte zu besitzen, die nicht von politischen Fehlentscheidungen oder geopolitischen Verwerfungen abhängig sind. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrtausende als krisenfester Wertspeicher bewährt – gerade dann, wenn Energiepreise explodieren und die Inflation galoppiert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie einen wertvollen Beitrag zur Vermögenssicherung leisten.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.
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